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Baubranche: Wie Anleger auf die Digitalisierung setzen

Baubranche: Wie Anleger auf die Digitalisierung setzen
17.05.2019 03:30:00

Der Nachholbedarf der Baubranche bei der Digitalisierung und die ab 2020 in der EU vorgeschriebenen Digitalstandards bringen neuen Schwung. Wie Anleger das nutzen. Von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Die Baubranche teilt sich derzeit in zwei Welten. Einerseits sind da Digitalunternehmen wie die Münchner Nemetschek und die Stuttgarter RIB Software, die als Entwickler spezieller Programme für die digitale Planung, Fertigstellung und Kostenberechnung aufwendiger Bauprojekte Anleger jüngst mit starken Quartalszahlen beeindruckt haben. Andererseits deutet ein Bericht des TÜV zum Flughafen Berlin Brandenburg die Fortsetzung der Pannenserie an. Die für Oktober 2020 angekündigte Eröffnung des Airports scheint wegen zahlreicher Mängel an den Kabeltrassen und Verzögerungen beim Bau der Brandmeldeanlage wieder einmal gefährdet.

Hätten die Planer des Hauptstadtflughafens auf digitale Technologien wie jene von Nemetschek und RIB Software gesetzt, wäre das Projekt voraussichtlich wie geplant schon vor sieben Jahren in Betrieb gegangen und hätte den Steuerzahlern damit Milliardenausgaben ­erspart. Immerhin gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer, dass künftig mehr Effizienz in öffentliche Bau- und Infrastrukturprojekte einzieht. Denn läuft alles wie geplant, ist die Vergabe dieser Aufträge hierzulande ab 2020 an die Nutzung des weltweit gültigen Digitalstandards BIM (Building Information Modelling) gebunden.

So werden Bauwerke wie der moderne Überbau des Hafenhauses im belgischen Antwerpen von den ersten Zeichnungen über die Kalkulation der Kosten und den Bau bis zum späteren Betrieb über digitale Modelle geplant. In jeder Phase sind die Beteiligten via Internet eingebunden.

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Fortschritte innerhalb eines Projekts können vor der Umsetzung der jeweiligen Schritte am Computer simuliert und bei Bedarf angepasst werden. Für die anschließende Nutzung des Gebäudes, erfahrungsgemäß der größte Kostenfaktor während des Lebenszyklus, sind alle Daten und Pläne digital erfasst, was den Betrieb vergünstigen und vereinfachen sollte.

Enormer Nachholbedarf


Rund 150 Milliarden Dollar wurden 2017 im Baugeschäft weltweit in IT investiert. Experten des Beraterkonzerns McKinsey erwarten bis 2025 einen Anstieg auf 450 Milliarden Dollar. Viel Potenzial also für Digitalisierungsspezialisten. Zudem ist die Baubranche bei der Digitalisierung - anders als die Autoindustrie, der Musterschüler - bei diesem Thema bisher fast das Schlusslicht. Sie rangiert beim Nachholbedarf knapp vor den Versorgern.

Gebremst wird die breitere Anwendung digitaler Technologien in größeren Projekten hierzulande bisher nicht nur durch die starke Zersplitterung des Sektors, sondern auch durch die Gebührenordnungen von Architekten und anderen Berufsgruppen, die aus den Zeiten vor dem Web stammen, heißt es in der Branche. Während der Digitalstandard BIM und 3-D-Planungen in Skandinavien, Großbritannien, den USA und Australien für Architektur- und Baufirmen zum Alltag gehören, sind sie in Deutschland und in weiten Teilen der EU noch die Ausnahme.

Dennoch gelingt es den global tätigen deutschen Mittelständlern, die Bausoftware entwickeln, den um ein Vielfaches größeren weltweiten Branchenprimus Autodesk aus Amerika in Europa auf ­Distanz zu halten. Die breit aufgestellte Firmengruppe Nemetschek ist mit 461 Millionen Euro Umsatz sogar die Nummer 1 des Kontinents.

Das haben die Münchner durch Zukäufe erreicht. Mit den auf die Bereiche Bauen, Nutzen und Media verteilten Unternehmen werden im Verbund 16 Marken verwaltet. Ihre Anzahl wächst beständig. Anders als in den meisten Softwaremärkten üblich, erhält und fördert Nemetschek die Marken der übernommenen Firmen.

So ist einigen Architekten, die seit Jahren mit der Software der einstigen Neue-Markt-Firma Graphisoft arbeiten, bis heute nicht aufgefallen, dass Graphisoft seit mehr als zwölf Jahren zum Port­folio von Nemetschek gehört. Im Geschäftsalltag der meisten Kunden scheint das nebensächlich zu sein.

Die Unabhängigkeit ihrer zahlreichen Tochterfirmen ist der Nemetschek-Führung wichtig. Sie nutzt damit erfolgreich die Zersplitterung der Branche, nicht nur regional in den verschiedenen Ländern, sondern auch mit Blick auf die diversen digitalen Technologien. Das Kalkül dabei: Wenn sich für die Kunden eines Softwarespezialisten durch die Übernahme der Firma wenig ändert, bleiben sie an Bord - ebenso wie viele aus dem Management des Unternehmens, weil sie unter dem Dach der Holding von Nemetschek ihre Strategie fortsetzen können.

Mit der ab 2020 vorgeschriebenen Nutzung des Digitalstandards bei öffentlichen Projekten in Europa wird bis 2021 eine knappe Verdopplung der Umsätze mit BIM-kompatibler Software erwartet. Die Programme von ­Nemetschek und RIB Software sind mit dem offenen BIM-Standard kompatibel.

Das macht die beiden Mittelständler für Firmenkunden zur Alternative zum US-Rivalen Autodesk, der auf seinen ­eigenen geschlossenen BIM-Standard setzt. Der Markt bietet offensichtlich ausreichend Platz für beide Konzepte. Denn auch für die Amerikaner, die 40 Prozent von umgerechnet 2,1 Milliarden Euro Umsatz in der Baubranche einfahren, ist der Sektor der stärkste Wachstumstreiber.

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