Seit Frühjahr 2015 waren die Käufe das zentrale Kriseninstrument der EZB, um für mehr Preisauftrieb zu sorgen. Ökonomen rätseln allerdings, ob Draghi & Co nach dem Treffen in Lettlands Hauptstadt Riga auch konkrete Details nennen oder dies auf die Zinssitzung im Juli vertagen werden.

Die Bank of America Merrill Lynch geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in Aussicht stellen wird, die Transaktionen mit einer kurzen Auslaufphase bis Ende 2018 einzustellen. Mit einem Ausblick auf die künftige Zinsentwicklung rechnet sie noch nicht. "Darauf werden wir noch etwas länger warten müssen, wahrscheinlich bis Juli", prognostizieren die Experten. Einem Insider zufolge wird die EZB wohl zumindest Hinweise geben, dass die Käufe dieses Jahr enden.

Die EZB erwirbt seit mehr als drei Jahren in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere und will dies noch bis Ende September fortsetzen. Dann werden die in Deutschland umstrittenen Käufe ein Volumen von 2,55 Billionen Euro erreicht haben. Was danach passieren soll, ließ die EZB bislang offen. Die Leitzinsen liegen seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Börsianer gehen davon aus, dass die Notenbank frühestens zur Jahresmitte 2019 Schlüsselzinsen anhebt.

Die Erwartungen an das Ratstreffen sind hoch, nachdem EZB-Chefvolkswirt Peter Praet die Diskussion über das Ende der Anleihenkäufe öffentlich auf die Sitzungsagenda setzte. Der enge Vertraute von Notenbankchef Draghi sieht die EZB inzwischen auf gutem Weg hin zu einer nachhaltig höheren Inflationsrate. Dies hatten die Währungshüter stets als Vorbedingung für die Einstellung der Käufe genannt. Die EZB strebt mittelfristig knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Experten zufolge dürften die Notenbank-Volkswirte ihre Inflationsprognosen anheben. Die neuen Vorhersagen sollen zur Zinssitzung vorliegen.

ITALIEN IM FOKUS



Im Mai stieg die Teuerung im Währungsraum auf 1,9 Prozent. "Diese Vorlage sollte die EZB nutzen", rät Zinsexperte Ulf Krauss vom Bankhaus Helaba. Eine Verlängerung der Transaktionen wäre seinen Worten zufolge auch kaum möglich, unter anderem weil die Anleihemärkte leergekauft seien. Aus Sicht der Commerzbank ist zudem die von der EZB gesetzte Ankaufobergrenze in allen großen Euro-Ländern - insbesondere in Deutschland - bald erreicht.

Helaba-Experte Krauss nennt einen weiteren Grund, warum die EZB den Ausstieg jetzt ankündigen sollte: "Zögert sie mit der Weichenstellung, könnte dies als Reaktion auf die jüngste Entwicklung in Italien angesehen werden, was der Reputation schaden würde." In Draghis hoch verschuldetem Heimatland will die neue Regierung aus Lega und 5-Sterne-Bewegung die öffentlichen Ausgaben zur Ankurbelung des Wachstums in die Höhe treiben. Das hatte am Rentenmarkt bereits für Turbulenzen gesorgt.

Nicht alle Experten erwarten allerdings einen großen Schritt bereits am Donnerstag. "Der Rat dürfte zwar das Ende der Nettoankäufe diskutieren, jedoch keinen konkreten Beschluss fassen", äußert BayernLB-Analyst Stefan Kipar. Die EZB bereite jeden Schritt in Zeitlupentempo vor. Kipar setzt eher auf das Zinstreffen am 26. Juli in Frankfurt. Die EZB hat häufig große Entscheidungen in mehreren Stufen vorbereitet. Zuletzt geschah dies 2017.

rtr