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Chinesische Aktien unter Druck - wo es dennoch Perlen gibt

Chinesische Aktien unter Druck - wo es dennoch Perlen gibt

WKN: A117ME ISIN: US01609W1027 Alibaba

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18.01.2019 - 16:44
26.12.2018 03:35:00

China Egal ob Shanghai, Shenzhen oder Hongkong - die chinesischen Börsen gehören zu den größten Verlierern in diesem Jahr. Das liegt am Streit mit den USA. Aber auch an hausgemachten Problemen. Von Martin Blümel



Die Festnahme von Meng Wanzhou, der Finanzchefin des chinesischen Telekomunternehmens Huawei, ist ein neuer Höhepunkt der Streitigkeiten zwischen China und den USA. Die Amerikaner werfen Meng vor, gegen US-Sanktionen verstoßen zu haben, weil Huawei Geschäfte mit dem Iran mache. Ein Affront so kurz nach dem G-20-Gipfel, wo es noch nach Entspannung aussah. Die großspurigen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, er werde durch eine Politik der Härte China zu einem "Deal" im Handelsstreit zwingen, scheinen hinfällig.



In Buenos Aires hatten sich Trump und Chinas Präsident Xi Jinping noch darauf geeinigt, die Zölle für 90 Tage auf dem aktuellem Niveau einzufrieren. Während dieser Schonfrist soll über Streitfragen wie den Schutz geistigen Eigentums oder Fragen des Technologietransfers verhandelt werden. Auf den ersten Blick positiv.


Die Reaktion an den Börsen fiel aber skeptisch aus. Der chinesische Leitindex CSI 300, der die Wertentwicklung der wichtigsten in Shanghai und Shenzhen gehandelten Aktien wiedergibt, stieg zwar zunächst um gut zwei Prozent, rutschte danach aber wieder deutlich ab.

Nervenaufreibende Gespräche



Ähnlich sah es bei den liquideren Indizes der Börse Hongkong aus: Sowohl der Traditionsindex Hang Seng wie auch der festlandorientierte Hang Seng China Enterprise sind deutlich im Minus. Schon vor der Eskalation im Fall Huawei konnten die meisten Börsianer den Burgfrieden im Handelsstreit nicht recht einordnen. Es liegt nun an den Verhandlungsteams, einen extrem komplexen Maßnahmenkatalog abzuarbeiten, um Chinas großen Handelsüberschuss mit den USA zu verringern - etwa durch steigende Käufe amerikanischer Agrarprodukte oder durch die Senkung der Zölle von nach China exportierten Autos. So oder so: "Die Handelsgespräche werden nervenaufreibend sein", heißt es in einem Kommentar von TS Lombard. Vor allem wenn es um Pekings Politik geht, etwa den zunehmenden Einfluss auf ausländische Unternehmen oder die Subventionen an Staatsunternehmen.

Es gehört jedenfalls sehr viel Optimismus dazu, um an einen Durchbruch zu glauben und daran, dass die USA die bereits verhängten Strafzölle wieder aufheben. Für das chinesische Wachstum wäre es gut, auch wenn Pessimisten davon ausgehen, dass dann das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,2 Prozentpunkte stärker wachsen würde.

Ungeachtet dessen geht die UBS für 2019 von einem Wachstum von sechs Prozent aus, eine Abschwächung gegenüber den 6,6 Prozent, die für das laufende Jahr geschätzt werden - was ohnehin schon der niedrigste Wert seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist. Und dabei handelt es sich um die offizielle Zahl des nicht gerade für Transparenz bekannten Statistikamtes - das tatsächliche Wachstum könnte noch darunter liegen.

Der Hauptgrund für die etwas schwächere Konjunktur ist die geringere Binnennachfrage. Und dies liegt wiederum daran, dass Peking Schulden reduzieren will. Viele bisher sehr spendable und investitionsfreudige Provinzen und Gemeinden müssen sparen und ihre Verbindlichkeiten begleichen. Das damit verbundene langsamere Kreditwachstum haben vor allem private Unternehmen zu spüren bekommen. Das sieht man auch an schwächeren Indikatoren wie Industrieproduktion, Autoverkäufe oder Privatkonsum. Immerhin: Peking will das mit Steuersenkungen und einer leichten geldpolitischen Lockerung abfedern.

Es ist ein Dilemma für Peking, denn die Lockerungen könnten das Kreditwachstum erneut anfachen. Und das will man ja bremsen, schließlich liegt die gesamte Schuldenlast der Volksrepublik nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bei gewaltigen 256 Prozent der Wirtschaftsleistung. Durch den Handelsstreit mit den USA verstärkt sich für Chinas Führung also das Problem, gleichzeitig für hohes Wirtschaftswachstums zu sorgen, die Verschuldung abzubauen und zudem noch den Finanzsektor zu stabilisieren.

Atemberaubendes Wachstum



Was also tun als Aktienanleger? Insgesamt sollte man vorsichtig sein und nicht zu viel investieren. In schwierigen Zeiten bieten sich Marktführer an, etwa Alibaba. Der Kurs des Betreibers mehrerer Online-Handelsplattformen hat stark konsolidiert. An den Fundamentaldaten hat sich aber nichts geändert. Die Geschwindigkeit, mit der Alibaba wächst, ist atemberaubend. Seit 2008 ist der Umsatz um mehr als den Faktor 50 gestiegen, der Gewinn sogar noch schneller. Dabei war Alibaba stets profitabel, und das Wachstum wurde mit geringem Kapitaleinsatz geschafft.



Ähnliches gilt für Tencent. Zwar hat der Gaming-Gigant innerhalb des Heimatmarkts mit den Regulierungsbehörden zu kämpfen - so wurde die Lizenzvergabe für neue Videospiele gestoppt, um Spielsucht bei Jugendlichen vorzubeugen. Dafür wachsen aber die internationalen Umsätze stark.



Auf Seite 2: China auf einen Blick



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Bildquelle: Reuters, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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