Der Dax stabilisierte sich in der abgelaufenen Woche etwas, mit gut 10.600 Punkten lag er aber immer noch mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Februar. Selbst wenn rasch ein Medikament zur Behandlung des Covid-19-Erregers gefunden werde, bleibe der Rückweg zur Normalität lang und steinig, prophezeit Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Die Folgen des wirtschaftlichen Lockdowns auf Unternehmensebene und der Anstieg der Arbeitslosenquote lassen sich nicht einfach rückgängig machen."

DEUTSCHE STIMMUNGSINDIKATOREN ERWARTET


Ähnlich argumentiert Alexander Roose, Chef-Anleger für Aktien beim Vermögensverwalter Degroof Petercam. "Das Verbrauchervertrauen wird aufgrund steigender Gesundheitskosten und einer geringeren Kaufkraft durch die schwere Rezession im Dienstleistungssektor stark beeinträchtigt werden." Einen Hinweis auf die Kauflaune der Deutschen gibt der GfK-Index am Donnerstag.

Daneben stehen am Dienstag der ZEW-Index, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt, und am Freitag der Ifo-Index auf dem Terminplan. Letzterer gibt Auskunft über die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen. Experten erwarten hier einen erneuten Rutsch auf 77,2 Punkte von 86,1 Zählern im Vormonat.

In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit erneut auf die wöchentlichen Jobmarktdaten. Binnen eines Monats mussten bereits 22 Millionen Amerikaner Arbeitslosenunterstützung beantragen. Beim Auftragseingang für langlebige US-Güter (Freitag) erwarten Experten einen Einbruch um 11,4 Prozent.

BILANZSAISON GEHT WEITER - NEUER ANLAUF ZU "CORONA-BONDS"?


Außerdem beginnt die deutsche Bilanzsaison. Wie üblich gibt SAP den Startschuss. Der Softwarekonzern hatte allerdings Anfang des Monats vorläufige Ergebnisse veröffentlicht und die Gesamtjahresziele gesenkt. Aus den Ausland öffnen unter anderem die Online-Videothek Netflix, die Opel-Mutter Peugeot oder die "Gardena"-Mutter Husqvarna ihre Bücher.

Zwar müsse mit Gewinneinbrüchen von durchschnittlich 40 Prozent gerechnet werden, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Dank der billionenschweren Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen sähen Investoren über die aktuelle Entwicklung hinweg und konzentrierten sich auf die Gewinne im zweiten Halbjahr und 2021.

Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf den EU-Gipfel zur Virus-Krise am Donnerstag, nachdem der französische Präsident Emmanual Macron die Diskussion um die Aufnahme gemeinsam garantierter Schulden zur Überwindung der Pandemie-Folgen neu angefacht hatte. Damit erhöhe sich der Handlungsdruck für die Staats- und Regierungschefs, sagt Commerzbank-Anlagestratege Rainer Guntermann.

rtr