Trotz einiger erfreulicher Geschäftszahlen von Unternehmen hielten sich die Anleger bedeckt und konzentrierten sich auf das Pandemiegeschehen. Auf Wochensicht deutet sich dennoch ein moderates Plus im DAX an.

Unter anderem die Hoffnung auf billionenschwere Konjunkturhilfen in den USA zur Bekämpfung der Pandemie habe die jüngste Euphorie gespeist, schrieb der auf Markttechnik spezialisierte Analyst Pierre Veyret vom Handelshaus AvtivTrades. Mit dem Amtsantritt von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten habe die Stimmung dann zuletzt ihren Höhepunkt erreicht. Nun jedoch schienen die meisten Anleger das Gefühl zu haben, dass die Party vorbei ist und sie wieder in die Realität der Pandemie zurückkehren, nachdem sich die Situation in vielen Ländern verschlechtert habe.

Im DAX stachen zwei Schwergewichte mit überraschend guten Geschäftszahlen hervor. So übertraf Siemens im ersten Geschäftsquartal operativ die Erwartungen. Analysten reagierten positiv auf das Zahlenwerk. Die Aktie gewann zeitweise mehr als sieben Prozent und stand damit an der Spitze des deutschen Leitindex.

Daneben überzeugte die VW-Aktie mit guten Quartalszahlen. Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Bank UBS sprach vom besten Quartal in der Geschichte des Autobauers. Schlusslicht im DAX war die Deutsche Bank-Aktie mit einem Abschlag von rund 2,7 Prozent.

Was am Freitag an der Börse außerdem wichtig war


VW erwartet für 2020 trotz Corona 10 Milliarden Euro Betriebsgewinn
Der Volkswagen-Konzern rechnet für das abgelaufene Jahr nach starken Absatzverlusten in der Corona-Krise mit einem etwa noch halb so hohen Gewinn im laufenden Geschäft. Wie die Wolfsburger am Freitag mitteilten, wird ein Wert von rund 10 Milliarden Euro für das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen - darunter vor allem weitere Rechtskosten zur Bewältigung der Dieselkrise - angenommen.

Siemens überrascht positiv mit starkem Jahresauftakt - Aktie auf Rekord
Der Technologiekonzern Siemens hat mit einem starken Jahresauftakt positiv überrascht: Das Unternehmen hat im ersten Quartal bis Ende Dezember nach vorläufigen Zahlen operativ mehr verdient als gedacht. Vor allem die Automatisierungs- und Softwaregeschäfte und der Bereich Smart Infrastructure hatten sich stark entwickelt und deutlich höhere Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr geliefert. Haupttreiber war vor allem China. An der Börse reagierten die Anleger begeistert, die Aktie schnellte im frühen Freitagshandel auf ein Rekordhoch.

Intel übertrifft Erwartungen vor Chefwechsel
Der Chipkonzern Intel hat im vergangenen Quartal die Geschäftserwartungen deutlich übertroffen. Mit einem Umsatz von 20 Milliarden Dollar nahm Intel rund 2,6 Milliarden Dollar (2,14 Mrd Euro) mehr ein als zuvor in Aussicht gestellt. Das war zugleich ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im gesamten Jahr stiegen die Erlöse um acht Prozent auf den Rekordwert von 77,9 Milliarden Dollar. Der Quartalsgewinn fiel um 15 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar, wie Intel nach US-Börsenschluss am Donnerstag mitteilte.

ProSiebenSat.1 kommt besser durch Corona-Krise als befürchtet
Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 ist besser durch das Corona-Krisenjahr gekommen als gedacht. "Wir sind mit unserer Entwicklung im vierten Quartal sehr zufrieden", sagte Vorstandsprecher Rainer Beaujean am Donnerstagabend laut Mitteilung. "Es freut uns, dass wir das für alle schwierige Corona-Jahr 2020 somit versöhnlich abschließen konnten." Der Manager betonte aber auch, dass der erneute Corona-Lockdown vor allem das Werbegeschäft im ersten Quartal belasten werde. Doch schon im zweiten Quartal sollte sich insbesondere das Entertainment-Segment im Jahresvergleich verbessern.

IBM enttäuscht mit schwachen Zahlen - Aktie geht auf Talfahrt
Der Computer-Dino IBM hat zum Jahresende überraschend deutliche Geschäftseinbußen hinnehmen müssen. Im Schlussquartal sank der Umsatz im Jahresvergleich um gut sechs Prozent auf 20,4 Milliarden Dollar (16,8 Mrd Euro), wie IBM am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Nettogewinn fiel aufgrund hoher Kosten beim Konzernumbau um 66 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar.

VW-Tochter Traton mit Gewinneinbruch 2020 - Zeichen aber weiter auf Erholung
Die Volkswagen-Nutzfahrzeugholding Traton hat das Corona-Jahr 2020 wie erwartet mit großen Einbußen abgeschlossen. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis sei laut vorläufiger Zahlen um fast 93 Prozent auf 135 Millionen Euro eingebrochen, teilte der Konzern am Freitag in München mit. Mit 22,6 Milliarden Euro erlöste Traton zudem knapp 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Salzgitter über den Erwartungen - Rückkehr in die Gewinnzone 2021
Die anziehenden Stahlpreise bringen Salzgitter wieder mehr in Schwung. Der Stahlkonzern konnte das schwierige Corona-Jahr mit einem starken Schlussquartal beenden, der Fehlbetrag fiel geringer aus als befürchtet. Dabei profitierte der SDax-Konzern auch von seiner Beteiligung am Kupferkonzern Aurubis. In das neue Jahr geht Salzgitter mit Zuversicht: Für 2021 ist die Rückkehr in die Gewinnzone beim Vorsteuerergebnis vorgesehen. An der Börse ging es für die Salzgitter-Aktie im frühen Freitagshandel nach oben.

Globalwafers ködert Siltronic-Aktionäre mit höherem Übernahmeangebot
Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers stockt seine Übernahmeofferte für den deutschen Waferhersteller Siltronic wie von vielen Investoren erwartet auf. Statt bislang 125 Euro würden nun 140 Euro je ausstehender Stammaktie geboten, wie Globalwafers am Freitag mitteilte. Alle weiteren Bedingungen des Übernahmeangebots blieben unverändert. Die Aktionäre können damit weiterhin bis zum am 27. Januar überlegen, ob sie die Offerte annehmen. Viele dürften ohnehin mit einer Nachbesserung gerechnet haben, denn der Aktienkurs war nach dem ersten Angebot im Dezember gestiegen auf zuletzt rund 140 Euro.

Porsche SE erwartet höheren Gewinn für 2020
Wegen der Erholung bei Volkswagen nach dem Corona-Einbruch rechnet die Dachgesellschaft Porsche SE für das vor kurzem zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2020 mit einem höheren Gewinn. Das Ergebnis unter dem Strich werde voraussichtlich deutlich positiv sein, teilte die in Stuttgart ansässige Holding am Freitag mit. Bislang hieß es, man erwarte ein positives Ergebnis. Konkrete Zahlen wurden aber noch nicht genannt.

Investoren klagen gegen Bayer wegen Glyphosat-Kursverlusten
Neuer Ärger für Bayer: Wegen der Aktienkursverluste im Zuge des Glyphosat-Rechtsstreits klagen Investoren auf Schadenersatz. Ein entsprechender Fall ist beim Landgericht Köln anhängig, wie eine Gerichtssprecherin der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Freitag bestätigte. Dabei gehe es um knapp 37 Millionen Euro. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, dass die Kanzleien Tilp und Hausfeld im Auftrag verschiedener Investoren vor dem Landgericht Köln gegen den Konzern klagen. Bayer wehrt sich gegen die Vorwürfe.

rtr/dpa-AFX/ak