Es ist eine außergewöhnlich gute Zeit für global aufgestellte Reedereien für Containerschiffe. Dank zu geringer Transportkapazitäten und der überlasteten Lieferketten bleiben die Frachtpreise hoch.

Mit einer Normalisierung der Lage hatte die zweitgrößte Containerschiffreederei der Welt, A.P. MØller-Mærsk, ursprünglich schon im Sommer gerechnet, nun dürfte es frühestens im vierten Quartal des Jahres so weit sein, prognostiziert der dänische Logistikriese. Der Konzern kann deshalb zum dritten Mal in Folge seine Prognose für das Jahr erhöhen.

Für 2022 stellt der Konzern 31 Milliarden Dollar bereinigten operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Aussicht, sieben Milliarden mehr als bisher avisiert. Das macht sich im Geschäft auch bei den freien Mittelzuflüssen bemerkbar. Der Free Cashflow, aus dem auch die Dividenden bezahlt werden, soll auf 24 Milliarden Dollar zulegen, fünf Milliarden mehr als bisher in Aussicht gestellt.

Im zweiten Quartal hat sich der operative Gewinn (Ebit) dank der hohen Frachtraten auf 8,9 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Der Umsatz, rund 21,7 Milliarden Dollar, legte um gut 50 Prozent zu.

Nach Angaben des US-Börsendienstes Bloomberg stiegen die Frachtraten in der Containerlogistik im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent und waren laut dem Branchenbarometer World Container Index um 470 Prozent höher als 2019. Experten erwarten deshalb auch nach einer Lockerung der Engpässe ein hohes Preisniveau. Das hilft Moller-Maersk finanziell bei der Transformation zu einem weniger zyklischen Logistiker mit Kapazitäten auf See und an Land.

Netz an Transportwegen

Jüngst kaufte die Reederei zu und übernahm die Logistikfirma LF Logistics im Raum Asien-Pazifik und den Lkw-Logistiker Pilot Freight Services in Nordamerika. Damit dehnt der Konzern sein Netz an Land weiter aus, um Transportwege langfristig komplett abzudecken. In der Containerlogistik zählt MØller-Mærsk zu den Akteuren mit den höchsten Margen.

Bei den Übernahmen zum Ausbau der Logistik lege man großen Wert auf Kostendisziplin. Früher habe man weniger darauf geachtet, räumt Robert Uggla, seit März Aufsichtsratschef von MØller-Mærsk, gegenüber der "Financial Times" in einem seiner seltenen Interviews ein. Inzwischen wollten jedoch alle Aktionäre Dividenden und Aktienrückkäufe, auch das sei früher anders gewesen, fügte der 43-Jährige hinzu.

Uggla, der zur fünften Generation der Gründerfamilie Møller zählt, verantwortet auch die Investments der Familie. Mit zwei Stiftungen hat sie rund 70 Prozent der Stimmrechte.

Hohe Dividendenrendite

Für 2022 winkt den Aktionären im März 2023 eine großzügige Beteiligung am Konzernerfolg. Der US-Börsendienst Bloomberg erwartet umgerechnet 510 Euro Dividende pro Aktie, gut 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Aktuell entspricht das einer außergewöhnlichen Dividendenrendite von 19 Prozent. Bei 24 Prozent mehr Umsatz - 2022 waren es 76,6 Milliarden Dollar - erwarten Analysten im Schnitt satte 40 Prozent mehr Nettogewinn.

Aufwärts: Angetrieben von den guten Perspektiven, sollte die günstige Aktie charttechnische Hürden leicht überwinden.