In den vergangenen Monaten hat sich das Stimmungsbild rund um den Rohstoffsektor wieder aufgebessert. Der Monat Juli ist zwar wieder dürftig verlaufen, aber nicht selten haben Investmentbanken ihre Prognosen zu den Rohstoffpreisen angehoben. Überwiegend nach oben angepasst hat kürzlich auch der russische Broker Renaissance Capital die hauseigenen Vorhersagen zu den physischen Rohstoffen.

Allerdings sehen die Verantwortlichen insbesondere kurzfristig durchaus auch noch Preisrisiken. Diese könnten sich einstellen wenn wie hausintern befürchtet die Weltwirtschaft zur Schwäche neigen sollte. Dennoch glaube man gleichzeitig aber auch, dass die Aktien der Sektor-Vertreter langfristig werthaltig sind. In einigen Fällen wurden zuletzt auch die Kursziele erhöht. Dies ist neben den höheren Rohstoffpreisen auf Kosteneinsparungen zurückzuführen. Außerdem sind die neuen Vorgaben ein Reflex auf die von den Unternehmen zuletzt präsentierten Produktionszahlen.

Trotzdem werden längst nicht alle der beobachteten Titel als kaufenswert eingestuft. Neben sechs Kaufempfehlungen gibt es auch neun Halte- und sieben Verkaufs-Einstufungen. Börse Online stellt von den Kaufempfehlungen auf den nachfolgenden Seiten vier Titel vor, die über nennenswertes Kurspotenzial verfügen.



Rohstoffaktien-Favoriten von Renaissance Capital, Nummer vier: BHP Billiton Plc. (WKN: 908101, 9,49 britische Pfund, 11,34 Euro)



Deutlich von dem im Januar bei 5,81 Pfund markierten Jahres- und Mehrjahrestief abgesetzt hat sich der Aktienkurs von BHP Billiton. Bei aller Freude darüber sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Titel im Jahr 2011 in der Spitze bereits bei deutlich höheren 26,32 Pfund gehandelt wurde. Kurzfristig hat sich im Bereich von zehn Pfund ein Widerstand aufgebaut. Dieser muss überwunden werden, um den aufgenommenen Aufwärtstrend als intakt zu untermauern.

Der im Juni 2001 aus der Fusion von BHP Ltd. (heute BHP Billiton Ltd.) und Billiton Plc (heute BHP Billiton Plc) entstandene, gemessen am Marktwert weltgrößte Bergbaukonzern, konzentriert sich mittlerweile auf die Rohstoffe Eisenerz, Erdöl/Erdgas, Kupfer, Koks- und Kraftwerkskohle. Die Gesellschaft gab unlängst einen vorsichtigen Förderausblick ab und damit wurden auch die Erwartungen für den weiteren Geschäftsverlauf gebremst. Die Eisenerzproduktion soll allerdings im laufenden Geschäftsjahr ausgeweitet werden und es bleibt abzuwarten, was mit diesem Angebot passiert. Insbesondere dann, wenn China wie geplant umfangreiche Produktionskapazitäten in der Stahlbranche stilllegen sollte.

Überhaupt nicht gut für die Stimmung sind auch die Ereignisse rund um den im Vorjahr aufgetretenen verheerenden Dammbruch im Brasilien, der 19 Todesopfer forderte und durch den ein Fluss verseucht wurde. Wie es in der Vorwoche hieß, wird deswegen mit einer Belastung des Nettojahresgewinns in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar gerechnet. Weitere Details dazu gibt es vielleicht am 16. August bei der Vorlage von detaillierten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015/16.

Bei Renaissance Capital haben die Analysten unbeirrt von alledem kürzlich aber das in südafrikanischer Landeswährung angegebene Kursziel für die BHP-Aktie um neun Prozent auf 230 südafrikanische Rand erhöht. Das bewegt sich um 32,5 Prozent über den aktuellen Notierungen von 173,65 Rand. Angepasst wurde die Vorgabe wegen ebenfalls angehobener Prognosen zu Gewinn und Cash Flow. Den Angaben zufolge soll sich der etwa der freie Cash Flow in diesem und im kommenden Geschäftsjahr nach einem Einbruch auf 3,168 Milliarden Dollar wieder auf 6,185 Milliarden Dollar bzw. 8,282 Milliarden Dollar erhöhen.

Für die positive Haltung gegenüber der Aktie werden unter anderem die folgenden Gründe genannt: Niedrige Kosten, lange Lebenszeiten der Minen, langfristig ansprechende Margen, disziplinierte Kapitalallokation, mittelfristiger Volumenausbau bei geringer Kapitalintensität. Chancen auf steigende Preise bei den geförderten Rohstoffen, positiver Cash Flow, Potenzial für attraktive Dividenden. Dagegen wird der erwähnte Dammbruch als Unsicherheitsfaktor erwähnt.





Rohstoffaktien-Favoriten von Renaissance Capital, Nummer zwei: Rio Tinto Plc. (WKN: 852147, 24,23 britische Pfund, 28,91 Euro)



Die Ausgangslage beim zweiten Renaissance Capital-Bergbau-Favoriten Rio Tinto gestaltet sich charttechnisch ganz ähnlich wie bei Rio Tinto. Von einem massiven Einbruch hat sich der Wert seit Ende 2015 erholt, von den früheren Bestkursen (70,78 Pfund aus dem Jahr 2008) ist man aber noch immer sehr weit entfernt. Wichtig wäre es hier jetzt, das Jahreshoch bei knapp 25 Pfund hinter sich zu lassen, über die es die Notiz zuletzt nicht geschafft hat.

Der ebenfalls zu den ganz Großen der Branche zählende Konzern ist in den Bereichen Eisenerz, Aluminium, Kupfer, Energie (Kohle und Uran) sowie Diamanten und Mineralien aktiv. Eisenerz ist das wichtigste Betätigungsfeld, zuletzt wurde am Markt aber darüber spekuliert, Rio Tinto könnte versuchen, das Kupfergeschäft zu stärken, um die Abhängigkeit des Ergebnisses vom Eisenerz zu verringern, das im Fiskaljahr 2016 rund 61 Prozent zum EBITDA beisteuerte.

Als zwischenzeitlicher Kursdämpfer erwiesen sich die im Juli von dem bereits im Jahr 1873 gegründeten Unternehmen gemeldeten Produktionszahlen. Denn diese legten nahe, dass beispielsweise bei der Eisenerz-Produktion im zweiten Halbjahr noch Gas gegeben werden muss, um die Jahresziele zu erreichen. Bei Renaissance Capital zeigten sich die verantwortlichen aber weitgehend zufrieden mit den präsentierten Produktionszahlen.

Die zur Wochenmitte von Rio Tinto vorgelegten Geschäftszahlen wurden mit kleineren Kursverlusten quittiert. Der bereinigte Gewinn sank im ersten Halbjahr zwar von 2,92 Milliarden auf 1,56 Milliarden Dollar, aber das lag im Rahmen der allgemeinen Analystenschätzungen. Wenig erfreut dürften die Anleger über eine von 1,075 Dollar auf 0,45 Dollar je Aktie gesenkte Zwischendividende, doch auf eine nicht mehr konstante Dividendenpolitik hatten die Verantwortlichen die Anleger bereits im Februar eingestimmt.

Wie bei BHP haben die Renaissance-Analysten auch bei Rio Tinto jüngst die Schätzungen erhöht. Als Konsequenz daraus wurde auch das Kursziel um 13 Prozent auf 34,00 Pfund angehoben. Eine Vorgabe, die sich um gut 40 Prozent über den derzeitigen Kursen bewegt. Die Gewinnschätzungen bewegen sich für die Jahre 2016 bis 2018 bei 2,47 Dollar, bei 2,58 Dollar und bei 2,94 Dollar. Daraus ergibt sich für das übernächste Jahr ein geschätztes KGV von rund elf. Zu beachten ist dabei, dass sich die Schätzungen deutlich über dem Analystenkonsens bewegen.

Als Gründe für ein Investment nennt Rio Tinto diese Argumente: Eine relativ starke Bilanz und eine gute Cash-Generierung. Ein robustes Volumenwachstum bis zum Fiskaljahr 2019. Niedrige Kosten und eine lange Lebensdauer der Minen, die langfristig ansprechende Margen versprechen. Solide Ergebnisse erhofft man sich auch von einer disziplinierten Kapitalallokation und sehr guten Assets. Darüber hinaus bestehe die Chance auf steigende Preise bei den produzierten Rohstoffen.





Rohstoffaktien-Favoriten von Renaissance Capital, Nummer drei: Anglo American Plc. (WKN: A0MUKL, 8,35 britische Pfund, 9,97 Euro)



Unter den Aktien der großen Bergbaukonzerne haben nur wenige Titel so einen Ausverkauf erlebt wie Anglo American. Das will etwas heißen, schließlich haben auch die anderen Branchenvertreter in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren. Aber immerhin: Von den noch im Januar markierten Tiefs hat sich die Notiz wieder deutlich erholt. In der Spitze betrug das Kursplus dabei mehr als 200 Prozent. Nach diesem Zwischenspurt legte die Aktie zuletzt eine Verschnaufpause ein und charttechnisch ist noch offen, ob man sich aus dem mehrmonatigen Seitwärtstrend nach oben oder nach unten hin verabschieden wird.

Mit den in der Vorwoche vorgelegten Geschäftszahlen hat der Minenkonzern die Anleger noch einmal daran erinnert, warum der Titel so sehr unter Druck geraten ist. Denn die Zahlen sind für sich alleine betrachtet alles andere als toll ausgefallen. So sorgten niedrigere Rohstoffpreise in den ersten sechs Monaten für einen Erlösrückgang von 20 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Zudem musste ein Verlust von 813 Millionen Dollar ausgewiesen werden.

Gleichzeitig beinhaltete das Zahlenwerk aber auch Trostpflaster: Das jetzt vorgelegte Minus ist geringer als der für das Vorjahr ausgewiesene bereinigte Verlust von drei Milliarden Dollar. Der aktuelle Halbjahresfehlbetrag beinhaltet auch Abschreibungen von 1,2 Milliarden Dollar für einige der Kohleaktivitäten Anglo Americans in Australien. Bereinigt um Sondereffekte, wie etwa Abschreibungen für Kohleaktivitäten in Australien fiel ein Gewinn von 698 Millionen Dollar an. Das war zwar gut ein Viertel weniger als im Vorjahr, aber dafür deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 340 Millionen Dollar. Auf der Plusseite zu verbuchen ist zudem ein Rückgang der Nettoschulden zum Stichtag 30. Juni von 12,9 Milliarden zum Jahresultimo auf 11,7 Milliarden Dollar.

Bei Renaissance Capital zeigten sich die zuständigen Analysten angetan von den Nachrichten. Wie es hieß, seien die Erfolge auf der Kostenseite beeindruckend ausgefallen. Auch dadurch bedingt sei der generiete Cash Flow deutlich höher als erwartet ausgefallen. Bei der Verschuldung geht man außerdem nunmehr davon, dass sich deren Stand bis Ende 2016 auf 9,9 Milliarden Dollar verringern wird. Das trage zu sinkenden Risikoprämien bei. Für die Fiskaljahre 2017 und 2018 wird mit freien Cash Flows von 1,8 Milliarden und 1,9 Milliarden Dollar gerechnet.

Bei den Gewinnen je Aktie wird gleichzeitig von einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate von 18 Prozent für die nächsten fünf Jahre ausgegangen. Unter dem Strich wurden die Gewinnschätzungen deutlich angehoben. Das gilt auch für die Einschätzung, die von Halten auf Kaufen gedreht wurde sowie für das Kursziel. Die neue Vorgabe lautet hier 200 Rand statt der zuvor genannten 140 Rand. Damit die Rechnung aufgeht, müsste die Aktie bei einem derzeitigen Rand-Kurs von 155,62 um 28,5 Prozent zulegen.





Rohstoffaktien-Favoriten von Renaissance Capital, Nummer vier: Mondi Plc. (WKN: A1JBPG, 285,50 südafrikanische Rand, 17,75 Euro)



Das Chartbild von Mondi kommt mit einem seit dem ersten Quartal 2009 aufgenommenen Aufwärtstrend daher. Seit Mitte Mai 2015 ist daraus aber ein mittelfristiger Seitwärtstrend geworden und so langsam wäre es für die Notiz mal wieder an der Zeit, sich für eine klare Richtung zu entscheiden. Noch zeichnet sich aber kein eindeutiger Richtungsentscheid ab.

Anders als bei den anderen drei vorgestellten Werten handelt es sich hier um keinen Bergbaukonzern. Vielmehr steckt hinter der mit einem Doppelsitz in London und Johannesburg ausgestatteten Gesellschaft ein Papier- und Verpackungsmittelhersteller. Tätig ist man mit rund 25.000 Beschäftigten n mehr als 30 Ländern. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Zentraleuropa. Russland, Nordamerika und in Südafrika. Es handelt sich um einen integrierten Konzern, der die Wertschöpfungskette von der Forstwirtschaft bis zur Papierherstellung abdeckt. Der Umsatz betrug um Vorjahr 6,8 Milliarden Dollar.

Anders als bei den drei anderen Favoriten hat Renaissance in diesem Fall das Kursziel zuletzt nicht erhöht, sondern leicht gesenkt. Begründet wird das mit etwas höher angesetzten Werten für den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosteneinsatz. Konkret wurde die Vorgabe von 360 auf 350 Rand zurückgenommen. Damit bewegt man sich aber immer noch über dem im Vorjahr bei 336 Rand aufgestellten Rekordhoch. Um das Kursziel zu erreichen, müsste die Notiz um 17,7 Prozent zulegen.

Die Gewinnprognose lautet nach den im Vorjahr erzielten 16,96 Rand je Aktie für die Jahre 2016 bis 2018 wie folgt: 19,64 Rand, 19,00 Rand und 20,48 Rand. Auf der Basis für dieses Jahr ergibt sich damit ein geschätztes KGV von 14,5. Vielleicht muss aber schon bald neu kalkuliert werden, denn am 04. August kommen die Halbjahreszahlen.

Im Vorfeld hatte der Vorstand allerdings jüngst bereits angekündigt, für das erste Halbjahr einen operativen Gewinn vorlegen zu können, der sich über den im Vorjahr erzielten 490 Millionen Euro bewegen wird. Renaissance kalkuliert hier mit 504 Millionen Euro. Beim Ergebnis je Aktie wurde vom Unternehmen gleichzeitig ein Wert in einer Spanne von 0,73 bis 0,77 Euro in Aussicht gestellt.

Die Renaissance-Kaufempfehlung für diesen Titel basiert auf der Annahme, dass sich die Aussichten des beackerten Marktes dank der Digitalisierung und einer wachsenden Weltbevölkerung positiv gestalten. Zumal diese Annahme auch durch die anhaltende Urbanisierung, eine weltweit wachsende Mittelschicht, sich wandelnde Lebensstile und der Erderwärmung gestützt werde. Das Unternehmen verfüge über strukturelle Kostenvorteile, die nur schwer nachzuahmen seien. Außerdem arbeite man kontinuierlich daran, diesen Vorteil zu behaupten oder noch weiter auszubauen. Die Margen seien ansehnlich und die Verantwortlichen stets bestrebt, das Geschäft auch mit Hilfe von Innovationen anzukurbeln.