INTERVIEW

Commerzbank-Bereichsvorstand Kotzbauer: "Die aktuelle Situation ist eine Herausforderung für den gesamten Bankensektor"

Commerzbank-Bereichsvorstand Kotzbauer:

WKN: CBK100 ISIN: DE000CBK1001 Commerzbank

3,84 EUR
-0,06 EUR -1,64 %
04.06.2020 - 08:23
02.04.2020 02:00:02

Pleitegefährdeten Unternehmen hat der Bund in der Coronkrise über die Förderbank KfW milliardenschwere Hilfskredite angeboten. Den Geschäftsbanken - allen voran der Commerzbank als größter deutscher Firmenkundenbank - kommt eine Schlüsselrolle bei der Verteilung dieser Kredite zu. BÖRSE ONLINE sprach mit Commerzbank-Bereichsvorstand Michael Kotzbauer über den Kundenansturm sowie die Risiken und Chancen einer beispiellosen Ausnahmesituation. Von Wolfgang Ehrensberger

Börse Online: Wie groß ist bislang die Nachfrage nach den Sonderkrediten der KfW für Corona-geschädigte Firmen?
Michael Kotzbauer: Wir haben in der Commerzbank bis Montag (30.3.) mehr als 15 000 Finanzierungsanfragen von Firmenkunden erhalten. Seit Beginn der Krise haben wir unseren Kunden Corona-bedingte Kredite in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Es gibt sehr hohen Beratungsbedarf zu den Förderprogrammen und wir arbeiten mit Hochdruck daran, Anträge zeitnah zu prüfen.



Wie läuft das konkret ab?
Wir haben die Ressourcen zur Bearbeitung der Anträge kurzfristig aufgestockt. Wir können Kredite taggleich auszahlen. Dafür haben wir unseren eigenen Mittelstands-Kreditplafonds von 700 Millionen Euro. Damit können wir die Zeit, die die KfW für die Kreditfreigabe braucht, überbrücken.


Wie aufwendig ist die Prüfung?
Jede Kundeanfrage ist anders und löst erst einmal Beratungsbedarf aus. Wir haben den Antragsprozess für die Corona-Programme der KfW deutlich verschlankt. Für unsere Firmen- und Unternehmerkunden haben wir in kürzester Zeit eine Online-Antragsstrecke aufgelegt. Aber klar ist, wir müssen eine individuelle Risikoprüfung vornehmen. Diese Verantwortung haben wir weiterhin als Bank.

Kommen die Hilfen rechtzeitig?
Die Politik hat schnell und richtig reagiert. Die Hilfsmaßnahmen sind ziemlich allumfassend, auch war die Umsetzung der KfW-Programme auf allen Seiten von einem großen Pragmatismus geprägt. Allen Beteiligten war klar, dass es wirklich schnell gehen muss. Nun geht es darum, dass die Unternehmen schnell Zugang zu den für sie passenden Programmen erhalten.

Wird das Programm eine Pleitewelle verhindern?
Die aktuelle Situation ist eine Herausforderung für den gesamten Sektor, und die wirtschaftlichen Auswirkungen sind zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund des extrem dynamischen Umfelds noch nicht absehbar. Wir analysieren unser Kreditportfolio nicht erst seit zwei Wochen sehr engmaschig. Mit Ausfällen ist zu rechnen, doch in welchem Umfang, lässt sich seriös noch nicht sagen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die historischen Hilfsprogramme von Bund und Ländern greifen.

Wie profitiert die Commerzbank selbst von der KfW-Kreditvergabe?
Wir fokussieren uns jetzt darauf, unsere Kunden eng zu begleiten und ihnen zu helfen, die schwierige Situation zu überstehen. In Verbindung mit den Förderkrediten erheben wir keine Zusatzgebühren. Ein Vorteil ist die Haftungsfreistellung, die es uns erleichtert, unsere Kunden mit der dringend benötigten Liquidität zu versorgen.

Brauchen Sie eine höhere Risikovorsorge?
Es ist sicher zu früh zu sagen, wie sich die Coronakrise auf die Kreditqualität auswirken wird. Fest steht aber: Wir haben eine sehr solide Aufstellung und eine gute Kapitalposition. Mit unserem ausgewogenen Kreditportfolio sind wir gut aufgestellt. Wir haben in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben gemacht. Das ist eine gute Ausgangsposition.

Wie lief insgesamt das Privat- und Firmenkundengeschäft im ersten Quartal?
Da bitte ich um Geduld, wir veröffentlichen die Zahlen für das erste Quartal erst Mitte Mai. Vorab so viel: Wir waren zufrieden mit der Geschäftsentwicklung im Januar und Februar, dann kam Corona, was deutliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage und die Aktivität der Unternehmen hat.


Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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