Zwei Technologiekonzerne erhöhen ihre Ausgaben für Rechenzentren und KI. Doch die Börse reagiert darauf komplett gegensätzlich: Alphabet legt am Donnerstag kräftig zu, Meta bricht ein. Was dahinter steckt.
Am Mittwochabend zeigte sich wieder einmal: Nicht jeder große KI-Investitionsplan kommt gut an. Während der Kurs von Alphabet am Donnerstag um mehr als fünf Prozent zulegt, sackt die Aktie von Meta um rund zehn Prozent ab. Beide Unternehmen hatten am Mittwochabend nach Börsenschluss starke Quartalszahlen vorgelegt – doch ihre Pläne für deutlich steigende Investitionen in KI und Rechenzentren werden sehr unterschiedlich bewertet. Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown erklärte in einem Kommentar, die Anleger seien sich uneinig und versuchten, „das Potenzial der KI gegen den dafür erforderlichen Kapitalaufwand abzuwägen“. Sicher sei nur: „Der Investitionszyklus ist noch lange nicht vorbei.“
Googles Cloud-Geschäft bricht alle Rekorde
Alphabet überzeugte den Markt vor allem mit dem Cloud-Geschäft: Google Cloud wuchs im Jahresvergleich um 63 Prozent und profitierte von der Nachfrage nach KI-Lösungen für Unternehmen. Google-Chef Sundar Pichai berichtete in der Analystenkonferenz, der Auftragseingang im Cloud-Geschäft habe sich binnen eins Quartals auf 460 Milliarden Dollar verdoppelt. Eine schier unglaubliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Google in dem Quartal erstmals 20 Milliarden Dollar mit der Cloud umsetzte.
Pichai sprach von einer gewaltigen Nachfrage nach KI-Werkzeugen und eigenen Chips. KI würde „jeden Teil des Geschäfts“ antreiben. Die Börse verstand den Hinweis sofort: Alphabet wird in der Lage sein, neue Rechenleistung in Einnahmen zu übersetzen.
Alphabet hebt Investitionsplan an – und wird dafür belohnt ...
Angesichts dessen überrascht es dann auch nicht, dass Alphabet seine geplanten Investitionen für das laufende Jahr auf 180 bis 190 Milliarden Dollar anhebt (von zuvor 175 bis 185 Milliarden Dollar) und 2027 weiter ausbauen will. Die Anleger akzeptieren diese Größenordnung eher, wenn ein sichtbares Geschäft dahintersteht. Da erscheint Alphabet für viele Investoren als „sichere“ KI-Wette: Es sollte kein Problem sein, die Cloud-Plattform mit zahlenden Firmenkunden auszulasten.
... Meta muss den Nutzen erst beweisen
Ganz anders bei Meta. Auch der Facebook-Konzern hob seine Investitionsplanung deutlich an: auf 125 bis 145 Milliarden Dollar, von zuvor 115 bis 135 Milliarden Dollar. Doch Meta begründete den Schritt mit höheren Preisen bei Bauteilen und steigenden Kosten für Rechenzentren. Die Einnahmenseite? Fehlanzeige. Operativ schlug Meta zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn. Das Unternehmen meldete aber auch, dass die Zahl der täglich aktiven User bei Facebook, Instagram und WhatsApp im Quartalsvergleich durch „Internet-Störungen in Iran“ belastet wurde. Das erinnerte die Börse daran, woher die Umsätze des Konzerns bisher eigentlich kommen.
Wer hat zahlungskräftige Kunden?
Der Kern des Problems ist ein anderer: Meta würde gerne bei den Hyperscalern mitspielen und hat auch das Geld dazu. Man hat aber bisher kein großes Cloud-Geschäft wie Alphabet, Microsoft oder Amazon. Dadurch ist es für Meta schwerer, Investoren zu zeigen, wie man die Investitions-Milliarden außerhalb des Werbegeschäfts zeitnah wieder hereinholen will.
Genau diese Zweifel führten am Donnerstag zu einer Abstufung der Aktie durch JPMorgan auf „neutral“. Die Analysten sehen einen anspruchsvollen Weg zu einer attraktiven Rendite auf die hohen KI-Ausgaben und fordern mehr Klarheit, wie Meta seine Investitionen jenseits der Anzeigenplattform zu Geld machen will.
Fazit
Die Börse ist nicht generell gegen hohe KI-Ausgaben. Aber sie fordert jetzt Belege, wie aus den hunderten Milliarden für neue Rechenzentren Umsatz und damit eines Tages auch Gewinn entsteht. Alphabet liefert diesen Nachweis über sein Cloud-Wachstum. Meta muss ihn erst noch erbringen.
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