Ungünstiges Börsenumfeld für den Porsche Börsengang - Fällt heute trotzdem der Startschuss? Von Wolfgang Ehrensberger

Heute ist der Tag der Entscheidung: Aufsichtsrat und Vorstand des Volkswagen-Konzerns wollen im Tagesverlauf über einen möglichen Börsengang der Sportwagentochter Porsche entscheiden. Über das Milliarden-Projekt wird seit Monaten spekuliert – es wäre eine der größten europäischen Börsenemissionen seit Jahren. Zudem soll darüber entschieden werden, ob die Familie Porsche über ihre Holding eine 25-prozentige Sperrminorität am Autobauer Porsche bekommen soll. Den direkten Zugriff hatte die Familie bei der Übernahmeschlacht um VW vor zehn Jahren verloren.

Fällen die VW-Gremien heute ein positive Entscheidung, könnte mit der sogenannten „Intention to float“, dem offiziellen Startschuss, eine bis zu vierwöchigen Roadshow folgen, auf der die Investoren über das Projekt detailliert informiert werden. Der Börsengang selbst könnte dann Ende September oder Anfang Oktober über die Bühne gehen. Angesichts der labilen Lage an den Börsen könnte heute das Projekt auch abgesagt werden.

Pro und Contra Porsche-Börsengang – die wichtigsten Fakten:

Pro:

- Volkswagen bekommt mehr Flexibilität und kann mit den Erlösen Elektro-Transformation und Digitalisierung beschleunigen

- Die VW-Aktie könnte deshalb zusätzlichen Auftrieb bekommen, z. B. wenn Porsche-Aktie steigt, profitiert auch VW über die Beteiligung

- VW: treibt Spekulationen über weitere Börsengänge aus dem VW-Konzern an, zum Beispiel Audi

- Porsche-Aktie wäre klarer DAX-Kandidat

- Der renditestarke Autobauer Porsche bekommt mehr Flexibilität und kann sich direkt am Kapitalmarkt refinanzieren

Contra:

Relative Marktenge: weil nur eine geringe Anzahl Porsche-Aktien platziert wird

 - Schlechtes Timing: Es ist unklar, ob es genügend Investoren in der aktuellen Marktlage gibt, um eine für Porsche attraktive Bewertung zu erzielen. Die Volatilität an den Börsen ist hoch wegen des Ukraine-Kriegs, Inflation, Konjunkturrisiken und möglicher deutlicher Zinsanhebungen der Notenbanken. Die Schmerzgrenze für Porsche soll bei einer Bewertung von mindestens 60 Mrd. Euro liegen, ursprüngliche Bewertungen gegen dagegen von bis zu 85 Mrd. Euro aus

 - Enfluss und Sperrminorität der Familie: Familie will mit Börsengang wieder direkten Zugriff auf Porsche sichern; Kritiker monieren, der Börsengang diene vorrangig diesem Ziel und bevorzuge die Familie. So sollen an der Börse nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien notiert sein (wie beim VW-Konzern), nicht aber die Stammaktien mit den Stimmrechten. Corporate-Governance-Experten kritisieren das als Anachronismus und fordern für jede börsennotierte Aktie auch ein Stimmrecht. Über den Porsche-Börsengang strebt die Familie zudem eine Sperrminorität von 25 Prozent am Autobauer an.

 - Doppelfunktion des neuen Konzernchefs: Der bisherige Porsche-Chef Oliver Blume hat zum 1. September den Vorstandsvorsitz im Volkswagen-Konzern übernommen, will aber in einer Doppelfunktion Porsche-Chef bleiben. Investoren kritisieren, dass sich Blume mit dieser Doppelrolle als Vorstandschef bei gleich zwei DAX-Konzernen übernimmt.

 - Rechtliche Unsicherheit: Wegen der zahlreichen Verflechtungen zwischen Porsche und Volkswagen insbesondere bei den Familieneigentümern drohen Interessenkonflikte und in der Folge Aktionärsklagen

Achtung Verwechslungsgefahr

Der Autobauer Porsche darf nicht mit der Holding der Familie Porsche verwechselt werden: Die Porsche SE ist bereits börsennotiert und ebenso wie die VW-Aktie Mitglied im DAX. Über die Holding Porsche SE kontrolliert die Familie mit einer 50-Prozent-Beteiligung den VW-Konzern.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Chefredakteur der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Frank Pöpsel, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate ein-gegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..