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BVB, Juventus Turin und Co.: Fußball-Aktien fürs Depot

BVB, Juventus Turin und Co.: Fußball-Aktien fürs Depot

WKN: 549309 ISIN: DE0005493092 BVB (Borussia Dortmund)

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17.07.2019 - 13:34
26.04.2019 04:05:00

Nur wer viel Geld hat, kann in der Königsklasse dauerhaft bestehen. Kleine Klubs tun sich sehr schwer. Für Investoren ist das ein nahezu perfektes System. Von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Vier Minuten reichten Lionel Messi, um zu demonstrieren, warum er der bestbezahlte Fußballer der Welt ist: Zweimal erhöhte der Stürmer des FC Barcelona mit kleinen, schnellen Schritten das Tempo, umkurvte seine Gegenspieler und schob den Ball von der Strafraumgrenze nicht wuchtvoll, aber präzise ins Tor. Barcelona gewann vor allem dank der beiden Treffer seines Superstars mit 3 : 0 gegen Manchester United und qualifizierte sich für das Halbfinale der Champions League. Dort geht es gegen den FC Liverpool, einen weiteren Vertreter des Geldadels der europäischen Fußballvereine.

Die Champions League wird immer mehr zu einem exklusiven Klub. Die Finanzen sind ein treffsicherer Indikator für sportlichen Erfolg. Eine Auswertung der Redaktion zeigt: Von den 16 umsatzstärksten Klubs des Vorjahres qualifizierten sich in dieser Saison 13 für das Achtelfinale der Champions League. Die anderen drei scheiterten an besonderen Umständen: Arsenal und Chelsea haben sich in der mit finanzstarken Klubs dicht besetzten heimischen Liga gar nicht erst für die Königsklasse qualifiziert, Inter Mailand traf in der Vorrunde mit Barcelona und Tottenham auf zwei finanziell noch stärkere Klubs. Basis dieser Analyse ist die von der Unternehmens- beratung Deloitte errechnete Money-League-Rangliste.

Doppelt so stark wie die Welt


Fußball ist einer der erfolgreichsten Wirtschaftszweige. Der Umsatz der 20 europäischen Topklubs ist ohne Transfererlöse über die vergangenen zehn Jahre um durchschnittlich fast acht Prozent gestiegen - mehr als doppelt so stark wie die Weltwirtschaft.

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Wichtigste Einnahmequelle ist die Vermarktung der TV-Rechte. Fernsehsender zahlen immer höhere Summen, weil sie sich mit Live-Events gegen die wachsende Konkurrenz durch Internetvideotheken wie Netflix behaupten können. Auch Werbeverträge oder die Geschäfte am Spieltag im Stadion bringen immer mehr Geld in die Kasse. Besonders lukrativ ist die Qualifikation für die Champions League: Allein in diesem Jahr werden dort rund zwei Milliarden Euro ausgeschüttet.

Wie fast überall wächst auch im Fußball der Vorsprung der Superreichen. Dominiert wird das Feld von Teams aus den fünf großen Nationen: England, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien. Erst auf Platz 25 der Money League kommt mit Zenit St. Petersburg der erste Verein, der nicht in einer der fünf großen Ligen spielt. Real Madrid, wirtschaftlich und sportlich im vergangenen Jahr die Nummer 1, erwirtschaftete dreimal so viel Geld wie die Nummer 15, der AS Rom. Auch auf nationaler Ebene gibt es klare Hierarchien: In Deutschland liegt der FC Bayern klar vor Borussia Dortmund. In Frankreich dominiert Paris Saint-Germain, in Italien Juventus Turin. Spanien hat mit Real und dem FC Barcelona immerhin zwei Teams auf Augenhöhe. Einen breiten Konkurrenzkampf gibt es nur in Großbritannien.

Für Investoren bringt die Klassengesellschaft viele Vorteile: Borussia Dortmund, die einzige börsennotierte deutsche Fußballfirma, hat wenig Aussichten, den FC Bayern von der nationalen Spitze zu verdrängen, dafür aber einen komfortablen Vorsprung auf den nächsten Verfolger. Da sich inzwischen vier deutsche Klubs für die Champions League qualifizieren, ist das sportliche Risiko, nicht in der finanziell lukrativen Königsklasse antreten zu dürfen, überschaubar.

Langfristige Werbepartnerschaften, der TV-Vertrag der Bundesliga und ein treues Publikum geben Planungssicherheit. Ein "Fundament von deutlich über 300 Millionen Euro" sei eingezogen, erklärte Konzernchef Joachim Watzke auf der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Sommer. Und es soll weitergehen: Bis zum Jahr 2025 strebe man ohne Transfererlöse 500 Millionen Euro Umsatz an. Erreicht werden soll dies durch höhere Werbeeinnahmen, die Internationalisierung und die Digitalisierung des Geschäfts.

Ob das Ziel realisiert wird, hängt auch von den Rahmenbedingungen in Europa ab. Ein heißes Thema sind Champions-League-Spiele am Wochenende und garantierte Startplätze für die Topteams. Wie weit es im Extremfall gehen kann, zeigt das Sportsystem der USA: Dort sind fast alle Teams in Privatbesitz, einen Abstieg gibt es nicht, die Vermarktung ist stark zentralisiert. Das wirtschaftliche Risiko ist in dieser Konstruktion nahezu eliminiert.

Gerade der BVB, der sich gern als bodenständiger Verein präsentiert, braucht Fingerspitzengefühl. "Die Entwicklung der Fernsehgelder und die internationale Vermarktung in Asien und Nordamerika bieten viel Potenzial. Die Fandiskussion mahnt aber dazu, den Bogen nicht durch extreme Anstoßzeiten oder lang gestreckte Spieltage zu überspannen", erklärt Christoph Schlienkamp, der für das Bankhaus Lampe die wirtschaftlichen Perspektiven der Borussia analysiert.

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Bildquelle: Pauls Imaging Photography, Flickr(CC BY-ND 2.0)

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