Bei BMW betrage die Lieferzeit dank der frühzeitigen Umstellung auf den neuen Abgastestzyklus WLTP wie üblich drei Monate, bei anderen Autobauern mehr, sagte Vorstandschef Harald Krüger am Donnerstag. "Da sehe ich Chancen." Vor allem im zweiten Halbjahr werde dies für BMW Vorteile bringen; auch sorgten dann neue Modelle für Schub.

Fahrzeuge wie die Luxuslimousine 8er, die Geländewagen X5 und X7 von BMW sowie der Edel-SUV Cullinan der Tochtermarke Rolls-Royce spielen zudem höhere Renditen ein. "Wachstum ist wichtig im harten Wettbewerb im Premiumsegment", sagte Krüger, es müsse aber profitabel sein. Er bekräftigte das Ziel, dass 2018 der Konzerngewinn vor Steuern (EBT) mindestens die 10,7 Milliarden Euro aus dem Vorjahr erreichen oder leicht steigen werde, wenn die geplante Fusion der Carsharing-Geschäfte von BMW und Daimler von den Behörden freigegeben werde. Im zweiten Quartal brach der Vorsteuergewinn um sechs Prozent auf 2,87 Milliarden Euro ein. Analysten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. An der Börse lag die Aktie am Nachmittag in einem schwachen Gesamtmarkt knapp ein Prozent im Minus.

HOHE KOSTEN FÜR NEUE MODELLE UND TECHNOLOGIEN



In der zentralen Autosparte schrumpfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14,5 Prozent auf gut 1,9 Milliarden Euro. BMW begründete die Rückgänge mit hohen Kosten für neue Modelle und Technologien, dem starken Euro und gestiegenen Rohstoffpreisen. "Was wir jetzt entwickeln, macht uns morgen wettbewerbsfähig", sagte Finanzchef Nicolas Peter. Die Marge im Autogeschäft - eine der zentralen Messgrößen innerhalb der Branche - ging auf 8,6 Prozent zurück. Das sind weniger als die 10,1 Prozent vor Jahresfrist, weniger als von Analysten erwartet und nicht so viel wie die 9,2 Prozent, die Audi für die Monate April bis Juni vorweisen kann. Mercedes verbuchte in diesem Zeitraum einen Rückgang der operativen Rendite auf 8,4 Prozent.

BMW reagiere "frühzeitig auf Anforderungen", sagte Vorstandschef Krüger. Für die WLTP-Tests habe man sich frühzeitig Prüfstandkapazitäten gesichert. Nur drei Modellvarianten seien noch nicht umgestellt. Zur Zollerhöhung Chinas auf US-Importe, die in Amerika gefertigte Produkte wie die Geländewagen der X-Reihe verteuert, sagte Krüger, BMW produziere schon jetzt mehr als 80 Prozent vor Ort - darunter ist seit kurzem auch der beliebte X3. "Das wird weitergehen." Zudem werde aus Thailand der X5 nach China exportiert.

BMW FÜR CHINA OPTIMISTISCH



Die Zölle zwischen China und den USA haben nach Worten von Finanzchef Peter Auswirkungen im dreistelligen Millionenbereich. Die Zurückhaltung der Kunden in China wegen der Zollsenkung gegenüber Europa löse sich gerade auf. BMW erwarte nach wie vor ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent in der Volksrepublik. China ist für die Münchner wie für viele Autobauer der größte Einzelmarkt. Der Konzern beobachtet laut Peter die handelspolitische Lage sehr aufmerksam. "Sollten sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, können wir Auswirkungen auf unsere Prognose natürlich nicht ausschließen." Grundsätzlich äußerten sich der Finanzvorstand und der Konzernchef aber zuversichtlich fürs Jahr 2019. Angesichts der neuen Produkte sehe es "definitiv nicht schlecht aus", sagte Peter.

Mit Blick auf die in der gesamten Autoindustrie spürbaren Nachwehen der Abgasaffäre führte Konzernchef Krüger aus, in Deutschland habe sich der Diesel-Auftragseingang in den vergangenen zwei Monaten stabilisiert. Die Zahl der von der Staatsanwaltschaft bei BMW beanstandeten Dieselfahrzeuge mit fehlerhafter Software sei auf "etwas unter 8000" gesunken. Bei der Razzia im März ging es um 11.400 Autos. Das Software-Update ist Krüger zufolge inzwischen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigt und wird aufgespielt. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag, es gebe Anhaltspunkte, dass nur 7600 Fahrzeuge betroffen seien, und BMW mit einem Bußgeld davonkommen könnte. Eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft sagte: "Wir prüfen unverändert, ob Betrug und mögliche Ordnungswidrigkeiten vorliegen." Ein Abschluss des Ermittlungsverfahren sei schwer abzusehen, werde aber wohl nicht vor Jahresende erfolgen.

rtr