Die in der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank steht nach dem milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal im Fokus, weil sie einen Konsortialkredit im Volumen von 1,75 Milliarden Euro anführte. Die Kreditlinie wurde 2018 aufgestockt und verlängert, als es bereits zahlreiche Berichte in Medien über Bilanzunregelmäßigkeiten gegeben hatte. Durch die Insolvenz des Zahlungsabwicklers musste die Commerzbank 175 Millionen Euro abschreiben.

Zielke, der seit 2010 im Vorstand der Commerzbank war und seit 2016 Chef des Instituts, ergänzte, er sei erstmals 2018 kurz vor der Dax-Aufnahme Wirecards über die Geschäftsbeziehung informiert worden. Im April 2019 habe die Bank die Entscheidung getroffen, bei nächstmöglicher Gelegenheit, die Beziehung zu Wirecard zu beenden - ein sogenannter "soft exit". Dies war dann aber vor dem Zusammenbruch Mitte 2020 nicht mehr möglich.

Der U-Ausschuss des Bundestages soll vor allem Fehler in der Aufsicht und Politik aufdecken. Die Kontakte zur Bundesregierung seien in der Regel "unspektakulär" gewesen, sagte Zielke. Die meisten Telefonate habe es mit Jörg Kukies, dem zuständigen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, per Telefon im Juni 2020 gegeben, kurz vor und nach dem Insolvenzantrag. Kukies habe unter anderem wissen wollen, ob es im Einzelhandel durch eine Wirecard-Pleite Probleme im Zahlungsverkehr geben könnte und ob es werthaltige Teile für spätere Verkäufe gebe.

Wirecard war nach Bekanntwerden von Luftbuchungen in die Pleite gerutscht. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche. Es ist einer der größten Finanzskandale der Nachkriegszeit.

rtr