"Das ist inakzeptabel", erklärte Konzernchef Thomas Gottstein am Donnerstag. Unterdessen läuft die Aufarbeitung der Archegos-Pleite, der Hedgefonds hatte sich mit geliehenem Geld an den Finanzmärkten verspekuliert, auf Hochtouren. In einem 165-seitigen Untersuchungsbericht kommt die Anwaltskanzlei Paul Weiss, Rifkind, Wharton & Garrisson zu dem Fazit, dass die Banker der Credit Suisse zu nachlässig mit den Risiken des Geschäfts umgingen.

"Die von der Credit Suisse erlittenen Verluste im Zusammenhang mit Archegos sind das Ergebnis eines grundlegenden Versagens des Managements und der Kontrollen in der Investment Bank der CS und insbesondere in ihrem Prime Services Geschäft", hieß es in dem Bericht von Paul Weiss, Rifkind, Wharton & Garrisson. "Das Geschäft war auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet und hat es versäumt, die Risikofreudigkeit von Archegos einzudämmen, ja sie sogar erst ermöglicht." Anzeichen für betrügerisches, rechtswidriges oder böswilliges Verhalten gebe es aber keine.

Verluste in Zusammenhang mit Archegos kosteten Credit Suisse im zweiten Quartal 594 Millionen Franken. Damit summiert sich der seit März kumulierte Gesamtschaden auf 5,0 Milliarden Franken, weit mehr als jede andere beteiligte Bank. Der Vorfall hatte auch eine Reihe von Managementwechseln, Verfahren von Aufsichtsbehörden und eine Kapitalerhöhung nach sich gezogen.

Credit Suisse habe gegen 23 Personen Maßnahmen ergriffen, neun seien entlassen worden, hieß es am Donnerstag. Zudem habe die Bank Vergütungen im Umfang von rund 70 Millionen Dollar gestrichen. "Wir wollen eine von Verantwortung und Rechenschaftspflicht geprägte Unternehmenskultur entwickeln, in deren Rahmen die Mitarbeitenden grundsätzlich Risikomanager sind, klar wissen, was sie tun müssen, allfällige Bedenken eskalieren und für ihre Handlungen verantwortlich sind", erklärte der neue Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio.

RISIKO-REDUKTION BREMST


Kurz vor Archegos sorgte bereits die Not-Abwicklung von zusammen mit Greensill betriebenen Fonds im Volumen von zehn Milliarden Dollar für negative Schlagzeilen. "Wir nehmen diese beiden Ereignisse sehr ernst und sind entschlossen, alle entsprechenden Lehren daraus zu ziehen", sagte Gottstein.

Im zweiten Quartal fuhr die Investmentbank einen Verlust von 86 Millionen Dollar ein. Selbst unter Ausklammerung von Archegos sackte der Vorsteuergewinn um 39 Prozent ab, alle vier Teilbereiche fuhren deutlich tiefere Erträge ein. Damit hinkte die Bank Rivalen wie der UBS, der Deutschen Bank und den Wallstreet-Häusern hinterher, die zumindest im Emissions- und Beratungsgeschäft zulegen konnten.

Gottstein erklärte, Credit Suisse habe ihre Risiken zurückgefahren und werde an dieser Politik festhalten, bis die Überprüfung der Strategie abgeschlossen sei. Die Ergebnisse dieser Überprüfung werde der Konzern spätestens Ende des Jahres vorlegen. Nach früheren Aussagen von Insidern stehen etwa weitere Einschnitte im Investmentbanking, ein Verkauf des Asset Managements und eine Reorganisation der Vermögensverwaltung zur Diskussion. Weniger Risiko bedeutet für Banken meist weniger Geschäft und damit auch weniger Ertrag.

Der Risiko-Abbau führte nicht nur in der Investmentbank zu Bremsspuren. So zogen Millionäre und Milliardäre auch Vermögen ab, was konzernweit zu Mittelabflüssen von 4,7 Milliarden Franken führte. Im ersten Quartal stand noch Neugeld von 28,4 Milliarden Franken zu Buche. Die Abflüsse hätten sich auf die Monate April und Mai konzentriert, im Juni habe die Bank bei den Kunden dann wieder frisches Geld einsammeln können, so Gottstein.

An der Börse sackten Credit Suisse vier Prozent ab. "Operativ hat die CS den Erwartungen im Großen und Ganzen entsprechen können", erklärte ZKB-Analyst Michael Kunz. "Die Abweichung auf Gewinnebene kommt von Rückstellungen für Restrukturierung und Rechtsfälle."

rtr