AUSBLICK 2020

Auf in ein neues Jahrzehnt - Darauf sollten sich Anleger einstellen

Auf in ein neues Jahrzehnt - Darauf sollten sich Anleger einstellen

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31.12.2019 09:00:00

Politik, Wirtschaft und Notenbanken werden auch im nächsten Jahr die Börsen maßgeblich beeinflussen und letztlich darüber entscheiden, ob die Hausse weitergeht. Bei den Finanzmarktexperten herrscht eine leicht positive Grundstimmung. Von Christian Ingerl und Stefan Mayriedl

Alle Jahre das gleiche Spiel: Dem Rückblick folgt der Ausblick, dem Ausblick wieder der Rückblick und so weiter - ein schier endloser Zirkel. Das hält uns aber nicht davon ab, uns sowohl ans Geschehene zu erinnern als auch einen Blick in die Kristallkugel zu werfen. 2019 war aus Börsensicht rund um den Globus ein starkes Jahr mit prozentual zweistelligen Zugewinnen. Die Freude darüber wird aber nur noch wenige Tage halten, dann ist das Schnee von gestern. Die Gedanken richten sich zum Jahresende traditionell in die Zukunft, um die Chancen im neuen Jahr auszuloten.

Wie auch in den vergangenen Jahren sind Vorhersagen schwer zu treffen. Zu groß ist weiterhin der Einfluss der Politik. Da wäre zum einen der Zollstreit zwischen den USA und China, der trotz eines Teilabkommens jederzeit durch eine Twitter-Botschaft von Donald Trump eskalieren kann. Auch der Brexit und seine Folgen sowie die Präsidentenwahl in Übersee hängen wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Die US-Wahl muss aber nicht unbedingt schlecht für die Märkte sein, Wahljahre sind nämlich in der Regel gute Börsenjahre. So legte der Dow Jones von 1928 bis 2016 durchschnittlich im vierten Jahr der Präsidentschaft um mehr als sechs Prozent zu. In den Vorwahljahren lag die Rendite in diesem Zeitraum sogar bei knapp 14 Prozent. 2019 bildet mit einem Anstieg um 19,6 Prozent keine Ausnahme in diesem saisonalen Trend.

Die Konjunktur im Fokus


Über eine mögliche Fortsetzung der Hausse wird in erster Linie jedoch die weitere wirtschaftliche Entwicklung entscheiden. Die diesbezüglichen Nachrichten sind wenig ermutigend. Überall in den Medien ist derzeit von einer "industriellen Rezession" die Rede. Das gilt vor allem für Deutschland. Der ehemaligen Wachstumslokomotive Europas scheint der Dampf auszugehen. "Wir erwarten für 2019 einen Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe um vier Prozent", sagt BDI-Geschäftsführer Joachim Lang. Weltweit wird mit einem kleinen Plus von einem Prozent gerechnet.

Die Industrie ist allerdings nur eine Seite der Medaille. "Der Dienstleistungssektor hält den Konjunkturzyklus am Laufen", setzt Portfoliomanager Adrian Roestel vom Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen dem entgegen und fügt hinzu: "Es wird keine Rezession geben."

So legte das Wachstum des chinesischen Dienstleistungsgewerbes im November bis auf ein Siebenmonatshoch zu. Und in den USA erwartet das Institute for Supply Management (ISM) für den Sektor ein Umsatzplus von 3,4 Prozent im Jahr 2020, verglichen mit 4,4 Prozent im noch laufenden Jahr.

Positiv gestimmt für 2020 ist auch Stefan Kreuzkamp von der DWS: "Eine globale Rezession steht aus unserer Sicht nicht bevor." Mit Blick auf die Aktienmärkte ist der Chefanlagestratege ebenfalls zuversichtlich. Kreuzkamp geht von einer Erholung des Ergebniswachstums aus und rechnet für die USA mit einem Anstieg des Gewinns je Aktie um fünf Prozent, für Europa sagt er gar eine Zunahme um sechs Prozent voraus. Das größte Aufwärts­potenzial sieht er unter anderem für die Börsen in Europa und gewichtet dabei den IT- und globalen Finanzsektor höher.

Was wäre, wenn …?


Für den Fall, dass beispielsweise der Zollstreit doch eskaliert und es daraufhin zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommt, könnte es an den Märkten allerdings ruppig werden. Vor allem weil die Unternehmensgewinne mit den Kursgewinnen 2019 keinesfalls Schritt halten konnten und die Aktien erheblich von Hoffnungen getrieben waren. Diesbezüglich finden die Ökonomen von M. M. Warburg mahnende Worte: "Angesichts der hohen Aktienmarktbewertungen würden im Fall einer Rezession wohl empfindliche Kursverluste drohen." Eine stabilere Wirtschaftslage ist daher Voraussetzung dafür, dass sich die Hausse fortsetzen kann.

Neben den ökonomischen Entwicklungen dürfte im neuen Jahr auch das Zinsniveau eine wichtige Rolle für die Börsen spielen. Global sind die Leitsätze seit Jahrzehnten auf Sinkflug. "Weltweit kam es seit 2008 zu mehr als 200 Zinssenkungen", weiß Thomas Umlauft von Huber, Reuss & Kollegen. Der Rentenexperte schließt weitere Schritte nach unten nicht aus. An den Terminmärkten wird derzeit spekuliert, ob die Fed im dritten Quartal 2020 und damit noch vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November aktiv wird. Auch in Europa dürfte die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde Instrumente finden, die Geldpolitik weiter zu lockern. Von einer Zinserhöhung ist der Euroraum derweil weit entfernt. Einen Schritt nach oben erwarten Ökonomen frühestens im ersten Quartal 2022.

Neue Dekade, neue Chancen


2020 ist allerdings nicht nur einfach ein neues Jahr, es ist auch der Beginn einer neuen Dekade. "Wir stehen am Beginn eines Jahrzehnts der Transformation, in dem neue Gewinner und Verlierer die Art und Weise verändern könnten, wie Anleger ihr Geld investieren", heißt es dazu in der aktuellen Studie "Year Ahead 2020" der UBS. Die Schweizer Großbank glaubt, dass es zu grundlegenden Veränderungen durch Innovationen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Technologie kommen wird. Dazu zählt beispielsweise die Gentherapie wie auch die digitale Transformation. Portfoliomanager Roestel erwartet im Technologiebereich vor allem im Reich der Mitte dynamische Fortschritte: "Spätestens in zehn Jahren wird China das US-Niveau erreicht haben."

An Nachhaltigkeit wird man in Zeiten des Klimawandels ebenfalls nicht mehr vorbeikommen. Fonds, die Kriterien wie Umwelt und Soziales berücksichtigen, genießen schon länger Zuspruch. Laut dem Branchenverband BVI hat sich das verwaltete Vermögen in nachhaltigen Pu­blikumsfonds in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. "Wir sind davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit kein Trend ist, der wieder verschwinden wird, sondern Kern unseres Handelns", sagt DWS-Fachmann Kreuzkamp.

Damit ist klar: Investitionsmöglichkeiten für Anleger wird es in Zukunft weiterhin mehr als genug geben. Jene Titel, die wir als besonders interessant für das neue Jahr einstufen, stellen wir auf den folgenden Seiten getrennt nach Anlageregionen vor. Egal ob zyklische oder defensive Aktien, Bluechips oder Small Caps - unsere Favoriten für 2020 decken ein breites Spektrum ab. Anleger sollten ihr Pulver aber nicht gleich zu Jahresbeginn verschießen, möglicherweise folgt auf das starke Börsenjahr 2019 eine kleine Verschnaufpause. Mit sukzessiven Zukäufen kann die Aktienquote dann übers Jahr hinweg erhöht werden.

Bilanz 2019: Ein starkes Jahr


Nur drei der insgesamt 19 Aktien­empfehlungen aus dem vergangenen Jahr verzeichneten in den zurücklie­genden zwölf Monaten Abschläge. Die große Mehrheit legte dagegen deutlich zu. Mit der deutschen 2G Energy befindet sich sogar ein Verdoppler in unserer Favoritenliste. Aber auch der US-Titel Microsoft, die norwegische Scatec Solar sowie die Schweizer Swiss Life nahmen überproportional im Vergleich zum Gesamtmarkt zu.

Unter Beachtung der Stoppkurse weist das 2019er-­Favoritenportfolio einen Zuwachs um 25,2 Prozent auf. Bei den vorgestellten Fonds und ETFs ragte der Robeco US Premium Equity heraus. Der Fonds, der in Large-Cap-Value-Aktien mit einer attraktiven Bewertung investiert, konnte seinen Vergleichsindex, den Russell 3000 Value Index, klar übertreffen.

Interview: "Bis 2021 sind 18 000 Punkte drin"


Im Oktober kam die entscheidende Wende für einen Bullenmarkt, der etliche Jahre anhalten soll und bei dem sich der DAX verdreifachen könnte - das sagt der technische Analyst Dietrich Denkhaus.

Diesen März, bei einem DAX-Niveau von 11 700 Punkten, prognostizierte der technische Analyst Dietrich Denkhaus im Umfeld der VTAD-Frühjahrskonferenz eine bis ins Frühjahr 2020 anhaltende Baisse mit dem Mindestziel von 10 000 Zählern. Erst danach sollte ein langjähriger Bullenmarkt starten.

Börse Online: Nachdem Sie mit Ihren Prognosen viele Jahre lang sehr gut lagen, scheint jene vom Frühjahr nicht aufzugehen, Herr Denkhaus. Oder bleiben Sie dabei und erwarten für die nächsten Monate noch einen DAX-Absturz?
Dietrich Denkhaus: Nein, einen Absturz erwarte ich nicht mehr. Der DAX sollte sein Tief zur Jahreswende 2018/19 gesehen haben. Meine avisierte ideale Korrekturwelle C nach Elliott gab es nur noch im Ansatz bei bestimmten Sektoren, beispielsweise Banken und der Autoindustrie. Die schwächsten Branchen hatten sich in ihrer Struktur dem Index seit 2015 in negativer Weise entzogen. Eine sehr ausgeprägte Branchenrotation verhinderte schließlich einen korrelierten Absturz im DAX in den Oktober hinein.

Befinden wir uns damit bereits wieder in einer langfristigen Hausse?
Ja, das sollte der Beginn eines neuen, übergeordneten Bullenmarkts sein. Dieser hat sich etwas früher als erwartet etabliert. Der Abwärtstrendbruch Mitte Oktober über 12 500 Punkte war das entscheidende Signal.

Derzeit haben Crashprognosen Konjunktur. Möchten Sie dazu etwas sagen?
Ja, leider verunsichert das die Anleger, passt aber aus Sentiment-Gründen antizyklisch zur jetzigen Marktphase. Nur wenige räumen den Aktienmärkten jetzt große Chancen ein. So entsteht eine Hausse. Eine Achillesverse aber gibt es: Ein Rebreak unter den überwundenen Abwärtstrend würde einhergehen mit einem neuen Tief beim Bankenindex, was die dortige Baisse fortführen würde. Die schlechte Ertragslage der Banken ist ja der eigentliche fundamentale Grund der Crashpropheten. Das DAX-Gesamtbild würde dadurch aber nicht nachhaltig verzerrt.

Wie sieht der DAX-Fahrplan für die nächsten Monate aus?
Es geht darum, die Hausse nach Elliott zu strukturieren. Die Aufwärtsbewegung dürfte traditionell im Mai ein Zwischenhoch markieren. In den Juli hinein dürfte der DAX eine Verschnaufpause einlegen. Um die neue Aufwärtswelle 1 zu komplettieren, dürfte der DAX dann bis Anfang 2021 im Idealfall sogar 18 000 Punkte erreichen.

Das hört sich sehr gut an. Wie lang kann diese neue, von Ihnen als "langfristig" gekennzeichnete Hausse denn andauern?
Oft sind es sieben Jahre, in denen Aktienmärkte recht ununterbrochen klettern. Ich interpretiere die bevorstehende Aufwärts­bewegung als die potenziell dynamischste und nachhaltigste der letzten 20 Jahre. Das wäre dann die Welle 3 nach Elliott. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sie ein ähnliches Ausmaß wie die hinter uns liegende achtjährige Hausse haben wird.

Vom Tief 2009 bis Anfang 2018 stieg der DAX um 279 Prozent. Könnte es also bis Mitte der 2020er-Jahre auf fast 40 000 Zähler hinaufgehen?
Den Startpunkt setze ich analytisch auf 10 000 Punkte zur Jahreswende 2018/19. Von da aus wäre eine Verdreifachung denkbar. 30 000 Punkte bis ins Jahr 2027 liegen durchaus im Rahmen des DAX-Kursanstiegs der letzten 30 Jahre.

Gibt es denn Bestätigungen von anderen Indizes für den Bullenmarkt?
Der befreiende Ausbruch im DAX geschah im Einklang mit dem Erreichen neuer Allzeithochs beim MSCI-World-Index. Auch markierte beispielsweise der S & P 500 Index im Oktober neue Allzeithochs und konnte eine enorm wichtige Widerstandszone überwinden. Breite europäische Indizes schafften dies ebenso. Trotz der konjunkturellen Ein­trübung und der politischen Unsicherheit kommen erstaunlich breite, klare Kaufsignale über die Charttechnik.


Bildquelle: iStock, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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