Die sprunghafte Ausbreitung des Coronavirus in China hat den jüngsten Rekordlauf des DAX nicht stoppen können. Am Freitag notierte der deutsche Leitindex auf einem weiteren Rekordhoch von 13 786 Punkten. Schon am Dienstag und Mittwoch hatte das Börsenbarometer historische Höchstmarken durchbrochen.

Am Donnerstag hatten Berichte aus Peking über einen drastischen Anstieg der Neu-infektionen Anleger vorüber-gehend verunsichert. Am Freitag jedoch rückten positive US-Vorgaben und ein insgesamt guter Verlauf der Berichtssaison wieder in den Vordergrund.

Auch enttäuschende Zahlen zum deutschen Wirtschaftswachstum konnten die Laune nicht verderben. Demnach stagnierte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2019. Experten hatten ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent erwartet.

Die Luft wird dünner


"Charttechnisch befindet sich der DAX weiterhin im Aufwärtstrend, und kurzfristig gibt es die Aussicht auf neue Höchststände", sagte Donner & Reuschel--Chefvolkswirt Carsten Mumm gegenüber €uro am Sonntag. "Fundamental wird die Luft für weitere Kurssteigerungen aber allmählich dünner." Mumm weist vor allem darauf hin, dass sich die Aktienkurse von der operativen Entwicklung der deutschen Unternehmen abgekoppelt hätten. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern ist auch die Sorge noch längst nicht gebannt, dass es durch die Ausbreitung des Virus womöglich zu einem spürbaren Dämpfer der globalen Wirtschaftsentwicklung kommt.

Noch am Mittwoch war von einer rückläufigen Zahl der Neuinfektionen die Rede gewesen. Der deutsche Leitindex kletterte daraufhin auf das historische Hoch von 13 759 Punkten. Schon am Vortag hatte der DAX im Tagesverlauf mit 13 668 Punkten seine bisherige Rekordmarke von 13 640 Punkten vom 22. Januar eingestellt.

Allzeithochs erreichten vergangene Woche auch die Nebenwerteindizes MDAX, SDAX und TecDAX. Von der Erholungsrally hatten insbesondere Auto- und Zuliefereraktien profitiert.

Weltmesse abgesagt


Als Folge der anhaltenden Unsicherheit im Hinblick auf die Corona-Ausbreitung wurde inzwischen die vom 24. bis 27. Februar geplante, weltgrößte Mobilfunkmesse MWC in Barcelona vorsorglich abgesagt. Mehrere Branchenschwergewichte wie die Deutsche Telekom, Vodafone, die britische BT und der finnische Netzwerkausrüster Nokia hatten im Vorfeld erklärt, sie würden der Messe fernbleiben. Auch Konzerne aus den USA und Japan hatten bereits ihren Verzicht auf die Teilnahme bekannt gegeben. Chinesische Firmen wie Huawei wollten dagegen anreisen.

Die Ausbreitung des Virus hat außerdem immer größere Auswirkungen auf den Weltluft-verkehr. Nach Einschätzung der Luftfahrtorganisation ICAO beschert sie den Airlines wegen gestrichener Flüge mittlerweile Umsatzausfälle von vier bis fünf Milliarden Euro. Der Virusausbruch in China werde damit -größere Folgen haben als die SARS-Infektion 2003.

Inzwischen haben rund 70 Fluggesellschaften weltweit alle internationalen Flüge von und nach China gestrichen. Weitere 50 Airlines hätten ihren Flugplan eingeschränkt. Die Lufthansa und ihre Töchter Swiss und Austrian Airlines verlängerten unterdessen die Flugpause bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März. Betroffen seien Verbindungen von und nach Peking und Schanghai.

Experten spekulieren inzwischen auch wieder über eine geldpolitische Reaktion der -Europäischen Zentralbank (EZB) wegen der möglichen konjunkturellen Folgen der Erkrankungswelle. Die US-Notenbank Fed wiederum beobachtet die Lage genau - und könnte mit Zinssenkungen gegensteuern.

Ökonomen-Ausblick stabil


Unterdessen hat sich das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag im Februar weiter stabilisiert. Die führenden Volkswirte liegen mit ihrer Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage bei 47 Punkten und damit leicht über dem Vormonat. Die Aussichten verbesserten sich nochmals leicht auf 43,1 Punkte. Damit liegen beide Indikatoren zwar weiterhin unterhalb der 50-Punkte-Marke, die wirtschaftliche Stagnation signalisiert. Im Vergleich zum Jahresende haben sich die Bewertungen jedoch deutlich erholt und den Barometer-Tiefstand von 41,2 Punkten im September 2019 hinter sich gelassen.

"Zuletzt mehrten sich in Deutschland die Zeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur", sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran. Von einer schwungvollen Erholung im ersten Halbjahr 2020 sei man aber noch weit entfernt.