Sanieren, Bauen, Digitalisieren: Mit der Infrastruktur steht es nicht zum Besten. Tausende Milliarden werden benötigt um Straßen, Bahntrassen, Brücken oder auch die Energieversorgung nachzurüsten. Drei Unternehmen, die auf Jahre hinaus von den höheren Ausgaben profitieren sollten.

Es war im stark ländlich geprägten Odenwald 2025 das ganz große Thema: Die im lokalen Slang als „Zeller Brück“ bezeichnete Überführung der B 45 über einen kleinen Bach und die Bahnstrecke nach Darmstadt nahe dem Ort Zell ist seit April 2025 wegen Rissen gesperrt und musste dann gesprengt werden. Seitdem ist die Hauptverkehrsader des Tals für Pkws nur sehr eingeschränkt und für Lkws nur mit sehr großen Umwegen nutzbar. Die Neubauarbeiten beginnen in diesem Jahr, die Fertigstellung wird für 2027 erwartet.

Das ist kein Einzelfall. Tatsächlich bräuchten laut iBau, dem Auskunftsdienst für Bau-Ausschreibungen, 16 000 Brücken eine Sanierung. Und die Dringlichkeit ist hoch: Die Brücken wurden in den 1960er-Jahren mit geringerem Verkehrsaufkommen gebaut. Mit mehr Pkws und Lkws ist die Belastung aber höher. Die Bundesregierung will nun bis 2032 immerhin 4000 Brücken auf den neuesten Stand bringen lassen. Die Ausgaben für die Sanierung belaufen sich auf 100 Milliarden Euro.

Brücken sind auch ein großes Thema für die Bahn. Die Pünktlichkeit ist auf dem Tiefpunkt. Ein entscheidender Grund liegt in der veralteten Infrastruktur. Brücken, die nicht auf dem modernsten Stand sind, müssen mit geringer Geschwindigkeit passiert oder sogar umfahren werden. Und erst wenn dort das Notwendigste getan wurde, werde sich auch die Pünktlichkeit verbessern, sagt die neue Bahnchefin Evelyn Palla. Im laufenden Jahr wird der Konzern rund 23 Milliarden Euro ins Netz investieren. Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen nach und nach mehr als 40 Korridore für mehrere Monate voll gesperrt und grundlegend saniert werden.

Ein dritter großer Block ist die Energiewende. Europa hat eine Vorreiterrolle zum Abbau von Klimagas. Die Maßnahmen sind ein Umbau bei den Energiequellen, aber auch die zusätzliche Isolierung und Dämmung. Laut McKinsey stehen die beiden Bereiche Transport und Energie weltweit für mehr als die Hälfte der globalen Infrastrukturausgaben. Dazu kommt gerade in Europa der Wiederaufbau der Ukraine. Die Weltbank schätzt die Kosten auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Zerstört sind vor allem Verkehrswege und Energieinfrastruktur sowie Umwelttechnik. Firmen, die in diesen Sektoren unterwegs sind, haben in den kommenden Jahren Rückenwind.

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ALSTOM SA
Schienenbau: Die Deutsche Bahn will das Schienennetz digitalisieren, um die Auslastung erhöhen zu können
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Alstom digitalisiert die Bahn

Das Thema Bahn und Schiene können Anleger auch mit dem Dauerfavoriten der Redaktion, der Aktie von Vossloh, abdecken. Gemessen an der Bewertung und dem Gewinn-Momentum erscheinen aber die Anteilscheine von Alstom günstiger. Die Franzosen sind bekannt für den Schnellzug TGV. Das Angebot geht allerdings deutlich darüber hinaus. Alstom hatte vor knapp fünf Jahren Bombardier übernommen. Die Eingliederung gestaltete sich sehr schwierig, weil der kanadische Wettbewerber einige Schwachstellen im Auftragsbuch hatte. Das hat noch einmal Geld gekostet und die Integration verzögert. Nach einer Refinanzierung über eine Kapitalerhöhung sind die Pro­bleme wohl bereinigt. Bombardier brachte in den Konzern vor allem Lokomotiven, Straßenbahnen und Metros ein. Zudem erleichterte sich der Zugang zum amerikanischen Kontinent.

Neben den Antriebsfahrzeugen hat der Konzern auch eine breite Palette von In­frastruktur im Angebot. Während die Züge — vom Schnellzug bis zur Straßenbahn — rund 45 Prozent der Erlöse ausmachen, kommen mehr als ein Drittel aus dem Infrastrukturbereich. Dort hat sich Alstom vor allem die Digitalisierung des Bahnnetzes auf die Fahne geschrieben. Das geht über die Einbindung des sogenannten European Train Control Systems in die Fahrzeuge und entlang der Strecke.

Ausgangspunkt sind die Onboard-Rechner von Alstom. Diese ermöglichen die Erfassung aller relevanten Informationen des Fahrzeugs, aber auch von der Strecke. Die Daten werden dann in digitalen Stellwerken verwendet. Dabei werden etwa Weichen oder Signale IP-basiert mit den zentralen Rechnereinheiten verbunden. In Belgien hat Alstom die lokale Bahngesellschaft unterstützt, die Anzahl von Streckenzentralen von 368 auf zehn zu reduzieren. Und auch mit der Deutschen Bahn ist Alstom im Geschäft. Vor einem Jahr wurde ein Rahmenvertrag über mindestens 1890 Stellwerke im Wert von über 600 Millionen Euro abgeschlossen.

Das Unternehmen hat schon heute ­einen Auftragsbestand, der weit über ­einen Jahresumsatz hinausgeht. Die Erlöse sollten kontinuierlich zulegen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Marge vor allem im kommenden Geschäftsjahr, das im März 2027 endet, deutlich verbessern kann. Der Gewinn pro Aktie kann sich laut den Prognosen in den kommenden drei Jahren mehr als verdoppeln.

Ein bisher noch wenig beachteter Joker für die Aktie könnte der neue Firmenchef werden, der ab 1. April das Amt übernehmen wird. Martin Sion hat bei seinen früheren Stellen, wie etwa beim Rüstungskonzern Safran, viel Wert auf operative Exzellenz und Kostendisziplin gelegt. Das sind Punkte, die Aktionären besser gefallen als zu teure Übernahmen.

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Schneiden von Rohren: Das sogenannte Plasmaschneiden von Rohrleitungen bietet Bilfinger als Dienstleistung an
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Alleskönner Bilfinger

Energie im weitesten Sinne ist ein beherrschendes Thema bei Bilfinger. Aus dem Baukonzern hervorgegangen, bezeichnet sich das Unternehmen heute als Industriedienstleister, als Partner für Prozessindustrie. Und das hat nicht nur im ferneren Sinne mit Infrastruktur zu tun. Der Großteil der Kunden kommt etwa aus der Energiebranche, dem Bereich Öl und Gas, aber auch aus der Chemie oder dem Pharmabereich.

Bilfinger kann etwa bei klassischen Kraftwerken von der Beratung über den Bau bis hin zu Erweiterung oder Sanierung alles anbieten. Bei Rechenzentren kümmert sich der Konzern um Stromversorgung und um Kühlsysteme. Die Liste geht weiter vom Bau von Batterieproduktionen hin zu Fernwärmeleitungen und zur Nutzung von Wasserkraft und Wasserstoff. Das Unternehmen kennt sich bei Müllverbrennungsanlagen oder bei der Verwertung beziehungsweise Speicherung von Klimagas aus und beliefert Halbleiterhersteller mit Reinwasseranlagen.

Der Bedarf an diesen Lösungen und Dienstleistungen wird zunehmen. Dafür sorgt schon die Tendenz zum Outsourcing. Gleichzeitig werden aber auch die Investitionen in saubere Energie zunehmen. Das Thema Klimaneutralität wird im Sondervermögen der Bundesregierung mit einem Topf in Höhe von 100 Milliarden Euro adressiert. Das wird Investitionen auslösen, und Bilfinger wird für Planung, Bau und Sanierung beauftragt. Der Boden ist also bereitet.

Und der Mannheimer Konzern plant, künftig noch stärker zu ernten als in den vergangenen Jahren. Auf dem jüngsten Kapitalmarkttag hat Bilfinger sich neue Mittelfristziele bis 2030 gesteckt. Die sehen vor, dass das Geschäft pro Jahr um acht bis zehn Prozent wächst. Einen Teil des Wachstums werden die Kernbereiche bringen. Das Unternehmen hat festgestellt, dass es das interne Synergiepotenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft hat. Bestimmte Dienstleistungen etwa werden nur lokal angeboten, könnten aber über alle Absatzgebiete vermarktet werden. Dazu kommt noch das Outsourcing verwandter Industrien. Letztlich will Bilfinger das Geschäft auch noch durch Übernahmen aufpeppen. 2023 hatte das Unternehmen zu guten Preisen Teile der Stork-Gruppe übernommen. Das brachte 500 Millionen mehr Umsatz.

Und wichtig für Investoren: Das Management traut sich eine deutliche Steigerung der Gewinnmarge auf acht bis neun Prozent zu bei einer hohen Cash-Generierung von mindestens 90 Prozent. Wer das nachrechnet, landet selbst bei der Verwendung der unteren Größen der Planung bei einem Ergebnis von mehr als elf Euro für 2030. Das heißt, dass sich der Gewinn pro Aktie in fünf Jahren mehr als verdoppeln würde. Die Redaktion hebt deshalb das Kursziel auf 135 Euro an.

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Verkehrswegebau bei Strabag: Der Konzern ist in diesem Bereich mit Abstand Marktführer in Deutschland
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Strabag baut Infrastruktur

Zurück zu Brücken und Straßen. Platzhirsch im deutschen Verkehrswegebau ist Strabag. Auf der Aufgabenliste der Österreicher stehen aber auch Bahnnetz- und Tunnelbau sowie der Bau von Wasserstraßen. Der Konzern wird zudem für die Errichtung von Stromtrassen beauftragt, ist etwa in dem wichtigen Projekt der Energiewende, der Nordsee-Strom in den Süden der Republik bringen soll, vertreten. Angesichts des breiten Angebotsspek­trums scheint es keine gewagte Prognose zu sein, dass bei Strabag einiges von den deutschen Infrastruktur-Milliarden landen wird. Zudem scheint der Konzern prädestiniert zu sein, beim Wiederaufbau in der Ukraine mitzuwirken. Der Grund: Polen, das Nachbarland der Ukraine, ist der drittgrößte Markt für Strabag. Das Unternehmen hat dort eine integrierte Wertschöpfungskette und ein dichtes Baustoffnetzwerk.

Noch bevor die Infrastruktur-Milliarden fließen, kann Strabag über eine gute Auslastung nicht klagen. Nach neun Monaten ist die Bauleistung um gut sechs Prozent gewachsen. Noch dynamischer geht es bei den Aufträgen zur Sache. Der Auftragsbestand verbesserte sich um fast ein Viertel auf 31,3 Milliarden Euro. Damit ist der Konzern rein rechnerisch schon heute bis weit ins Jahr 2027 hinein ausgelastet.

In den vergangenen Jahren ist es dem Konzern gelungen, die Profitabilität zu verbessern. Dabei fällt auf, dass das Management zu Jahresbeginn sehr vorsichtig prognostiziert und dann nachbessert. So auch nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025, die Margenprognose wurde von mehr als 4,5 auf mehr als fünf Prozent angehoben. Damit kommt der Konzern schon nahe an das Ziel, bis 2030 eine Gewinnmarge von sechs Prozent zu erreichen. Management-Understatement gepaart mit dem günstigen Marktumfeld ist eine gute Voraussetzung für ein erfolgreiches Langfristinvestment.

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