Die Ausweitung des Dieselskandals hat am Freitag für einen Ausverkauf bei Automobilwerten gesorgt. Enttäuschende Geschäftszahlen von Daimler und ein Massenrückruf zahlreicher deutscher Fahrzeugbauer drückten zusätzlich auf die Stimmung. "Im Dax stinkt es gewaltig nach Abgasproblemen", sagte Aktienanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Das deutsche Börsenbarometer verlor deshalb ein halbes Prozent auf 10.397 Punkte und der EuroStoxx50 büßte 0,3 Prozent auf 3144 Zähler ein. Im Vergleich zur Vorwoche lagen die beiden Indizes jedoch immer noch rund 3,5 Prozent im Plus.

Nach Volkswagen und Mitsubishi ist auch Daimler wegen Unregelmäßigkeiten bei Abgaswerten ins Visier der US-Behörden geraten. Parallel dazu ließen französische Ermittler Geschäftsräume von Peugeot wegen ähnlicher Verdachtsmomente durchsuchen. Aus Kreisen der Bundesregierung hieß es zudem, dass Daimler, Opel, VW sowie dessen Töchter Audi und Porsche insgesamt 630.000 Fahrzeuge zurückriefen. Grund sei eine erforderliche Änderung der Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung bei bestimmten Temperaturen. "Es ist wie befürchtet klar geworden, dass das Abgasproblem nicht nur Volkswagen allein betrifft", sagte Patrick Casselman, Analyst bei BNP Paribas Fortis.

Daimler-Aktien waren mit einem Kurseinbruch von über sieben Prozent der mit Abstand schwächste Wert im Dax und im EuroStoxx50. "Der Kursverfall bei Daimler ist ein Zeichen für die Furcht der Anleger vor einer Ausweitung der Affäre", sagte Joe Rundle, Chef-Händler der Brokerhauses ETX Capital. Die Stuttgarter enttäuschten ihre Anleger zudem mit einem Einbruch des Gewinns um ein Drittel auf 1,4 Milliarden Euro. Die Papiere von Peugeot büßten nach der Razzia zeitweise 4,5 Prozent ein. Im Sog der beiden gaben die Papiere der Rivalen BMW, Renault und Fiat bis zu 3,3 Prozent nach.

VW, die in den vergangenen zwei Tagen stark zugelegt hatten, verloren sogar bis zu 4,5 Prozent. Nach der Einigung der Wolfsburger mit den US-Behörden auf Grundzüge eines Entschädigungsplans für die "Dieselgate"-Opfer wird der Konzern einem Insider zufolge 16 bis 17 Milliarden Euro zurückstellen.

GOOGLE UND MICROSOFT ENTTÄUSCHEN ANLEGER



Ins Rampenlicht rückte außerdem die Lufthansa, die Insidern zufolge dem Touristik-Konzern Thomas Cook ihre ehemalige Tochter Condor wieder abkaufen will. Lufthansa-Aktien gewannen 0,5 Prozent, Thomas Cook notierten in London zeitweise 3,2 Prozent fester.

An der Wall Street stand alles im Zeichen von Quartalsbilanzen, die Anleger größtenteils enttäuscht aufnahmen. Schwergewichte wie Alphabet und Microsoft verloren vorbörslich bis zu fünf Prozent. Die Google-Mutter verdiente pro Online-Reklame weniger Geld, zudem fahren wichtige Zukunftsprojekte höhere Verluste ein. Microsoft kommt bei der Neuausrichtung zu einem stärkeren Cloud-Anbieter nur schleppend voran. Aktionäre straften auch die weltgrößte Kaffeekette Starbucks ab, die weniger verdiente als Analysten erwartet hatten.

Reuters