Bereits Ende des Jahres könnte der Evonik-Anteil der Stiftung auf rund 60 Prozent abschmelzen - dann wird eine weitere, 600 Millionen Euro schwere Umtauschanleihe fällig. Stiftungschef Bernd Tönjes sprach dem Spezialchemiekonzern indes erneut das Vertrauen aus: "Evonik bleibt eine tragende Säule der RAG-Stiftung."

Die 2007 gegründete RAG-Stiftung soll mit ihrem Vermögen für die Folgekosten des auslaufenden subventionierten deutschen Steinkohlebergbaus einstehen und die sozialen Folgen abfedern. Die letzten Steinkohle-Zechen in der Bundesrepublik sollen zum Jahresende Geschichte sein. Zu den sogenannten Ewigkeitslasten, für die die Stiftung dann aufkommen muss, gehört das Abpumpen von Grubenwasser. Sie greift dazu unter anderem auf ihre Anteile an Evonik zurück - und auf die Dividenden.

2019 KOMMEN DIE ERSTEN RECHNUNGEN



Das Vermögen der Stiftung belief sich Ende 2017 laut Tönjes zu Marktwerten auf mehr als 17 Milliarden Euro. Allein das verbleibende Evonik-Aktienpaket ist 9,3 Milliarden Euro wert. Im kommenden Jahr - nach der Zeitenwende im Steinkohlebergbau - erwartet die Stiftung die ersten Rechnungen der RAG, unter deren Dach der Steinkohlebergbau gebündelt ist. Von 2019 an sollen sich diese Tönjes zufolge auf 220 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Die Stiftung soll finanziell indes nicht zu abhängig von der Chemie sein. Deshalb sieht die Satzung vor, dass sie die Evonik-Beteiligung abschmelzen soll, allerdings mindestens 25,1 Prozent der Anteile halten muss. Im Gegenzug beteiligt sich die Stiftung an Unternehmen aus anderen Branchen. Die Einnahmen aus dem aktuellen Aktien-Verkauf sorgten für Spielraum, um die "Diversifizierungsstrategie fortzusetzen", sagte Finanzchef Helmut Linssen.

Die Evonik-Aktien wurden zu einem Preis von 30,65 Euro und somit mit einem Abschlag von knapp fünf Prozent zum Schlusskurs vom Montag platziert. Damit verringerte die RAG-Stiftung ihren Evonik-Anteil von 68 Prozent auf 64,3 Prozent. Mit dem Verkauf beauftragt hatte sie die Deutsche Bank, die UBS und Goldman Sachs. Am Dienstag gerieten Evonik-Aktien an der Börse unter Druck. Sie fielen um drei Prozent auf 31,26 Euro.

Parallel zu der Aktienplatzierung gab die Stiftung eine Wandelanleihe über 500 Millionen Euro aus, die über sechs Jahre läuft. Sie sei wegen starker Nachfrage um 100 Millionen Euro aufgestockt worden, teilte die Stiftung mit. Drei derartige Papiere im Volumen von zusammen 1,6 Milliarden Euro hat sie bereits begeben. Die erste davon läuft im Dezember aus - wird sie gewandelt, schmilzt der Stiftungsanteil an Evonik auf 60,5 Prozent.

rtr