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Amazon-Aktie: Krisen-Profiteur - vier heiße Eisen im Köcher

Amazon-Aktie: Krisen-Profiteur - vier heiße Eisen im Köcher

WKN: 906866 ISIN: US0231351067 Amazon

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25.05.2020 - 19:40
31.03.2020 03:00:00

Zahlreiche Einzelhändler stehen vor dem Ruin, die Einkaufsgewohnheiten der Menschen verändern sich radikal mit der Coronavirus-Krise. Aufgrund der Quarantäne bestellen immer mehr Kunden im Internet. Bei Amazon brummt das Geschäft daher wie noch nie. Doch nicht nur die e-Commerce-Sparte läuft rund, auch andere Bereiche des Giganten starten gerade richtig durch. Nicht vergessen sollten Anleger den JEDI-Auftrag. Von Franz-Georg Wenner

Während zahlreiche Einzelhändler aufgrund strenger Vorschriften ihre Läden schließen müssen und um ihre Zukunft bangen, boomt der Online-Handel. Einer der größten Profiteure dieser Entwicklung ist Amazon: Bereits vor der Pandemie waren die Amerikaner ein Gigant im zukunftweisenden e-Commerce-Bereich und spielen jetzt ihre Größenvorteile aus. In den USA sollen daher 100.000 zusätzliche Voll- und Teilzeitkräfte für Lager und Auslieferung angeheuert werden, um die Nachfrage zu bewältigen. Amazon übernimmt somit einen nicht unerheblichen Teil der Erlöse, die durch die Schließung der Geschäfte in den Städten wegbricht. Auch in anderen Ländern werden neue Mitarbeiter gesucht.

Je schlechter die Nachrichten ausfallen und je länger die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt bleibt, desto breiter strahlt das Amazon-Smile-Logo. Ähnlich sieht es bei der weltgrößten Biosupermarktkette Whole Foods aus: Wenig überraschend gehen die Bestellungen beim Lieferservice derzeit durch die Decke. Auch an diese bequeme des Lebensmitteleinkaufs werden sich viele Kunden gewöhnen. Im Ergebnis dürfte die Expansion der vergangenen Jahre nun wesentlich dynamischer verlaufen.

Es ist davon auszugehen, dass nach der Krise zahlreiche Kunden die Vorteile von Amazon Prime mit schnellen Lieferungen und das Video-Streaming-Angebot weiter nutzen. Auch diese Sparte profitiert somit von der Pandemie. Für Amazon ein lohnendes Geschäft: Im Frühjahr vergangenen Jahres kauften Prime-Kunden im Jahr für durchschnittlich 1400 Dollar, Nicht-Prime-Nutzer hingegen nur für 600 Dollar.

JEDI-Programm als zusätzlicher Treiber


Ein weiterer nicht zu unterschätzender Wachstumstreiber ist das Cloud-Geschäft. Der Bereich steuerte zuletzt bereits etwa ein Fünftel zum Konzerngewinn bei mit steigender Tendenz. Da zahlreiche Menschen weltweit im Home-Office arbeiten, steigt auch die Nachfrage nach Speicherplatz. Schon jetzt ist Amazon Web Services Markführer vor Microsoft und Google. Ebenfalls wichtig: Amazon hatte sich wie Microsoft um den 10 Milliarden Dollar schweren Cloud-Auftrag (JEDI) des Pentagons beworben und unterlag. Amazon reichte mit Erfolg sofort Klage ein, Microsoft muss die Arbeit an dem Projekt nun stoppen. Eine rechtlich bindende Klärung steht aus.

Inzwischen verstärkt Amazon auch im Gesundheitssektor und der Medizin sein Engagement. Im "Projekt Gesundheit" arbeitet ein Expertenteam angeblich an einem Impfstoff gegen Erkältungen. Der Vertrieb ist gesichert, Amazon schluckte bereits unter anderem die Online-Apotheke PillPack.

Neue Kursdimensionen vor Augen


Zusammengefasst sind daher die Aussichten gut, dass Amazon sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Ein Risiko besteht darin, dass es zu einer weltweiten und lang anhaltenden Rezession und kräftig steigender Arbeitslosigkeit kommt. Viele, auch treue Amazon-Prime-Kunden, dürften dann ihren Konsum deutlich reduzieren. Noch aber wird an den Märkten eine Erholung der Wirtschaft im späteren Jahresverlauf gespielt.

Die Amazon-Aktie glänzt daher mit Relativer Stärke. Während der Dow in der Spitze um 40 Prozent absackte und aktuell gut 30 Prozent unter dem Hoch steht, verlor die Amazon-Aktie nur 25 Prozent und weist einen Abschlag von zehn Prozent auf die Bestmarke auf. Als einer der wenigen Titel behauptet der Wert zudem die viel beachtete 200-Tage-Linie (violett).

Als nächste Zielregion auf der Oberseite sind die alten Hochs um 2050 Dollar zu sehen, darüber ist der Weg bis knapp 2200 frei. Nachhaltig neue Kursdimensionen wird die Aktie aber wahrscheinlich erst erschließen, wenn sich die Konjunkturperspektiven wieder aufhellen. Grundsätzlich dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein. Auf der Unterseite erscheint das Indexschwergewicht bei 1620 und um 1300 gut abgesichert.

Franz-Georg Wenner ist Chefredakteur des börsentäglichen Anlegermagazins "Index-Radar". Der Spezialist für Technische Analyse ist regelmäßiger Gast bei n-tv und dem Verein Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Bei BÖRSE ONLINE war er sechs Jahre Online-Koordinator und Redakteur mit den Schwerpunkten Nebenwerte Deutschland, Zertifikate und Technische Analyse.

www.index-radar.de


Bildquelle: Lucy Nicholson/Reuters, BÖRSE ONLINE

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