Für Merck ist es ein wichtiger Etappensieg: Die Europäische Kommission stimmte in der Vorwoche dem Verkauf der Sparte für rezeptfreie Arzneien an den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble zu. Mit den Einnahmen in Höhe von 3,4 Milliarden US-Dollar aus dem Deal kann der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern seine Nettoverschuldung von zuletzt 10,7 Milliarden Euro abbauen - und zugleich in Geschäftsfelder investieren, die mehr Wachstum versprechen.

Neue Produkte als Gewinntreiber



Die Kursdelle vom Jahresanfang hat der Aktienkurs mittlerweile ausgebügelt. Auch die Enttäuschung der Börsianer über die Halbjahreszahlen hielt sich in Grenzen. Hier hatten vor allem negative Währungseffekte und rückläufige Erlöse mit Flüssigkristallen im Geschäftsbereich Performance Materials dafür gesorgt, dass Umsatz und Gewinn schrumpften.

Nach dem von Vorstandschef Stefan Oschmann ausgerufenen "Übergangsjahr 2018 mit vielen Herausforderungen" erwarten die Analysten für 2019 ein sattes Gewinnplus von 40 Prozent. Damit das gelingt, muss vor allem die Pharmasparte liefern. Diese steht für 42 Prozent des Gesamtumsatzes und 38 Prozent des operativen Gewinns. Allerdings hat die Sparte seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Arznei aus eigener Forschung mit Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich auf den Markt gebracht. Großer Hoffnungsträger ist das Krebsmedikament Bavencio, das 2017 zur Behandlung von Blasenkrebs und einer seltenen Form von Hautkrebs zugelassen wurde. Um jährliche Spitzenumsätze im Milliardenbereich einzuspielen, benötigt Merck aber noch die Zulassung für andere Krebsarten. Nach zwei Fehlschlägen wird Merck im Frühjahr 2019 mit Partner Pfizer die nächsten zulassungsrelevanten klinischen Daten vorlegen.

In die Erfolgsspur zurückkehren soll auch das Geschäft mit Spezialmaterialien. Um bis zu drei Prozent will Merck nach 2019 hier pro Jahr wachsen und setzt vor allem auf Leuchtdioden (OLEDs) für Bildschirme und auf Spezialchemikalien für die Chipfertigung.

Rund läuft indes die Laborsparte. Hier zahlen sich Synergien aus der 2015 übernommenen US-Firma Sigma Aldrich aus. Die negativen Währungseffekte sind in den Ergebnissen für 2018 eingepreist, was der moderat bewerteten Aktie weiteren Spielraum nach oben lässt.