Die von der Deutschen Börse präsentierten Pläne zum größten DAX-Umbau seit dem Start des Leitindex 1988 sorgen für Diskussionen. Investoren kritisieren insbesondere die geplante Ausweitung des DAX von 30 auf 40 Mitglieder zulasten des Nebenwertesegments MDAX, der von 60 auf 50 schrumpfen soll. Während der DAX dadurch zehn Prozent Marktkapitalisierung, aber kaum an Breite gewinnt, verlöre der bei vielen Anlegern beliebtere und wachstumsstärkere MDAX rund 30 Prozent seines Börsenwerts.

Der MDAX würde weiter geschwächt und Liquidität abgezogen, bemängelte etwa die Fondsgesellschaft DWS. Positiv äußerten sich dagegen Indexexpertin Silke Schlünsen und Jürgen Hackenberg von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Damit würden sich die Indexgewichte der bisherigen Mitglieder verringern", sagte Hackenberg.

Strengere Zugangsregeln


Die Deutsche Börse hatte die Vorschläge Anfang der Woche präsentiert, um sie zur Diskussion zu stellen. Die konkreten Pläne sollen am 23. November vorgestellt und im Frühjahr 2021 umgesetzt werden. Neben der DAX-Erweiterung soll es insbesondere strengere Zugangsregeln geben - eine Reaktion auch auf den Bilanzskandal um Wirecard. So sollen nur nachhaltig profitable Firmen in den DAX aufsteigen können. Voraussetzung wären dann zwei Geschäftsjahre mit positiven Ergebnissen.

Diese Regel hätte dem jüngsten Aufsteiger Delivery Hero den Zugang verwehrt. Zudem soll ein Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat künftig Pflicht sein, ebenso die fristgerechte Vorlage von Zwischenund Jahresberichten, wobei Verstöße mit sofortigem Ausschluss geahndet werden können.

Doch damit nicht genug: Künftig sollen Firmen aus den Auswahlindizes ausgeschlossen sein, deren Umsatz zu mehr als zehn Prozent auf sogenannte kontroverse Waffen entfällt. Finanzkreisen zufolge wäre davon im MDAX allerdings nicht der Panzerbauer Rheinmetall betroffen, sondern der Flugzeughersteller Airbus, dessen Militärflugzeuge mit Nuklearwaffen ausgerüstet werden können.

Auch bei den quantitativen Zugangsregeln sind Änderungen geplant. Wurden dazu bislang Marktkapitalisierung des Streubesitzes und Börsenumsatz herangezogen, so soll künftig nur noch die Marktkapitalisierung des Streubesitzes zählen. Eine weitere Änderung sieht vor, dass eine Notiz im Regulierten Markt Voraussetzung für eine Indexmitgliedschaft sein soll, nicht aber die Zugehörigkeit zum enger gefassten Prime Standard, was mehr Flexibilität bringen soll. Indexexpertin Schlünsen lehnt das jedoch ab. Sie hält eine Notiz im Prime Standard für wichtig, weil nur hier höchste Transparenz gewährleistet sei.

Ein Hauptziel der Reform, dass der DAX die deutsche Wirtschaft besser repräsentieren soll, wäre mit den Reformplänen nur ansatzweise zu erreichen, sagen Kritiker. Die Bedeutung von Auto und Konsum würde zwar sinken, Industrie bliebe aber übergewichtet. Ohnehin dominierende Branchen wie Pharma und Chemie bekämen sogar noch mehr Gewicht.

Umstritten ist jedoch auch das Profitkriterium, da es jungen Wachstumsfirmen den Zugang verwehrt. Schlünsen sieht diese Firmen aber in einem eigenen Index besser aufgehoben. "Erst wenn sie nachhaltig performen, gehören sie in den DAX."