Zum Wochenausklang zeigt sich der DAX nochmal sehr stark. Das beflügelt den deutschen Leitindex jetzt. Außerdem im Fokus der Börsen: die Aktien von Infineon, Richemont, Puma, Delivery Hero, Novo Nordisk, Eli Lilly und mehr.

Die Anleger setzen am Freitag im DAX auf ausbleibende Kampfhandlungen im Iran. Mit einem Anstieg um 0,6 Prozent auf 24.753 Punkte würde der Leitindex eine sehr starke Woche besiegeln, in der er aktuell mehr als drei Prozent an Wert gewonnen hat. Er machte einen erneuten Gehversuch hin zur Marke von 25.000 Punkten, blieb aber unter seinen Spitzen der vergangenen beiden Handelstage.

"Offenbar glauben die Börsen nicht mehr an eine erneute Eskalation der Kampfhandlungen am Persischen Golf", schrieb LBBW-Stratege Berndt Fernow. Es zeichne sich zwar keine nachhaltige Friedenslösung ab, aber eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen werde auch unwahrscheinlicher. "In den USA ist der Krieg gegen den Iran denkbar unpopulär, und die Zwischenwahlen rücken unerbittlich näher", gab der Experte zu bedenken.

Fernow sieht das weitere Überraschungspotenzial nach oben aber begrenzt, und so tut sich der Dax schwer damit, erneut die 25.000-Punkte-Marke zu testen. Selbst wenn der Konflikt tatsächlich auf konstruktive Art gelöst würde, könne der Effekt davon dann schnell verpuffen und einer Betrachtung der entstandenen ökonomischen Schäden weichen, warnte Fernow. Im Dax sei deshalb "der Kampf zwischen Bullen und Bären noch nicht entschieden".

Andere Indizes folgten dem Dax nach oben. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten zeigte sich zur Mittagszeit 0,7 Prozent höher bei 32.023 Punkten, während der Eurozonen-Leitindex EuroStox auch mit 0,7 Prozent im Plus lag. Die US-Börsen wurden zu diesem Zeitpunkt etwas höher erwartet. Kursgewinne hatte es zuvor auch in Asien gegeben.

Nachrichten aus Deutschland

Infineon

Die Tech-Rally, die sich neuerdings mehr in Fernost und Europa ausprägt, während die Kurse an der US-Börse Nasdaq zuletzt ausgereizt wirkten, sorgte in Deutschland bei Infineon für den ersten Sprung des Kurses über die 70-Euro-Marke seit dem Jahr 2000. Ein Plus von 4,3 Prozent hievte die Titel des Chipkonzerns einmal mehr an die Dax-Spitze.

Puma

Die Fußball-WM in Nordamerika rückt näher und vor allem die Aktien von Puma sorgen bei den Anlegern für Vorfreude. Sie erklommen mit plus 5 Prozent auf 28,64 Euro das höchste Niveau seit März 2025. Damit schlossen sie eine Kurslücke, die sie damals mit einer enttäuschenden Prognose aufgerissen hatte. 2026 liegen sie nun mit 28 Prozent im Plus. Die Aktien der anderen Ausrüster von WM-Teams, Adidas und Nike, liegen im laufenden Jahr dagegen noch deutlich unter Wasser. Bei Adidas sind es 9 Prozent, bei Nike sogar 30 Prozent.

Als Katalysator der Erholungsrally von Puma sehen Börsianer vor allem den erfolgreichen Turnaround. Die plangemäß laufende, umfangreiche Restrukturierung lobte jüngst auch Nick Anderson von Berenberg - einer der weniger Experten, der mit einem Kursziel von 40 Euro auch aktuell noch Kurspotenzial signalisiert. Das Management habe einen klaren Plan, den guten Namen wiederherstellen, und der neue Großaktionär Anta beschleunige den Wandel nicht nur, sondern bringe auch wertvollen Input.

Der chinesische Konzern Anta Sports Products hatte Ende Januar mitgeteilt, dass man einen 29-prozentigen Anteil an Puma von der französischen Milliardärsfamilie Pinault übernimmt. Hinter Anta stecken Marken wie Fila, Jack Wolfskin und Salomon.

Delivery Hero

Die Neubewertung von Delivery Hero ist am Freitag in die nächste Runde gegangen. Bei den Aktien des Essenslieferdienstes zeichnete sich vor dem Wochenende der zehnte Gewinntag in Folge ab. In der Spitze stiegen sie um 4,9 Prozent auf 34,58 Euro, gegen Mittag betrug das Plus noch ein Prozent. Damit summieren sich die Kursgewinne in den vergangenen zehn Handelstagen mittlerweile auf rund zwei Drittel.

Die Delivery-Hero-Aktien gehören im bisherigen Jahresverlauf zu den fünf stärksten Werten im MDax der mittelgroßen Unternehmen. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 47 Prozent zu Buche. Vom Rekordtief Mitte März bei 14,80 Euro haben sich die Aktien schon mehr als verdoppelt, sie notieren nun wieder auf dem Niveau von Ende 2024.

Am letzten Handelstag der Woche rückte erneut Delivery Heros südkoreanische Tochter Beamin in den Fokus. Robin Zhu vom US-Analysehaus Bernstein Research lobte die strategische Neuausrichtung von Baemin. Ein verlustreiches Subventionsgeschäft wandle sich hin zu einer disziplinierten Monetarisierung. Baemin könne beim sogenannten Quick Commerce weiter wachsen, also der besonders schnellen Lieferung von Konsumgütern und Lebensmitteln. Obendrein profitiere das südkoreanische Unternehmen überproportional von staatlichen Gutscheinen.

Aus Sicht von Bernstein-Analyst Zhu ist Baemin folglich eine interessante Option bei der derzeit laufenden strategischen Überprüfung von Delivery Hero. Tags zuvor hatte bereits Analyst Jo Barnet-Lamb von der Schweizer Großbank UBS mögliche Verkaufspläne für Baemin zu den aktuell im Raum stehenden Konditionen als positiv bewertet. Im April habe sich der Marktanteil von Baemin zudem weiter stabilisiert.

Jüngst machten Presseberichte die Runde, wonach der Verkaufsprozess für Baemin begonnen hat. Für zusätzlichen Rückenwind sorgte, dass der US-Fahrdienstleister Uber seine Beteiligung an Delivery Hero zuletzt kräftig aufstockte. Uber hält mittlerweile 19,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals von Delivery Hero, sowie weitere 5,6 Prozent in Form von Optionen. Citigroup-Analystin Monique Pollard schrieb schon zur Wochenmitte, dass dieser Schritt den Fokus auf den Baemin-Verkauf noch geschärft habe.

Parallel zur Anteilsaufstockung durch Uber reduziert die niederländische Beteiligungsgesellschaft Prosus ihre Delivery-Hero-Anteile. Dazu hatte sich Prosus aus kartellrechtlichen Gründen im Zuge der Übernahme von Just Eat Takeaway bereit erklärt. Bereits im November hatte Analyst Wolfgang Specht von der Privatbank Berenberg dies mit Blick auf die Aktienüberhang-Situation positiv gewertet.

Zu Beginn der Kursrally Mitte Mai wurde außerdem bekannt, dass Mitgründer und Unternehmenschef Niklas Östberg Delivery Hero nach 15 Jahren bis spätestens 31. März 2027 verlassen wird. Der Aufsichtsrat werde in Kürze mit der Suche nach einem neuen Chef beginnen, der Prozess soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Östberg soll bis dahin in einer Übergangszeit die nächste Phase der strategischen Prüfung des Essenslieferdienstes leiten.

Schon Anfang Dezember 2025 hatte Delivery Hero mitgeteilt, den Verkauf von Unternehmensteilen zu prüfen. Dabei wollte der Konzern auch strategische Partnerschaften und Kapitalmarkttransaktionen für Ländergesellschaften ins Auge fassen. Zudem würden "wertsteigernde Maßnahmen zur Kapitalstruktur und Kapitalallokation" geprüft, hieß es damals. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach Investoren das Management auf Verkäufe von Geschäftsfeldern drängen sollen.

Internationale Nachrichten

GLP-1-Medikamente wie Ozempic könnten Krebsprogressionen verlangsamen

Vier neue Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass beliebte Abnehm- und Diabetesmittel wie Ozempic (Novo Nordisk) und Mounjaro (Eli Lilly) das Fortschreiten verschiedener Krebsarten erheblich verlangsamen könnten. Eine Studie der Cleveland Clinic mit über 10.000 Patienten zeigte, dass sich Lungenkrebs bei GLP-1-Nutzern nur halb so häufig zu einem fortgeschrittenen Stadium entwickelte wie in der Vergleichsgruppe; ähnliche Ergebnisse zeigten sich bei Brust-, Darm- und Leberkrebs. Eine separate Analyse der MD Anderson Cancer Centers mit 137.000 Brustkrebspatientinnen ergab zudem, dass über 95 Prozent der GLP-1-Nutzerinnen nach fünf Jahren noch lebten, gegenüber 89,5 Prozent bei Nichtnutzerinnen – die Studien sind jedoch observationeller Natur und kein klinischer Beweis für eine kausale Wirkung.

Zoom übertrifft Erwartungen und hebt Jahresprognose an

Zoom hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres einen Umsatz von 1,24 Milliarden Dollar erzielt und damit die eigene Prognose übertroffen, angetrieben vor allem durch starkes Wachstum im Unternehmensbereich und rasant steigende Nutzung von KI-Funktionen. Das Management hob daraufhin die Jahresprognose auf einen Umsatz von 5,08 bis 5,09 Milliarden Dollar an und genehmigte zusätzliche Aktienrückkäufe über eine Milliarde Dollar. Als Wachstumstreiber gelten vor allem das KI-gestützte Kontaktcenter-Geschäft sowie neue Funktionen wie „My Notes", die bereits 1,5 Millionen monatliche Nutzer erreicht haben.

BioNTech kündigt wichtige Krebsdaten auf ASCO-Kongress an

BioNTech wird auf dem weltgrößten Onkologie-Kongress ASCO Ende Mai in Chicago neue klinische Daten zu seinen Krebskandidaten Pumitamig und Gotistobart vorstellen. Besonders erwartet werden Ergebnisse aus der Phase-2/3-Studie ROSETTA Lung-02 zu nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie Überlebensdaten aus einer Phase-2-Studie bei platinresistentem Eierstockkrebs. Die Präsentationen sind für BioNTech nach einer Reihe von Rückschlägen und einem deutlichen Kursrückgang von über 17 Prozent im vergangenen Monat besonders wichtig, um das Vertrauen in seine Onkologie-Pipeline zurückzugewinnen.

Richemont übertrifft Erwartungen leicht – Aktie dreht ins Minus

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 etwas mehr Umsatz erzielt als erwartet und laut Analysten von Bernstein erneut solides organisches Wachstum gezeigt. Trotz der leicht über den Erwartungen liegenden Zahlen drehte die Aktie nach anfänglichen Gewinnen ins Minus, da Marktteilnehmer die Aussagen des Managements zur künftigen Entwicklung als wenig konkret bemängelten. Der technisch relevante Widerstand bei rund 165 Franken konnte nicht überwunden werden.

DAX (WKN: 846900)

Enthält Material von dpa-AFX

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen

Warum steigt der DAX zum Wochenabschluss und wie weit kann er noch steigen?

Der DAX profitiert am Freitag von der Erwartung ausbleibender Eskalation im Iran-Konflikt und legt rund 0,6 Prozent zu. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von über drei Prozent. Experten wie LBBW-Stratege Berndt Fernow sehen das weitere Aufwärtspotenzial jedoch begrenzt, da selbst eine konstruktive Lösung des Konflikts schnell von der Betrachtung der entstandenen wirtschaftlichen Schäden abgelöst werden könnte. Der Kampf zwischen Bullen und Bären sei damit noch nicht entschieden.

Was steckt hinter dem starken Kursanstieg der Delivery-Hero-Aktie?

Delivery Hero verzeichnet den zehnten Gewinntag in Folge und hat sich seit dem Rekordtief Mitte März bereits mehr als verdoppelt. Treiber sind vor allem der laufende Verkaufsprozess der südkoreanischen Tochter Baemin, die strategische Neuausrichtung hin zu profitablem Wachstum sowie die deutliche Aufstockung der Beteiligung durch den US-Fahrdienst Uber auf knapp 20 Prozent. Zusätzlich hat Mitgründer und CEO Niklas Östberg seinen Abgang bis spätestens März 2027 angekündigt, was Anleger als Signal für einen Neuanfang werten.

Was bedeuten die neuen GLP-1-Studiendaten für Novo Nordisk und Eli Lilly?

Vier neue Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Abnehm- und Diabetesmittel wie Ozempic und Mounjaro das Fortschreiten verschiedener Krebsarten erheblich verlangsamen könnten. Eine Studie mit über 10.000 Patienten zeigte etwa, dass sich Lungenkrebs bei GLP-1-Nutzern nur halb so häufig zu einem fortgeschrittenen Stadium entwickelte. Die Ergebnisse sind jedoch observationeller Natur und kein klinischer Kausalitätsbeweis – könnten aber mittelfristig das Anwendungsspektrum und damit das Marktpotenzial beider Unternehmen deutlich ausweiten.