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Börsengänge nehmen Fahrt auf: Hut Group-Aktie heiß begehrt - plus 30 Prozent

Börsengänge nehmen Fahrt auf: Hut Group-Aktie heiß begehrt - plus 30 Prozent

WKN: KNTB01 ISIN: NET000KNTB01 Knaus Tabbert

16.09.2020 15:53:58

Nach der corona-bedingten Zwangspause stehen rund um den Globus Unternehmen in den Startlöchern für einen Börsengang. Während der bayerische Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt sowie der Wohnmobil-Bauer Knaus Tabbert in Deutschland in der nächsten Woche den Sprung aufs Parkett wagen, sind der britische Online-Händler The Hut Group und der US-Softwarespezialist Snowflake einen Schritt weiter.

The Hut Group glänzte beim ersten Börsengang in London seit Beginn der Corona-Krise und stemmte das größte Marktdebüt seit Royal Mail vor sieben Jahren. Die Aktien sprangen am Mittwoch um 30 Prozent in die Höhe. Die positive Stimmung an den Aktienmärkten, hohe Handelsvolumina und das enge Zeitfenster im Herbst führen nun zu einer Ballung der Neuemissionen.

"Ja, da wird noch einiges kommen", sagt Wolfgang Fink, der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. "Aber die Zeitschiene, die erforderlich ist und die Fenster, während denen man platzieren kann, die öffnen und schließen sich auch mit den Finanzzahlen, die man zur Verfügung hat." Andererseits haben die Umstände in der Corona-Krise Börsengänge sogar beschleunigt. Denn statt zwei Wochen rund um den Globus potenzielle Investoren zu treffen, präsentieren Banker und Vorstandschefs die Kandidaten nun in Videokonferenzen. Das verkürzt die Zeichnungsfrist. "In der gesamten Covid-Krise waren die Kapitalmärkte offen - anders als in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren", hat Armin Heuberger festgestellt, der das Kapitalmarktgeschäft der Schweizer UBS in Deutschland und Österreich verantwortet. "Die Märkte für Neuemissionen waren überraschend schnell wieder da."

Im ersten Corona-Schock im Frühjahr hatten viele Unternehmen ihre Börsenpläne erst einmal auf die lange Bank geschoben. Daher gab es weltweit bislang deutlich weniger Börsengänge als Anfang des Jahres erwartet. Auch die deutschen Kandidaten Hensoldt, Knaus Tabbert und der Wissenschaftsverlag Springer Nature hatten gezögert, wollen aber jetzt den Sprung wagen. An Nachfrage der Anleger fehlt es nicht, wie Hendrik Riehmer, persönlich haftender Gesellschafter von Berenberg, weiß. "Wir haben eine enorme Liquidität bei Investoren, die im Februar, März, April davon ausgegangen sind, dass sich die Märkte erholen."

RADARSYSTEME, WOHNMOBILE - UND DANN FACHZEITSCHRIFTEN?


Doch die Investmentbanker sind noch vorsichtig: Hensoldt-Eigentümer KKR will erst das Interesse der Investoren ausloten, ehe er entscheidet, ob er Aktien für 100 Millionen Euro oder gleich für 280 Millionen verkaufen will. Insgesamt wird die Emission damit bis zu 580 Millionen Euro schwer, die Erstnotiz ist für Freitag kommender Woche geplant. Zwei Tage vorher ist Knaus Tabbert an der Reihe und will die Sonderkonjunktur beim Camping-Urlaub nutzen, um 366 Millionen Euro einzusammeln - mit einem kräftigen Abschlag auf die Bewertungen der größeren Konkurrenten Thor Industries (Hymer) und Trigano. Springer könnte mit einer Milliarde Euro die größte Neuemission werden, hat sich aber offiziell noch nicht aus der Deckung gewagt.

Die Energietechnik-Tochter von Siemens, Siemens Energy, hat sich ganz unabhängig vom Interesse der Investoren gemacht und verteilt die Anteilsscheine vor dem Börsendebüt am 28. September einfach an die Siemens-Aktionäre. Banker haben trotzdem alle Hände voll damit zu tun, dass diejenigen Papiere, die Investoren von Siemens loswerden wollen, nicht den Markt überschwemmen.

In den USA hat Snowflake vorläufig den Titel des größten Börsengangs des Jahres eingeheimst. Die Cloud-Datenplattform aus Kalifornien nahm 3,36 Milliarden Dollar ein und wird mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet. Am Mittwoch sollte der Handel an der New York Stock Exchange unter dem Symbol "SNOW" starten. An die Wall Street zieht es in Kürze auch den umstrittenen Datenanalyse-Dienst Palantir. In Polen drängt es den heimischen Internet-Marktplatz Allegro an den Aktienmarkt, der mit einem Milliardenvolumen zur größten Emission an der Warschauer Börse seit Jahren werden könnte. Die Finanzinvestoren Permira, Cinven und Mid Europa Partners wollen bei dem Ebay- und Amazon-Rivalen Kasse machen.

Während die Börsengänge in New York und London nationale Rekorde brechen, hat es Ant Financial auf einen ganz anderen Titel abgesehen. Der Börsengang des chinesischen Finanzkonzerns könnte mit bis zu 30 Milliarden Dollar der größte aller Zeiten werden und damit Saudi Aramco ablösen. Der saudiarabische Ölkonzern war im Dezember an die Börse gegangen und hatte dabei 29,4 Milliarden Dollar eingesammelt.

rtr

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