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Corona-Krise und Chefsuche werfen Commerzbank zurück

Corona-Krise und Chefsuche werfen Commerzbank zurück

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

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25.09.2020 - 19:36
05.08.2020 14:08:00

Mitten in der Führungskrise schlagen die Corona-Pandemie und die Wirecard-Pleite bei der Commerzbank ins Kontor. "2020 werde die Bank erstmals seit der Finanzkrise 2009 einen Verlust machen", sagte Finanzchefin Bettina Orlopp am Mittwoch. "Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Kosten senken, um künftige Belastungen abfedern zu können."

Doch die geplante drastische Verschärfung des Sparkurses liegt auf Eis, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Vorstandschef Martin Zielke gefunden ist. "Darauf werden wir warten", sagte Orlopp. Auf die Frage, ob sie sich selbst um den Posten an der Spitze des Frankfurter Geldhauses bewerbe, wollte sie sich nicht äußern.

Im zweiten Quartal brach der Gewinn um ein Fünftel auf 220 Millionen Euro ein. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankte die Commerzbank einem positiven Steuereffekt und gewinnbringenden Beteiligungen an Fintechs. Die schwer gebeutelte Aktie legte um gut vier Prozent auf 4,73 Euro zu.

Wegen der Corona-Krise schraubte die Commerzbank die Vorsorge für Kreditausfälle im zweiten Quartal auf 469 (Vorjahr: 178) Millionen Euro in die Höhe. Darin enthalten waren 175 Millionen Euro, die das Geldhaus auf einen Kredit an die insolvente Wirecard abschreiben musste. Der scheidende Vorstandschef Zielke hatte den in einem milliardenschweren Bilanzskandal verwickelten Zahlungsdienstleister, der die Commerzbank im September 2018 aus dem deutschen Leitindex Dax verdrängte, einst als "guten Kunden" bezeichnet.

Anders als die Deutsche Bank sieht die Commerzbank den Höhepunkt bei den Kreditausfällen noch nicht überschritten. Dieser werde erst im dritten oder vierten Quartal erreicht, vielleicht auch erst Anfang 2021, sagte Orlopp. Sie rechnet 2020 nun mit einer Risikovorsorge von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro - mehr als die bislang erwarteten eine bis 1,4 Milliarden. Die Bank zählt das Geschäft mit dem Mittelstand, der hart von der Corona-Pandemie getroffen wird, zu ihren Stärken. "Unser oberstes Ziel in der Krise ist es unseren Kunden bei Seite zu stehen. Wir sind überzeugt, dass sich das langfristig auszahlen wird", sagte die Managerin. Seit Beginn der Krise habe die Bank über 33.000 Kredite im Volumen von mehr als 3,4 Milliarden Euro gestundet. Während das Privatkundengeschäft auch im zweiten Quartal in der Gewinnzone blieb, schrieb die Firmenkundensparte einmal mehr Verluste.

Die Bank werde aber nicht in Schieflage geraten. "Für künftige Herausforderungen haben wir reichlich Wasser unter dem Kiel", betonte Orlopp und verwies auf das dickere Kapitalpolster. Die harte Kernkapitalquote stieg per Ende Juni auf 13,4 (Ende März: 12,9) Prozent.

Schweigen zur Chefsuche


Die 50-jährige gilt neben Firmenkundenchef Roland Boekhout als interne Kandidatin für die Zielke-Nachfolge. Den neuen Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter kenne sie noch nicht und habe ihn auch noch nicht getroffen. "Das wird erst jetzt passieren", sagte Orlopp. "Bald, zeitnah."

Zielke hatte Anfang Juli seinen Rücktritt angekündigt, nachdem Anleger - allen voran der Finanzinvestor Cerberus - seine Ziele als zu wenig ambitioniert kritisiert hatten. Seit Monaten schraubt die Bank bereits an einer Verschärfung des Sparkurses und wollte die Pläne ursprünglich am Mittwoch präsentieren. Doch die Führungskrise lähmt das Institut. Finanzkreisen zufolge sehen die jüngsten Pläne den Abbau von insgesamt 10.000 Jobs - rund einem Viertel der Vollzeitstellen - und die Schließung der Hälfte der 1000 Filialen vor, um die Rendite mittelfristig auf sieben Prozent von zuletzt rund drei Prozent zu heben.

Kaum Fortschritte beim Konzernumbau


Der neue Chef oder die neue Chefin werde dann auch Einfluss auf die Sparpläne nehmen, schließlich gehe es auch um Änderungen am Geschäftsmodell, sagte Orlopp. Wie lange sich die Nachfolgesuche hinziehen wird, ist unklar. "Der neue Aufsichtsratschef wurde gerade erst genannt. Ich bin nicht bereit, mich zum Zeitplan zu äußern."

Bei dem im vergangenen Herbst beschlossenen Umbau, der den Abbau von 4300 Stellen in den kommenden Jahren vorsieht, erwartet die Finanzchefin in diesem Jahr keine großen Fortschritte. Voraussichtlich könne die Bank mit den Arbeitnehmervertretern nur über Freiwilligenprogramme verhandeln und daher in diesem Jahr lediglich Umbaukosten von rund 200 Millionen Euro verbuchen. Dennoch verschärfte Orlopp das Sparziel etwas und erwartet nun, dass die Kosten 2020 leicht unter statt auf dem Vorjahresniveau liegen werden.

rtr

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