Roche habe zum Ende des dritten Quartals neue Tests auf den Markt gebracht, die sich in den eben veröffentlichten Zahlen noch kaum niedergeschlagen hätten, sagte Divisionsleiter Thomas Schinecker am Donnerstag. "Deshalb glaube ich, dass wir im vierten Quartal eine weitere Beschleunigung erleben werden."

Von Januar bis September steigerte die Diagnostik-Division den Umsatz wechselkursbereinigt um neun Prozent auf 9,7 Milliarden Franken. Alleine im dritten Quartal belief sich das Plus auf 18 Prozent. Die hohen Wachstumsraten seien vor allem auf das breite Portfolio an Covid-Tests zurückzuführen. Angesichts der in vielen Ländern stark zunehmenden Infektionszahlen würden allerdings auch weiterhin nicht genügend Tests zur Verfügung stehen, warnte Schinecker. Neben Roche sind auch Siemens Healthineers, Abbott Laboratories oder Becton Dickinson wichtige Anbieter von Corona-Tests.

Der Konzernumsatz wuchs im selben Zeitraum um ein Prozent auf 44 Milliarden Franken. Während des Lockdowns hätten viele Patienten ihre Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte aufgeschoben, erklärte Konzern-Chef Severin Schwan. Dies habe auch den Bedarf nach Roche-Medikamenten gedrückt, die hauptsächlich im Krankenhaus verabreicht werden. Roche ist unter anderem der weltweit größte Hersteller von Krebsmedikamenten.

Im dritten Quartal habe sich das Geschäft dank einer starken Nachfrage nach neuen Medikamente und nach Covid-19-Tests erholt. "Wir erwarten, dass dieser Trend im vierten Quartal anhält", sagte Schwan. "Das ist der Grund, wieso wir den Ausblick bestätigen können." Im Gesamtjahr rechnet der Manager weiterhin mit einem währungsbereinigten Anstieg des Umsatzes um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag. Das Wachstum des bereinigten Gewinns je Genussschein und Aktie solle weitgehend dem Umsatzplus entsprechen.

An der Börse gaben die Roche-Titel dennoch mehr als drei Prozent nach. ZKB-Analyst Michael Nawrath erklärte, der Pharma-Umsatz habe die Erwartungen verfehlt. Bei den früheren Umsatzrennern gegen Krebs - Herceptin, Rituxan und Avastin - brachen die Verkäufe ein, weil die Ärzte zunehmend zu günstigeren Nachahmer-Medikamenten greifen. Pharmachef Bill Anderson räumte ein, dass der für 2020 bisher prognostizierte Umsatzrückgang von 4,7 Milliarden Franken für die drei Krebs-Medikamente etwas höhen ausfallen könnte. Die neuen Wachstumstreiber von Roche sind Ocrevus gegen Multiple Sklerose, Hemlibra gegen die Bluterkrankheit und Tecentriq gegen Krebs.

rtr