Mit Japan-Trades war die Finanzholding Berkshire Hathaway bisher extrem erfolgreich. Nun legt sie nach und kauft sich bei einem ­Versicherer ein.

Chart + Infobox Tokio Marine Holdings

Ende Oktober schrieben wir an dieser Stelle über japanische Versicherer, die sich verpflichtet hatten, ihre Überkreuzbeteiligungen aufzulösen. Mit dabei: Tokio Marine Holdings, größter Schaden- und Unfallversicherer. Und angesichts der niedrigen Bewertung damals ein Unternehmen, „an dem Warren Buffett Gefallen finden dürfte“ — so unser Urteil. Der Kurs dümpelte danach vor sich hin, aber keine fünf Monate später dürfen wir uns ein kleines Schulterklopfen gönnen: Denn Berk­shire Hathaway kauft sich für rund 1,8 Milliarden US-Dollar bei Tokio Marine ein.

Auf den Spuren Warren Buffetts

Über die Versicherungstochter National Indemnity (NICO) erwarb Berkshire 2,49 Prozent der Anteile, verbunden mit einer auf zehn Jahre angelegten strategischen Partnerschaft. NICO wird dabei in Tokio Marines Rückversicherungspanel aufgenommen, um gemeinsam „M&A-Chancen und globale Investments auszuloten“. Die Beteiligung kann auf bis zu 9,9 Prozent aufgestockt werden. Für Greg Abel, seit Januar Buffetts Nachfolger als CEO, ist der Deal ein frühes Ausrufezeichen. In seinem ersten Aktionärsbrief hatte er Japan-Invest­ments als „im Frühstadium“ bezeichnet. Die Botschaft: Berkshire denkt in Japan langfristig. Die Zahlen geben ihm recht. Seit 2019 kaufte sich Berkshire bei den fünf großen japanischen Handelshäusern ein — für 13,8 Milliarden Dollar. Ende 2025 waren diese Positionen 35,4 Milliarden Dollar wert. Und jetzt also Tokio Marine, das alles andere als ein Nischenplayer ist: mit rund 46 Milliarden Euro Umsatz, 51.000 Mitarbeitern in 38 Ländern und einem Gewinnwachstum von durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr seit 2019. Neben dem breiten Sachversicherungsgeschäft hat der Konzern Spezialfelder aufgebaut — von Luxusimmobilien über Oldtimer bis zur Katastrophenversicherung.

Der Einstieg bei einem Versicherer ist für Berkshire nichts Außergewöhnliches, sondern Kernkompetenz. Geico, General Re, National Indemnity: Das Versicherungsgeschäft lieferte Buffett über Jahrzehnte den Float, also Prämiengelder zum Investieren. Wer Tokio Marine mit Berkshires globalem Netzwerk kombiniert, kann bei grenzüberschreitender Rückversicherung und Kapitalanlage Synergien heben, die einem reinen Finanzinvestor verschlossen bleiben. Tokio Marine zeigt sich dabei als cleverer Partner: Um eine Verwässerung auszugleichen, wurden Aktienrückkäufe bis September 2026 angekündigt.

Fazit

Ein Detail sagt mehr als jede Kennzahl: Berkshire kauft am 52-Wochen-Hoch. Kein Schnäppcheneinstieg, sondern Vertrauen in weiteres Wachstum. Wenn Berkshire so einsteigt, ist das kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir erhöhen das Kursziel, der Stoppkurs ist wegen des volatilen Yen ­etwas großzügiger gesetzt als üblich.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst in der BÖRSE ONLINE-Heftausgabe. Hier lesen Sie weitere spannende Analysen.

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