Die Dax-Anleger (DAX) haben angesichts der Turbulenzen in der Türkei erst einmal die Füße stillgehalten und Ruhe bewahrt. Bis zum frühen Montagnachmittag gab der deutsche Leitindex um 0,12 Prozent auf 10.055,08 Punkte nach. In der Vorwoche war das Börsenbarometer bereits um gut viereinhalb Prozent nach oben geklettert.

Die Nebenwerte hingegen schlugen sich zuletzt teils deutlich besser: So rückte der MDax der mittelgroßen Werte (MDAX) um 0,60 Prozent auf 20 676,87 Punkte vor. Für den Technologiewerte-Index TecDAX ging es sogar um 1,39 Prozent auf 1648,25 Punkte nach oben. Hier sorgte die geplante Übernahme des Chipdesigners ARM Holdings (ARM) durch den japanischen Softbank-Konzern (Softbank) für gute Laune.

'SITUATION IN DER TÜRKEI NOCH NICHT AUSGESTANDEN'

Am Vormittag hatte auch im Dax Erleichterung geherrscht, weil sich die Lage in der Türkei wieder deutlich beruhigt hatte. So war der Leitindex zunächst um knapp 1 Prozent in die Höhe gesprungen. Dann jedoch setzte bald wieder Ernüchterung ein, so dass das Börsenbarometer leicht ins Minus drehte.

"Die Situation in der Türkei ist noch nicht ausgestanden", sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank mit Blick auf den gescheiterten Militärputsch. So könnten die angekündigten Säuberungsmaßnahmen des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan Experten zufolge für eine Belastung des ohnehin nicht einfachen Verhältnisses des Landes mit Europa und den USA sorgen.

Der Brexit hingegen sei als mögliche Gefahr zunächst aus den Köpfen der Anleger verschwunden, sagte Halver. Schließlich würden die Briten wohl erst Ende des Jahres den Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union einreichen.

KION PROFITIEREN VON GUTEN QUARTALSZAHLEN

Hierzulande gehörten die Aktien von Infineon (Infineon Technologies) und Dialog Semiconductor mit Gewinnen von gut 2 beziehungsweise rund 4,5 Prozent zu den Favoriten. Die geplante Übernahme von ARM Holdings ist einem Händler zufolge eventuell nur der erste Schritt der Japaner, um den Chinesen bei ihrer Einkaufstour in Europa in die Quere zu kommen. Insofern hätten die Bewertungen der europäischen Technologieaktien noch Luft nach oben.

Ansonsten richteten sich die Blicke verstärkt auf die Berichtssaison der Unternehmen. So profitierte der Gabelstapler-Hersteller Kion vom starken Wachstumstrend bei Elektrostaplern und Lagertechnikgeräten. Die Anteilsscheine gewannen unter den besten Werten im MDax 3,61 Prozent.

Den ersten Platz im Index sicherten sich die Aktien von WACKER CHEMIE mit plus 3,86 Prozent auf 85,75 Euro. Der Spezialchemiekonzern verbuchte laut vorläufigen Berechnungen im zweiten Quartal einen geringeren operativen Gewinnrückgang als von Analysten erwartet.

HAPAG-LLOYD SACKEN ANS SDAX-ENDE

Klares Schlusslicht im SDAX der gering kapitalisierten Werte waren die Papiere von Hapag-Lloyd mit minus 7,88 Prozent. Die Container-Reederei kappte wegen des Preiskampfes in der Schifffahrt die Gewinnprognose für dieses Jahr. Ein Händler sprach von einem weiterhin schwierigen Umfeld für die Branche. Hinzu kämen die Belastungen durch die Fusion mit der arabischen Reederei UASC. So wollen die beiden Container-Reedereien ihre gemeinsame Zukunft mit einer Kapitalerhöhung absichern./la/das

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---