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Daimler-Aktie nach Gewinneinbruch schwächer: Dividende drastisch gekürzt - unsere Einschätzung

Daimler-Aktie nach Gewinneinbruch schwächer: Dividende drastisch gekürzt - unsere Einschätzung

WKN: 710000 ISIN: DE0007100000 Daimler AG

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21.02.2020 - 19:52
14.02.2020 04:10:00

Hohe Kosten zehrten im vergangenen Jahr am Gewinn von Daimler. Der Nettogewinn war nur noch ein Drittel von dem Ergebnis in 2018. Das wirkt sich auch auf die Aktionäre aus. Von Isabell Walter

Für Daimler war 2019 kein einfaches Jahr: Es blieb gerade noch ein Nettogewinn von 2,4 Milliarden Euro übrig, wie der Konzern am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel um 61 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Der Umsatz ist mit 172,2 Milliarden Euro zwar leicht gestiegen, aber Kosten in Milliardenhöhe wirkten sich negativ auf den Gewinn aus. Die größten Posten sind Investitionen in die neue Elektroauto-Produktion, in die Entwicklung von Zukunftstechnologien sowie Altlasten aus der Dieselaffäre. "Während unsere Ergebnisse im Jahr 2019 die weiterhin starke Nachfrage nach unseren attraktiven Produkten widerspiegeln, können wir mit dem Gewinn nicht zufrieden sein", räumte Daimler-Chef Ola Källenius ein. "Diese Ergebnisse sind nicht das, was wir sehen wollen." Mit einem Absatzrekord schloss lediglich die Kernmarke Mercedes-Benz ab.

"Vor allem erhebliche Sonderbelastungen beeinträchtigten unsere Finanzergebnisse im vergangenen Jahr", betonte Källenius. Seit seinem Amtsantritt im Mai hatte der Schwede deshalb die Erwartungen schon mehrfach nach unten korrigiert und zudem im November ein Sparpaket auf den Weg gebracht. Unter anderem sollen auch Arbeitsplätze wegfallen. Um wie viele es sich handelt, ließ Källenius am Dienstag offen. Nach früheren Angaben sollen aber mehr als 10.000 der weltweit rund 300.000 Arbeitsplätze betroffen sein. Allein an Personalkosten will Daimler rund 1,4 Milliarden Euro einsparen. Erste Effekte der Sparmaßnahmen werden 2020 erwartet, im Gegenzug fallen vorerst aber Kosten für den Konzernumbau und Stellenstreichungen an. Der Konzern will weiterhin alle Nicht-Kernaktivitäten überprüfen, um sich auf die Geschäfte mit den größten Potenzialen zu konzentrieren.

Dividende gekürzt


Die hohen Kosten spüren auch Aktionäre und Mitarbeiter. Die Anleger sollen je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr nur noch 90 Cent erhalten. Im Jahr zuvor waren es noch 3,25 Euro. Damit schüttet Daimler zwar weiterhin rund 40 Prozent des Nettogewinns aus, Analysten hatten aber im Schnitt mit rund 1,50 Euro je Aktie gerechnet.

Auch für die Mitarbeiter hat der Gewinneinbruch Folgen: Für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten gibt es 2020 nur noch 597 Euro Ergebnisbeteiligung und eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr hatte die Prämie noch bei 4.965 Euro gelegen.

"Den Hebel umgelegt" habe der Konzern, was die Zukunftstechnologien rund um nachhaltige Mobilität angeht. Källenius erklärte, Daimler könne das Ziel der EU zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen in diesem Jahr schaffen, wenn der Absatzanteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben - also rein elektrischen und hybriden - von zwei auf neun Prozent steige. Zugleich wolle er den Verkauf von Modellen mit Benzin- oder Dieselmotoren nicht bremsen.

Ausblick 2020


Insgesamt bestätigte Daimler den Ausblick vom Kapitalmarkttag 2019. Der Konzernabsatz werde leicht sinken, der Umsatz soll auf dem Vorjahresniveau von knapp 173 Milliarden Euro liegen. Der Konzern rechnet für Mercedes-Benz Cars, Mercedes-Benz Vans und Daimler Trucks mit einem leichten Absatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr. Für Daimler Buses wird hingegen ein minimal steigender Absatz erwartet. Bei Daimler Mobility dürfte das Neugeschäft etwas zurückgehen und das Vertragsvolumen auf Vorjahresniveau bleiben.

Doch die Stuttgarter wollen weiter Milliarden in neue Modelle und Technologien stecken. Die Investitionen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen auf dem Niveau von 2019 von knapp 17 Milliarden Euro bleiben. Damit sei aber der Höchststand erreicht, erklärte Källenius. Daimler geht davon aus, dass der Free Cash Flow des Industriegeschäfts deutlich über dem Vorjahreswert liegen dürfte. Mögliche Belastungen im Zusammenhang mit rechtlichen und behördlichen Verfahren sind darin nicht enthalten.

In diesem Jahr sollen weitere Elektroautos der Baureihe EQ auf den Markt kommen. Auch das Aushängeschild der Marke mit dem Stern, die profitable Luxuslimousine S-Klasse, kommt in neuer Auflage. Das neue Modell soll Ende des Jahres 2020 gezeigt werden.

Harald Wilhelm im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Finanzen & Controlling und Daimler Mobility fasste zusammen: "In den kommenden Jahren steht die deutliche Verbesserung unserer Renditen sowie des Cash Flow im Fokus. Unser Ziel ist, eine solide Netto-Liquidität, um die notwendigen Investitionen abzusichern und gleichzeitig attraktive Dividenden ausschütten zu können. Dazu werden wir in allen Bereichen eine disziplinierte Kapitalallokation sicherstellen."

Unsere Einschätzung:


Automobilkonzerne hatten es im kriselnden Umfeld zuletzt nicht leicht, auch Daimler machte da keine Ausnahme. Nachdem das Gewinnziel seit Källenius Amtsantritt im Mai 2019 bereits dreimal gekappt werden musste, kam auch der aktuelle Gewinneinbruch nicht überraschend. Zwar versuchte der Daimler-Chef die Anleger damit zu beruhigen, dass der Gewinn lediglich wegen Einmaleffekten so schwach ausgefallen sei, doch auch der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr lässt nicht hoffen.

So bleiben die Investitionen weiterhin hoch und auch die Personalmaßnahmen sowie der Konzernumbau werden sich deutlich in den Zahlen für 2020 niederschlagen. Ob die Dieselthematik nun abgeschlossen ist, blieb ebenfalls offen.

Die Zahlen, die der Konzern am Dienstag vorgestellt hat, ließen die Anleger verunsichert zurück. Nachdem der Aktienkurs zunächst anstieg, traten kurz darauf einige Aktionäre den Rückzug an. Seither pendelt sich die Aktie bei rund 43 Euro ein.

Anleger, die bereits in Daimler investiert sind, sollten ihre Position vorerst halten. Wir stufen die Aktie unter "beobachten" ein.


Bildquelle: Michaela Rehle/Reuters

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