Nach einer Phase erheblicher Kursverluste hat die Bayer-Aktie am Mittwoch eine wichtige Stabilisierung erfahren. Ein US-Gericht in St. Louis, Missouri, erteilte die vorläufige Genehmigung für einen milliardenschweren Sammelvergleich, mit dem der Konzern die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter Roundup (Glyphosat) beilegen will. Die Nachricht wirkte als dringend benötigter Puffer, nachdem das Papier infolge eines verhaltenen Geschäftsausblicks für das Jahr 2026 zuvor deutlich unter Druck geraten war.
Der am Mittwoch vorläufig gebilligte Vergleich sieht Zahlungen von maximal 7,25 Milliarden US-Dollar vor, die über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren geleistet werden sollen. Mit dieser Einigung will Bayer sowohl bereits anhängige als auch potenzielle künftige Klagen wegen Krebserkrankungen (Non-Hodgkin-Lymphom) abdecken. Für den Konzern ist dies ein entscheidender Schritt, um finanzielle Planungssicherheit zu gewinnen, da die Rechtsrisiken in den USA das operative Geschäft seit der Monsanto-Übernahme massiv überschatten. Dennoch bleibt die finale Umsetzung zeitaufwendig: Die betroffenen Kläger haben nun bis Anfang Juni 2026 Zeit, den Vergleich abzulehnen oder Einwände vorzubringen, bevor das Gericht eine endgültige Entscheidung trifft.
Wachstumshoffnungen durch Pharma-Pipeline und US Supreme Court
Parallel zu den rechtlichen Fortschritten lieferte die Pharma-Sparte zuletzt positive Impulse. Detaillierte Daten aus der Phase-III-Studie zum Gerinnungshemmer Asundexian zeigten eine Reduktion des Schlaganfallrisikos um 26 Prozent, was Analysten ein Spitzenumsatzpotenzial von bis zu drei Milliarden Euro bescheinigen. Zudem richtet sich der Blick der Anleger auf den US Supreme Court: Das höchste Gericht der USA prüft derzeit den Fall „Durnell“, in dem es um die grundsätzliche Frage geht, ob Bundesrecht über dem Recht einzelner Bundesstaaten steht. Ein Urteil in diesem wegweisenden Verfahren wird ebenfalls für Juni 2026 erwartet und könnte die Basis für künftige Schadenersatzklagen in den USA dauerhaft entziehen.
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Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die vorläufige Billigung des Glyphosat-Vergleichs für die Aktie?
Die Entscheidung reduziert kurzfristig die Unsicherheit über die Höhe der künftigen Entschädigungszahlungen und verhindert einen weiteren Absturz des Kurses unter wichtige technische Unterstützungszonen.
Welche Rolle spielt das Medikament Asundexian für die künftige Bewertung?
Asundexian gilt als wichtigster Hoffnungsträger in der Pipeline, der nach den erfolgreichen Studiendaten im Februar 2026 die drohenden Patentabläufe bei anderen Blockbustern kompensieren und neue Milliardenumsätze generieren könnte.
Warum ist das Urteil des US Supreme Court im Juni so entscheidend?
Sollte das Gericht im Fall Durnell zugunsten von Bayer entscheiden, müssten Unternehmen nicht mehr nach den Gesetzen einzelner Bundesstaaten warnen, wenn sie sich an die Vorgaben der US-Bundesbehörden halten – dies würde die Klagewelle faktisch stoppen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.