"Man hat nicht immer die Möglichkeit in die Alleinverantwortung zu treten und das bei einem Unternehmen, das man kennt", begründete Zachert am Montag seinen Wechsel. Der gebürtige Bonner kennt Lanxess aus dem Effeff. Dort war er seit der Abspaltung von Bayer von 2004 bis 2011 Finanzchef.

Spätestens bis zum 15. Mai soll Zachert nun das Steuerrad bei Lanxess übernehmen. Der Kölner Spezialchemiekonzern ist wegen des Preisverfalls bei wichtigen Produkten und der Absatzkrise der Autobranche in Europa in schweres Fahrwasser geraten. Auch der Zusammenhalt in der Organisation sei nicht mehr so wie früher, sagte Zachert. "Hier kann man sicherlich wieder ansetzen und Geschlossenheit erzielen und dann die Firma neu ausrichten." Analysten trauen Zachert zu, das Ruder herumzureißen. "Er scheut keineswegs davor zurück, ein Unternehmen durch Veränderungen zu steuern", urteilt die Schweizer Großbank UBS.

Der Sohn des ehemaligen BKA-Präsidenten Hans-Ludwig Zachert ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach einigen Stationen bei Hoechst begann sein steiler Management-Aufstieg 1999 als Finanzleiter für das internationale Geschäft des damaligen Arzneimittelherstellers Aventis Pharma in Paris. Im Jahr 2002 wurde er Finanzchef der Großbäckerei Kamps, bei der er den Umbau vorantrieb. Bereits zwei Jahre später kam der Ruf von Lanxess. Sieben Jahre blieb Zachert Finanzvorstand des neuen Chemiekonzerns, bevor ihn Merck 2011 als Finanzchef abwarb. Dort wurde Zachert als möglicher Nachfolger von Merck-Chef Karl-Ludwig Kley gehandelt, dessen Vertrag allerdings erst 2016 ausläuft.

Die Rückkehr zur alten Wirkungsstätte ist für den 46-jährigen Diplom-Kaufmann ein steiler Aufstieg: Inzwischen gehört Lanxess wie Merck zur ersten Börsen-Liga. Zachert setzt damit einen Trend bei deutschen Top-Konzernen fort. Bei BASF, Siemens und auch bei der Deutschen Telekom wurden zuletzt Finanzchefs an die Management-Spitze befördert.

KAPITALMARKT-LIEBLING ZACHERT

Im Umgang freundlich gilt Zachert als versierter Verhandler, der bei Übernahmegesprächen von der finanziellen Disziplin nicht abweicht. Wenn es beim Preis nicht vorangehe, bleibe Zachert beinhart und lasse Gespräche auch einmal platzen, sagen Beobachter aus der Lanxess-Zeit. An der Übernahme des brasilianischen Synthese-Kautschukherstellers Petroflex im Jahr 2008 hatte er einen maßgeblichen Anteil.

Seine Fähigkeiten, in kritischen Situationen kühlen Kopf zu bewahren, dürften gerade jetzt bei Lanxess gefragt sein. Auch bei seinem Antritt 2004 steckte der Chemiekonzern in einer schwierigen Phase. Magere Renditen und eine hohe Verschuldung lasteten auf dem neuen Unternehmen, das beim Börsendebüt Anfang 2005 von manchen Analysten unschmeichelhaft als "CrapCo" oder "Bayers Resterampe" bezeichnet wurde. Mehrere Restrukturierungsprogramme, die die Schlagkraft von Lanxess schließlich erhöhten und die Verschuldung reduzierten, trugen maßgeblich auch Zacherts Handschrift. Mit den Jahren erwarb sich der Manager so einen Ruf als versierter Finanzer, der den Kapitalmarkt sehr gut versteht und Investoren wichtige strategische Weichenstellungen eloquent erläutern kann. Entsprechend euphorisch wurde seine Rückkehr zu Lanxess an der Börse gefeiert: Zeitweise schnellte die Lanxess-Aktie am Montag mehr als neun Prozent in die Höhe.

Reuters