Geht die Rekordjagd am Dienstag beim DAX weiter? Das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: Meta, Samsung, Nordex, TKMS, Bitcoin, SpaceX, Micron und Microsoft.
Nach dem Rekordlauf des deutschen Börsenbarometers Dax werden am Dienstag Gewinnmitnahmen erwartet. Eine deutliche Schwäche von KI-Werten in Asien an diesem Morgen dürfte auch Europas Börsen belasten. Der frühbörsliche Indikator X-Dax signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn ein Minus von 0,2 Prozent auf 25.775 Punkte.
Am Donnerstag noch hatte der Leitindex seinen fast sechs Monate alten Höchststand getoppt, am Freitag erstmals die Marke von 25.800 Punkten übersprungen und am Montag die Marke von 25.900 Punkten erstmals getestet.
In Asien war der südkoreanische Kospi, zuletzt zum Sinnbild der KI-Rally geworden, zeitweise um 8 Prozent abgesackt. Zuletzt stand ein Minus von 6 Prozent zu Buche, vor allem ausgelöst durch einen Kursrutsch der Samsung-Aktie nach Eckzahlen zum zweiten Quartal. Zwar sei das Zahlenwerk auf den ersten Blick hervorragend, doch die Aktie bereits so hoch bewertet, dass bereits alle erdenklich positiven Erwartungen eingepreist gewesen seien, erklärte Marktbeobachter Stephen Innes. Der "erste KI-Stresstest" sei damit fehlgeschlagen.
Hinzu komme, dass die US-Bank Morgan Stanley einen Wandel im KI-Markt sieht: weg von Chips und hin zu Hyperscalern, ergänzte er. Das leicht verdiente Geld mit wachstumsgetriebenen Chip- und Speicheraktien dürfte zunehmend einer breiteren zyklischen Rotation weichen, die durch den Iran-Krieg unterbrochen worden sei. Nun aber fielen die Ölpreise wieder und die Zinsen stabilisierten sich.
Nachrichten aus Deutschland
Nordex erhält Aufträge über 700 Megawatt aus Deutschland
Der Windturbinenbauer Nordex hat mehrere Aufträge vom Wind- und Solarparkentwickler UKA erhalten. Die Ende Juni eingegangenen Bestellungen haben eine Gesamtleistung von 700 Megawatt, wie der Windkraftanlagenbauer aus Hamburg am Dienstag mitteilte. Geliefert werden sollen 100 Turbinen der Typen N175/6.X und N163/6.X mit einer Nennleistung von 7 Megawatt für mehrere Projekte in verschiedenen Bundesländern. Hinzu kämen mehrjährige Dienstleistungs- und Wartungsaufträge.
Die Nordex-Aktie legte am Morgen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss leicht zu. Zuletzt hatten Anleger bei den 2026 stark gelaufenen Papieren immer mal wieder Kasse gemacht. Für das laufende Jahr steht aktuell ein Kursplus von rund 50 Prozent auf dem Zettel.
TKMS setzen Kursrally nach Kanada-Deal fort - 100 Euro im Blick
Die Aktien von TKMS setzen ihre Kursrally am Dienstag vorbörslich in Richtung 100 Euro fort. Auf der Handelsplattform Tradegate sind die Papiere der Marinewerft nach einem Milliarden-Deal mit Kanada mit Abstand aktivster Wert und gewinnen gegenüber dem Xetra-Schluss fast 6 Prozent auf 98,80 Euro. Seit Ende Juni hatten sie zuletzt bereits ein Viertel an Wert gewonnen.
Kanada setzt bei der Erneuerung seiner U-Boot-Flotte auf eine milliardenschwere Kooperation mit Deutschland und Norwegen. Dazu soll TKMS bis zu zwölf U-Boote liefern, wie Premierminister Mark Carney in Halifax vor seiner Abreise zum Nato-Gipfel in Ankara sagte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Entscheidung: "Dies ist ein großes, strategisches Vorhaben, das Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte verbindet." Die kanadische Regierung setze damit vor dem Nato-Treffen ein starkes Zeichen der transatlantischen Zusammenarbeit.
Sollten es die TKMS-Aktien über die Charthürde im Bereich 100 Euro schaffen, wäre der Weg frei zum Rekord vom ersten Handelstag im vergangenen Oktober bei 107 Euro.
Internationale Nachrichten
Stellenabbau brockt Microsoft Kursverlust ein
Stellenstreichungen im Xbox-Spielegeschäft von Microsoft haben der Aktie am Montag Kursverluste beschert. Während Technologieaktien zum Wochenauftakt teils kräftig zulegten, gaben die Papiere des Software-Giganten um 1,5 Prozent auf knapp 385 US-Dollar nach.
Der Konzern aus Redmond im Bundesstaat Washington streicht rund 3.200 Arbeitsplätze bei der Videospiele-Sparte Xbox und will das Geschäft drastisch umkrempeln. US-Medienberichten zufolge fällt damit rund ein Fünftel der Jobs des Bereichs weg. "Unser Geschäft ist heute nicht gesund", schrieb Xbox-Chefin Asha Sharma in einer E-Mail an die Mitarbeiter.
Microsoft-Aktien sind dem Gesamtmarkt und dem Technologiesektor zuletzt hinterhergelaufen. Allein seit Jahresbeginn beläuft sich der Kursverlust auf mehr als 20 Prozent. Dem steht ein Aufschlag des Sektors Information Technology von fast 12 Prozent gegenüber. Der US-Technologiesektor Nasdaq 100, in dem Microsoft ein Schwergewicht ist, hat in diesem Börsenjahr 18 Prozent gewonnen.
Vor knapp einem Jahr hatten Microsoft-Aktien mit gut 555 Dollar den höchsten Stand ihrer Historie erreicht. Dieses Rekordhoch testeten die Papiere noch einmal Ende Oktober vergangenen Jahres. Anschließend ging es tendenziell immer weiter abwärts. Ende Juni rutschten die Anteile unter 350 Dollar auf das tiefste Niveau seit April 2025.
Samsung verbucht nächsten Rekordgewinn - Aktie gibt kräftig nach
Samsung steuert im Zuge des anhaltenden KI-Booms weiter auf Rekordkurs. Im zweiten Quartal verdiente der südkoreanische Elektronikriese operativ etwas mehr als 89 Billionen Won (rund 51 Milliarden Euro) - so viel wie nie zuvor. Dies teilte der Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen am Dienstag in Seoul mit. Im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres ist das operative Ergebnis um das 19-Fache gestiegen. Er fiel zudem etwas höher als von Experten erwartet aus. Die in diesem Jahr bereits hervorragend gelaufene Aktie gab dennoch neun Prozent nach.
Samsung verbuchte im dritten Geschäftsquartal in Folge den jeweils höchsten Wert in seiner Unternehmensgeschichte. Zum Vergleich: Der operative Gewinn für das gesamte Jahr 2025 betrug lediglich knapp 44 Billionen Won, also weniger als die Hälfte des Ergebnisses im zweiten Quartal. Der Umsatz habe sich auf 171 Billionen Won mehr als verdoppelt. Den Nettogewinn sowie die Details, wie das Ergebnis zustande gekommen ist, veröffentlicht Samsung Ende des Monats.
Der hohe Betriebsgewinn fußt vor allem auf der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Samsung Electronics ist einer der weltweit führenden Produzenten von Halbleitern, insbesondere im Segment leistungsstarker Speicherchips, und profitiert deshalb besonders stark vom Boom des Geschäfts mit Künstlicher Intelligenz.
In Südkorea haben die extrem hohen Unternehmensgewinne der großen Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix zu einer öffentlich debattierten Verteilungsfrage geführt. Ende Mai nahmen Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft nach einer Streik-Drohung einen Kompromissvorschlag des Managements an, der Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro für jeden Mitarbeiter der hochprofitablen Halbleitersparte vorsieht.
Während die Tech-Unternehmen des Landes von der anhaltenden KI-Nachfrage profitieren und hohe Löhne sowie Prämien zahlen, geht es vielen anderen Industrien Südkoreas derzeit durchwachsen. So ist auch die Arbeitslosenquote in der besonders betroffenen Altersgruppe unter 30 Jahren zuletzt gestiegen.
BofA: KI-Investitionszyklus intakt – Chipkorrektur "gesunde Pause"
Bank of America erwartet, dass die globalen Cloud- und KI-Infrastrukturausgaben bis 2027 auf 1,5 Billionen Dollar anwachsen – ein weiterer Anstieg von 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und sieht die aktuelle Korrektur im Halbleitersektor von rund 11 Prozent als saisonal bedingte Verschnaufpause nach einem Anstieg von 88 Prozent im zweiten Quartal, nicht als strukturellen Einbruch der KI-Nachfrage. Besonders hervorgehoben werden Micron, AMD, Applied Materials, Lam Research, Credo Technology und Marvell als bevorzugte Profiteure, sobald die Sichtbarkeit auf die Cloud-Ausgaben 2027 in der zweiten Jahreshälfte zunimmt. Zudem betonen die Analysten, dass günstigere chinesische KI-Modelle wie DeepSeek oder Alibabas Qwen eher die Nutzung ausweiten als die Nachfrage nach Halbleitern dämpfen – das eigentliche Risiko liege bei den KI-Softwaremargen, nicht bei der Chip-Infrastruktur.
Strategische Bitcoin-Reserve der USA stockt – Behörden streiten um Zuständigkeit
Die Pläne der Trump-Regierung für eine strategische Bitcoin-Reserve geraten ins Stocken, da Commerce- und Finanzministerium um die Kontrolle über die geplanten Bestände streiten – unter anderem weil Zweifel bestehen, ob das Finanzministerium angesichts der hohen Volatilität von Bitcoin die rechtliche Befugnis zur Verwaltung hat. Trumps Exekutivorder vom März 2025 hatte das Finanzministerium als Heimat der Reserve vorgesehen, doch nun positioniert sich auch das Handelsministerium als möglicher Verwalter, während das Justizministerium rechtliche Optionen prüft. Das Weiße Haus betonte, man evaluiere weiterhin die beste Struktur für die Reserve.
Ripple erhält volle MiCA-Lizenz – Strategy verkauft erneut Bitcoin
Ripple hat von Luxemburgs Finanzregulator eine vollständige Lizenz unter dem europäischen MiCA-Rahmenwerk erhalten und kann damit regulierte Kryptodienste im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten – das Unternehmen zählt damit zu den wenigen Kryptofirmen mit vollständiger MiCA-Zulassung und hält weltweit über 75 Regulierungslizenzen. Strategy hat derweil erneut Bitcoin verkauft: 3.588 BTC wurden für insgesamt 216 Millionen Dollar veräußert, um Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien zu finanzieren – die Gesamtbestände des Unternehmens sinken damit auf rund 843.775 Bitcoin. Die Verkäufe erfolgten zu Durchschnittspreisen zwischen 59.256 und 60.773 Dollar je Bitcoin, kurz bevor Strategy sein Dividendenmodell öffentlich formalisiert hatte.
Morgan Stanley nennt erstmals ein Kursziel für SpaceX
Morgan Stanley hat die Abdeckung von SpaceX mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 300 Dollar gestartet – rund 90 Prozent über dem aktuellen Kurs – und sieht das Unternehmen als zentralen Akteur für die nächste KI-Ära, der bis 2040 Umsätze von über 3,3 Billionen Dollar erzielen könnte. Die Bank hatte beim Börsengang von SpaceX als federführende Bank und alleiniger Stabilisierungsagent fungiert und war damit direkt am bislang größten Nasdaq-IPO der Geschichte beteiligt. Als Hauptrisiken nennt Morgan Stanley die starke Abhängigkeit von Gründer Elon Musk, mögliche Interessenkonflikte mit Tesla sowie regulatorische und geopolitische Risiken.
"Suchtfördernd": US-Bundesstaaten fordern 1,4 Billionen Dollar Strafe von Meta
Vier US-Bundesstaaten – Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey – fordern im bevorstehenden Prozess, der am 18. August in Oakland beginnt, zivilrechtliche Strafen von rund 1,4 Billionen Dollar von Meta, weil das Unternehmen Facebook und Instagram absichtlich suchtfördernd für Jugendliche gestaltet und die Öffentlichkeit über die Sicherheit der Plattformen getäuscht haben soll. Die geforderte Summe entspricht nahezu Metas gesamtem Börsenwert von rund 1,48 Billionen Dollar – Meta selbst bezeichnete eine solche Strafe als beispiellos in der Geschichte des Verbraucherschutzrechts und bestreitet sämtliche Vorwürfe. Zusätzlich sehen sich Meta, Snap, YouTube und TikTok tausenden weiteren Klagen in Bundes- und Staatsgerichten ausgesetzt, die ähnliche Vorwürfe zur suchtfördernden Wirkung ihrer Plattformen auf Kinder und Jugendliche erheben.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum gibt die Samsung-Aktie trotz eines Rekordgewinns so stark nach?
Samsung meldete für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von rund 51 Milliarden Euro – den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte und das 19-Fache des Vorjahreswerts. Die Aktie verlor dennoch rund 9 Prozent, weil der Kurs nach einem starken Jahresanstieg bereits alle erdenklich positiven Erwartungen eingepreist hatte. Marktbeobachter Stephen Innes bezeichnete das Ergebnis als ersten KI-Stresstest, der damit gescheitert sei – ein klassisches „sell the news"-Szenario.
Was bedeutet der 700-Megawatt-Auftrag für die Nordex-Aktie in 2026?
Nordex hat vom Wind- und Solarparkentwickler UKA Aufträge über 700 Megawatt erhalten, umfassend 100 Turbinen für mehrere Projekte in verschiedenen deutschen Bundesländern inklusive mehrjähriger Wartungsverträge. Für die Aktie, die im laufenden Jahr bereits rund 50 Prozent zugelegt hat, ist der Großauftrag eine weitere Bestätigung der starken Nachfrage nach Windenergieanlagen in Deutschland.
Warum stocken die Pläne der Trump-Regierung für den Aufbaue einer strategischen Bitcoin-Reserve?
Commerce- und Finanzministerium streiten um die Kontrolle über die geplanten Bitcoin-Bestände, da Zweifel bestehen, ob das Finanzministerium angesichts der hohen Volatilität der Kryptowährung überhaupt die rechtliche Befugnis zur Verwaltung hat. Trumps Exekutivorder vom März 2025 hatte das Finanzministerium als Heimat der Reserve vorgesehen, doch nun positioniert sich auch das Handelsministerium als möglicher Verwalter. Das Weiße Haus betonte, man evaluiere weiterhin die beste Struktur für die Reserve