"Die Tatsache, dass Jerome Powell an seiner Geldpolitik nicht rütteln will, selbst wenn der Arbeitsmarkt anzuziehen beginnt, sagt eigentlich alles", kommentierte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, die jüngsten Äußerungen des US-Notenbankchefs. Powell sagte, dass die reale Arbeitslosenquote eher bei zehn statt den offiziellen 6,3 Prozent liege. Das Notenbank-Ziel der Vollbeschäftigung liege also noch in weiter Ferne.

Zur positiven Stimmung an den internationalen Aktienmärkten trage außerdem die starke US-Bilanzsaison bei, sagte Anlage-Experte James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Hinzu komme das geplante, knapp zwei Billionen Dollar schwere Corona-Konjunkturpaket des neuen US-Präsidenten Joe Biden.

Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM, wies allerdings darauf hin, dass die Kurse zuletzt recht schnell recht stark gestiegen seien. "Eine Korrektur von fünf oder zehn Prozent ist daher jederzeit möglich. Daher sollte man sich über Gewinnmitnahmen Gedanken machen."

ÖLPREIS UNTER DRUCK - PLATIN UND BITCOIN iM AUFWIND


Rohöl-Anleger machten bereits Kasse und drückten den Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee 0,7 Prozent ins Minus auf 61,04 Dollar je Barrel (159 Liter). Investoren würden von der Realität eingeholt - der schleppenden Nachfrage-Erholung, sagte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad.

Platin setzte seinen Höhenflug dagegen fort und kletterte um gut zwei Prozent auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 1268,88 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). "Der Markt blickt über die Pandemie hinweg und setzt auf eine Erholung der Automobilbranche - die irgendwann kommen wird", sagte Analystin Rhona O'Connell vom Finanzdienstleister StoneX. Darüber hinaus prognostizierte der Edelmetall-Verarbeiter Johnson Matthey, dass die Platin-Nachfrage das Angebot 2021 das dritte Jahr in Folge übersteigen wird.

Parallel dazu stieg der Kurs von Bitcoin um 7,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 48.387,04 Dollar. Ihren aktuellen Schub erhalte die älteste und wichtigste Cyber-Devise von der Ankündigung des Kreditkarten-Anbieters Mastercard, sein Zahlungsnetzwerk für Kryptowährungen zu öffnen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

ANLEGER VON COMMERZBANK ENTTÄUSCHT


Am deutschen Aktienmarkt stand die Commerzbank im Rampenlicht. Nach einem milliardenschweren Verlust will sich das Geldhaus mit einer Rosskur gesundschrumpfen. "Der Umfang der Sparmaßnahmen ist zwar gut für Schlagzeilen, aber längst überfällig", kommentierte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies wies auf die überraschend niedrigen Zinseinkünfte hin und monierte den aus ihrer Sicht zu langsamen Stellenabbau. Commerzbank-Aktien steuerten mit einem Minus von zeitweise fast acht Prozent auf den größten Tagesverlust seit einem knappen Jahr zu.

Besser als erwartet schnitt dagegen Credit Agricole ab. Dies verdanke das französische Geldinstitut vor allem Zuwächsen beim Privatkunden-Geschäft und überraschend niedrigen Rückstellungen für faule Kredite, lobten die Analysten der Bank JPMorgan. Die Papiere der Credit Agricole verteuerten sich um gut drei Prozent.

rtr