Zugleich warfen Investoren aus Furcht vor einer anziehenden Inflation ertragsschwache Staatsanleihen aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf minus 0,238 Prozent, den höchsten Stand seit knapp einem Jahr. Ihre US-Pendants rentierten mit Plus 1,468 Prozent auf einem Zwölf-Monats-Hoch. Steigende Renditen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen.

Finanzwerte profitierten hiervon aber. Zum einen haben Banken und Versicherer Geld in Anleihen angelegt. Zum anderen orientieren sich Kreditzinsen an den Bond-Renditen. Dies hievte die europäischen Indizes für diese Branchen jeweils auf Zwölf-Monats-Hochs.

GOLD AUF TALFAHRT - ÖL UND KUPFER IM AUFWIND


Neben Anleihen geriet auch Gold unter Verkaufsdruck und fiel um 1,3 Prozent auf 1781 Dollar je Feinunze. Das Edelmetall dient zwar häufig als Inflationsschutz. Wegen der Kosten für seine Lagerung wird es für Investoren bei anziehenden Renditen im Vergleich zu Bonds unattraktiver.

Unterdessen ging die Rally bei anderen Rohstoffen weiter. Der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee stieg um bis zu ein Prozent auf 14-Monats-Hoch von 67,70 Dollar je Barrel (159 Liter). Neben den Produktionsausfällen im US-Bundesstaat Texas durch die dortige Kältewelle treibe das Bekenntnis des US-Notenbankchefs Jerome Powell zu einer anhaltend lockeren Geldpolitik die Preise, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Vor diesem Hintergrund stieg der Index der europäischen Öl- und Gasfirmen zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 261,65 Punkte.

Eine Tonne Kupfer war mit 9617 Dollar zeitweise so teuer wie seit neuneinhalb Jahren nicht. Hier träfen Powells Aussagen auf ein knappes Angebot, sagte Rohstoff-Händlerin Anna Stablum vom Brokerhaus Marex Spectron. Dies hievte den europäischen Index Bergbau-Konzerne auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 603,92 Zählern.

BAYER UND ANHEUSER-BUSCH ENTTÄUSCHEN MIT ZAHLEN


Am deutschen Aktienmarkt drückte ein gut zehn Milliarden Euro schwerer Gesamtjahresverlust die Titel von Bayer knapp vier Prozent ins Minus. Grund waren Abschreibungen und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern habe mit seinen Zahlen die Erwartungen nicht erfüllen können, kommentierten die Analysten von Raiffeisen Research. Der Ausblick liege allerdings darüber.

Anheuser-Busch übertraf mit seinem Quartalsergebnis zwar die Prognosen. Die Warnung des weltgrößten Bierbrauers vor Margendruck nehme den soliden Zahlen aber den Glanz, monierte Analyst Edward Mundy von der Investmentbank Jefferies. Seine Kollegen von der Bank JPMorgan wiesen darauf hin, dass der Konzern nur dank Steuergutschriften in Brasilien die Gewinnerwartungen übertroffen habe. Die Papiere des "Beck's"-Brauers fielen in Brüssel um gut fünf Prozent.

Unterdessen ging der Hype um GameStop in eine neuen Runde. Die Aktien des Videospiele-Händlers stiegen im vorbörslichen US-Geschäft um 60 Prozent, nachdem sie ihren Kurs am Mittwoch bereits verdoppelt hatten. Anders als im Januar, als Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung ihrer Wetten auf einen Kursverfall der Papiere zwangen, gebe es aktuell keine Erklärung für den Kurssprung, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die damaligen Kurskapriolen riefen Politik und Börsenaufsicht auf den Plan.

rtr