Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Krise hat den DAX am Dienstag einen Schub gegeben. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Meldungen über Erfolge bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes gegeben.

Die Anleger gingen mehr ins Risiko und bevorzugten nun wieder zyklische Aktien, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. "Die Wahrscheinlichkeit für eine weitaus bessere konjunkturelle Lage in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wächst mit jeder neuen Impfstoff-Nachricht. Dabei ist es auch ein gutes Zeichen, dass die Sektor-Rotation zurück in die Verlierer der Pandemie ohne Nettoverkäufe der stark gelaufenen Technologieaktien vonstatten geht."

Tags zuvor hatten die Devisenmarkt-Strategen Robin Winkler und George Saravelos von der Deutschen Bank in einer Studie dank des "beispiellosen Sieges der Wissenschaft" eine wohl deutlich schnellere Normalisierung vorgezeichnet, als es noch vor wenigen Wochen zu erhoffen war. Die Experten gehen davon aus, dass die Gesamtbevölkerung der Industrieländer bis Mitte kommenden Jahres immunisiert werden kann, wobei dies sogar auch noch schneller gehen könnte.

Das zeigte sich auch bei den Einzelwerten. Gefragt waren die bisherigen Corona-Verlierer. So setzten die Aktien von MTU, der Lufthansa, Fraport und Airbus ihre jüngsten Erholungsrallys fort. Papiere von Airbus kletterten im MDax auf das höchste Niveau seit März, Lufthansa, Fraport und Tui schafften es zurück auf den Stand vom Juni. Weiter treibt die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff die Anleger um.

Aussicht auf geordnete US-Machtübergabe gibt Wall Street Auftrieb

Auch aus den USA kamen Nachrichten, die an der Börse ebenfalls positiv aufgenommen wurden. Der amtierende US-Präsident Donald Trump machte drei Wochen nach der Wahl den Weg frei für eine geordnete Machtübernahme an seinen Nachfolger Joe Biden. Damit sei die Gefahr einer Verfassungskrise in den USA gebannt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Zudem nominierte Biden Janet Yellen, die frühere Chefin der US-Notenbank Fed, für den Posten der Finanzministerin. "Damit dürfte die Zusammenarbeit zwischen Fed und Finanzministerium kooperativ und geräuschlos verlaufen. Dass sich Yellen bereits für mehr fiskalpolitische Krisenhilfen ausgesprochen hat, kommt auf dem Parkett gut an," sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners der Nachrichtenagentur Reuters. Sie gelte zudem als wirtschaftsfreundlich, ergänzte Wilson. "Ein faszinierendes Comeback für die sehr kompetente Fed-Chefin, die von Trump gefeuert wurde."

Der US-Standardwerteindex Dow Jones übersprang dabei am Dienstag erstmals die 30.000er Marke und stieg um 1,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 30.002,25 Punkten. Der technologielastige Nasdaq kam dagegen kaum vom Fleck.

DAX bald mit 40 Werten


Die Deutsche Börse verschärft nach dem Wirecard-Skandal und der Kritik an der Aufnahme von Delivery Hero in den Dax ihre Indexregeln. Die umfassendsten Änderungen gibt es für das Aushängeschild - den deutschen Leitindex Dax. Dieser wird zwar von 30 auf 40 Werte aufgestockt, aber dafür gelten vom kommenden Jahr an strengere Vorgaben. Zudem soll er künftig zweimal jährlich regulär überprüft werden, wie die Deutsche Börse am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Zu den Top-Anwärtern auf einen Platz im Leitindex zählt nun der Flugzeugbauer Airbus.

Denn zum wichtigsten Aufnahmekriterium wird der Börsenwert, also die Marktkapitalisierung gemessen am Anteil frei handelbarer Aktien (Streubesitz). Der Börsenumsatz, das bisher zweite Kriterium für eine Aufnahme in einen Index, fällt weg. Er wird - und dies gilt auch für die anderen Indizes der Dax-Familie, den MDax, SDax und TecDax, durch eine so genannte Mindestliquiditätsanforderung ersetzt. Für die erste deutsche Börsenliga gilt: Erstmals wird der Dax im März des neuen Jahres regulär unter die Lupe genommen, während die Aufstockung um zehn neue Mitglieder dann ein halbes Jahr später im September 2021 erfolgt.

Index-Experten begrüßen die neuen Regeln überwiegend. Der Dax werde dadurch attraktiver, hieß es. Zugleich hatten sich einige aber noch weiter gehende Änderungen erhofft und waren, wie etwa Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder Michael Bissinger von der DZ Bank, von einer rascheren Umsetzung noch im März ausgegangen.

Was am Dienstag an der Börse außerdem wichtig war


Bitcoin steigt in Richtung Rekordhoch
Die Digitalwährung Bitcoin nähert sich ihrem etwa drei Jahre alten Rekordhoch. Am Dienstag stieg der Kurs der ältesten und bekanntesten Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp bis auf 19 109 US-Dollar. Damit liegt das Rekordhoch, das Ende 2017 erreicht worden war, nicht mehr fern. Auf Bitstamp wurde damals ein Höchststand von 19 666 Dollar erzielt. Auf anderen Plattformen, von denen es zahlreiche gibt, weichen die jeweiligen Rekordstände etwas ab.

Autovermieter Sixt wagt neue Jahresprognose - Aktie legt zu
Kurz vor dem Ende eines schwierigen und von der Corona-Krise beeinträchtigten Jahres wagt der Autovermieter Sixt doch noch eine neue Prognose. Nach einem Vorsteuergewinn von 308 Millionen Euro im vergangenen Jahr dürfte 2020 ein Verlust vor Steuern von 70 bis 95 Millionen Euro anfallen, wie der Konzern am Montagabend in Pullach bei München mitgeteilt hatte. Den ursprünglichen Ausblick eines Gewinns hatte Sixt wegen der Corona-Krise im Sommer kassiert, die Anleger dann Mitte November aber schon auf ein Minus im Gesamtjahr eingestellt.

Novartis setzt auf die eigene Pipeline und startet Aktienrückkaufprogramm
Am Investorentag stellt der Pharmakonzern Novartis seine eigene Pipeline in den Vordergrund. Der Umsatz der wichtigen Pharmasparte Innovative Medicines werde schon heute zu 48 Prozent durch die sogenannten Wachstumstreiber generiert. Und es sollen weitere folgen.

Europas Aufsicht will Boeing 737 Max Anfang 2021 wieder starten lassen
Nach der Wiederzulassung des Unglücksfliegers Boeing 737 Max in den USA steht auch in Europa ein Ende des Startverbots bevor. Geplant sei, den Flugzeugtyp in einigen Wochen wieder abheben zu lassen, teilte die europäische Luftfahrtaufsicht EASA am Dienstag in Köln mit. Zunächst kann aber die Öffentlichkeit vier Wochen lang die von der EASA veröffentlichte Lufttüchtigkeitsanweisung für den Jet kommentieren. Die endgültige Fassung ist den Angaben zufolge ab Mitte Januar zu erwarten. Nach zahlreichen Veränderungen an Hard- und Software und einer zusätzlichen Schulung der Piloten sollen die Jets auch in Europa wieder abheben dürfen - mehr als 22 Monate nach Beginn des Flugverbots.

Musk: Tesla-Werk bei Berlin wird weltgrößte Batteriefabrik
Tesla-Chef Elon Musk will das künftige Werk des Elektroauto-Herstellers bei Berlin auch zur weltgrößten Batteriefabrik machen. Das kündigte Musk am Dienstag in einem per Video übertragenen Auftritt bei einer Konferenz zur europäischen Batteriewirtschaft an.

rtr/dpa-AFX/fh