"Die Krise ist für unsere Branche noch nicht vorüber", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Eine Verbesserung der Lage erwartet er erst in der zweiten Jahreshälfte. Dennoch will er in diesem Jahr mindestens so viele Verkehrsflugzeuge ausliefern wie 2020.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Airbus-Aktie legte am Morgen in Paris um rund 2,4 Prozent auf 101,70 Euro zu und war damit Spitzenreiter im französischen Leitindex CAC 40. Seit dem Jahreswechsel hat ihr Kurs um mehr als 13 Prozent zugelegt. Von dem Rekordhoch von 139,40 Euro vom Januar 2020 ist die Aktie jedoch immer noch weit entfernt.

Analyst Stephan Bauer vom Bankhaus Metzler bescheinigte Airbus einen guten Start in das Geschäftsjahr. Wie andere Branchenexperten lobte er den Zufluss freier Barmittel als dicke Überraschung. Im Durchschnitt hätten Analysten hier sogar mit einem negativen Wert gerechnet.

Der gebeutelte Airbus-Rivale Boeing hatte am Mittwoch den sechsten Quartalsverlust infolge gemeldet. Der US-Konzern leidet nicht nur wie Airbus unter den Folgen der Corona-Pandemie, die den Flugverkehr und damit die gesamte Luftfahrtbranche im vergangenen Jahr in eine Krise ungekannten Ausmaßes befördert hat. Der US-Konzern muss sich erst noch von dem Debakel um seinen Mittelstreckenjet 737 Max erholen, der nach zwei tödlichen Abstürzen weltweit mindestens 20 Monate lang nicht abheben durfte.

Für Airbus lief es im ersten Quartal hingegen besser als gedacht. Zwar fiel der Umsatz mit knapp 10,5 Milliarden Euro zwei Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum, als die Corona-Pandemie die Welt und die Wirtschaft im März voll erfasst hatte. Doch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) sprang jetzt von 281 Millionen auf 694 Millionen Euro nach oben. Damit übertraf Airbus die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.

Während die Erlöse in allen drei Konzernsparten bestenfalls stagnierten, legte der Gewinn im Tagesgeschäft durchweg zu. Konzernchef Faury erklärte die Entwicklung mit mehr ausgelieferten Verkehrsflugzeugen, einer Senkung der Kosten sowie den positiven Beiträgen aus dem Hubschrauber-, Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft.

Im ersten Quartal lieferte Airbus 125 Verkehrsflugzeuge aus, drei mehr als im Vorjahreszeitraum. Unterdessen stornierten Kunden Bestellungen über 100 Maschinen, anderseits holte Airbus Neuaufträge über 39 Jets herein.

Wegen der Branchenkrise hat der Hersteller seine Flugzeugproduktion um rund 40 Prozent zurückgefahren und den Abbau tausender Arbeitsplätze eingeleitet. Die Produktion der vielgefragten Mittelstreckenjets aus der A320neo-Modellfamilie soll in der zweiten Jahreshälfte aber wieder von 40 auf 45 Maschinen pro Monat steigen.

Insgesamt hält Faury für das laufende Jahr an seinem Plan fest, mindestens so viele Verkehrsflugzeuge auszuliefern wie im Krisenjahr 2020. Da hatte der Hersteller 566 Maschinen an seine Kunden übergeben. Das bereinigte Ebit soll weiterhin mindestens zwei Milliarden Euro erreichen.

Zudem hat sich das Management zum Ziel gesetzt, dass der Konzern vor Fusionen, Übernahmen und Kundenfinanzierungen mindestens einen positiven Barmittelzufluss erreicht. Im ersten Quartal lag dieser Wert bei plus 1,2 Milliarden Euro. Der Konzern erklärte dies mit positiven Phaseneffekten beim Umlaufvermögen - wie der verstärkten Auslieferung produzierter Flugzeuge.

Der Fokus liege weiterhin auf einer Kontrolle der Betriebskosten und der Entwicklung der Barmittel, sagte Faury. Ende März kam Airbus auf eine Nettoliquidität von 5,6 Milliarden Euro und damit 1,3 Milliarden mehr als zum Jahreswechsel.

Unterdessen treibt das Management den Abbau tausender Arbeitsplätze voran und will die Flugzeugproduktion in Deutschland und Frankreich neu aufstellen. "Wir denken, es ist die richtige Zeit dafür", sagte Faury mit Blick auf die Krise und die vorerst stark verringerte Flugzeugproduktion. In Deutschland und Frankreich sollen jeweils neue Unternehmen entstehen, die vollständig zu Airbus gehören. Ziel sei es, den Produktionsablauf zu optimieren. Für die künftige Aufstellung in Spanien laufen Gespräche. In Deutschland hat die IG Metall bereits Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

dpa-AFX