Für das Traditionsunternehmen Osram ist der Ausstieg von Siemens ein doppelter Befreiungsschlag: Zum einen endet damit der Streit mit dem Großaktionär um die Strategie, der im vergangenen Jahr eskaliert war. Zum anderen ist mit dem Verkauf über die Börse zunächst die Gefahr gebannt, dass die Aktien an einen chinesischen Interessenten gehen.

"Das ist eine gute Nachricht für Osram", sagte ein Insider, der Osram beim Kampf gegen eine Übernahme beraten hat. "Für Siemens ist der Ausstieg nur konsequent." Die Osram-Aktie fiel um mehr als vier Prozent auf 64,35 Euro. Das liege auch daran, dass die Platzierung der 18,16 Millionen Siemens-Papiere alle Spekulationen über den Verkauf an einen strategischen Investor zunichte mache, erklärten die Analysten von Morgan Stanley. Siemens hielt zwar nur noch rund 17,5 Prozent der Anteile. Diese hätten aber auch der Grundstock für einen potenziellen Käufer sein können.

Vor einem Jahr hatte das Interesse chinesischer Investoren Osram-Aktien auf Rekordhochs getrieben. Sie waren allerdings bei Arbeitnehmervertretern und in der Bundespolitik auf Widerstand gestoßen und hatten Insidern zufolge daraufhin ihr Interesse verloren.

VERTRAUENSKRISE ESKALIERTE



Seit der Abspaltung von Siemens vor vier Jahren und dem Gang an die Börse hat sich der Aktienkurs von Osram fast verdreifacht. Siemens verkaufte seine verbliebenen Aktien nun zu je 65,05 Euro, ein Abschlag von drei Prozent zum Schlusskurs vom Mittwoch. Beim Börsengang selbst hatte Siemens nichts verdient, sondern die Aktien den eigenen Anteilseignern einfach in die Depots gebucht. Bei Osram eingestiegen war Siemens 1920. Damals hatten die drei führenden deutschen Glühlampenhersteller ihre Anteile gebündelt. Seit 1978 gehörte Osram Siemens komplett.

Osram dankte dem scheidenden Großaktionär in einer knappen Mitteilung "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen". Über diesen Kurswechsel war es allerdings zum Zerwürfnis gekommen. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hielt den Ausstieg aus dem einstigen Kerngeschäft mit Glühlampen und den damit verbundenen Abschied vom Privatkunden-Geschäft für zu riskant. Auf der Hauptversammlung 2016 hatte der Großaktionär Osram-Chef Olaf Berlien sogar offen das Vertrauen entzogen. Berlien setzt ganz auf das einträglichere Geschäft mit LED-Technik - etwa für Smartphones - und mit der Autobranche.

rtr