Nach einem schwächeren Start hat der DAX am Dienstag ins Plus gedreht und am Nachmittag seine Gewinne ausgebaut.

In London beriet das Parlament über den Brexit-Deal mit der EU und mehrere Änderungsanträge. Einer davon sieht vor, den offiziellen Austritt Großbritanniens aus der EU zu verschieben, sollten sich die Abgeordneten nicht bis Ende Februar auf eine Scheidungsvereinbarung einigen. Die Regierung könne sich einem solchen Beschluss aber widersetzen, warnte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Das ist zwar nicht üblich, aber wer will beim Brexit noch irgendetwas ausschließen?" Das Pfund Sterling notierte wenige Stunden vor den Abstimmungen kaum verändert bei 1,3168 Dollar und der Euro bröckelte auf 1,1419 Dollar ab.

Zudem rückt die für diese Woche angesetzte neue Gesprächsrunde im Handelsstreit zwischen den USA und China in den Vordergrund. Zuletzt habe man den Eindruck gewonnen, beide Seiten bewegten sich aufeinander zu, sagte Helaba-Analyst Christian Schmidt. Dann habe US-Handelsminister Wilbur Ross die Euphorie mit der Aussage gedämpft, man sei in der China-Frage meilenweit von einer Lösung entfernt.

Besorgniserrgend sei die US-Anklage gegen den chinesischen Netzwerk-Ausrüster Huawei wegen Technologie-Diebstahls und Verstoßes gegen Iran-Sanktionen, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. "Dies wird China sicher missfallen."

So griffen Investoren zu als sicher geltenden Anlagen. Der Goldpreis stieg auf den höchsten Stand seit achteinhalb Monaten bei 1310,73 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Auf Unternehmensseite stand SAP im Fokus. Der Softwareriese blieb mit der Marge hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Prognose wurde am Markt zudem als konservativ gewertet. Angesichts des geplant starken Wachstums bei neueren Geschäftszweigen will SAP zudem einen weiteren Umbau beim Personal in die Wege leiten. Der Konzern werde zum ersten Mal seit 2015 ein unternehmensweites Restrukturierungsprogramm umsetzen, hieß es. SAP werde Mitarbeiter umschulen, auf andere Positionen versetzen und in einigen Fällen auch mit Abfindungen in den Vorruhestand schicken, damit die Firma mit den Veränderungen in der Technologiebranche mithalten könne, sagte SAP-Chef Bill McDermott in Walldorf. Trotzdem soll die Mitarbeiterzahl insgesamt weiter steigen. Der Kurs der SAP-Aktie verlor zeitweise rund drei Prozent.

Was am Dienstag an der Börse sonst noch wichtig war



Siemens Healthineers hinkt Konkurrenten Philips hinterher
Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat einen durchwachsenen Start ins neue Geschäftsjahr erwischt. Während das Hauptgeschäft mit der bildgebenden Diagnostik rund läuft, gerät ausgerechnet der Hoffnungsträger, die Labordiagnostik, ins Stocken. Grund sind Probleme bei der Installation des neuen Systems Atellica. Siemens Healthineers verfehlte so die Ergebniserwartungen der Analysten. Dagegen trumpft der niederländische Konkurrent Philips mit einem starken Wachstum auf und kann auch beim Ergebnis besser abschneiden als erwartet.

Sartorius mit Umsatz- und Gewinnanstieg 2018
Der Laborausrüster hat 2018 dank eines starken Amerika-Geschäfts seinen Umsatz um 13,2 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro gesteigert. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (underlying EBITDA) kletterte um 14,7 Prozent auf 405 Millionen Euro, der maßgebliche Konzernnettogewinn erhöhte sich um 21,9 Prozent auf 175,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Für 2019 rechnet das Management mit einem Anstieg des Konzernumsatzes um etwa sieben bis elf Prozent, die underlying EBITDA-Marge solle sich auf etwas über 27,0 Prozent (2018: 25,9 Prozent) verbessern.

Pfizer gibt zurückhaltende Prognose für 2019
Der Pharmariese Pfizer geht mit Vorsicht in das neue Jahr 2019. Konzernchef Albert Bourla richtet sich dabei womöglich auch auf Umsatz- und Ergebniseinbußen ein. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern die Erlöse vor allem dank noch junger Medikamente moderat ankurbeln können - sie stiegen im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 53,65 Milliarden US-Dollar, wie das Unternehmen am Dienstag in New York mitteilte. Der um zahlreiche Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 3 Dollar nach 2,65 Dollar vor einem Jahr. Damit traf Pfizer die Erwartungen der Analysten.

Siemens Gamesa hält trotz schwachen Starts an Jahreszielen fest
Der Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa blickt dank voller Auftragsbücher optimistisch in die Zukunft. Die Siemens-Tochter äußerte sich bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 zudem zuversichtlich zur künftigen Preisentwicklung am zuletzt stark geschundenen Windkraftmarkt. Trotz eines missglückten Starts hält der Konzern daher an seinen Jahreszielen fest. An der Börse kam das gut an, die Aktie dreht nach einem schwachen Start schnell ins Plus und gewann bis zum Mittag rund 9 Prozent.

Post-It-Hersteller 3M verdient 2018 mehr
Der Hersteller von Klebebändern und Post-it-Zetteln hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn zugelegt. Die Erlöse stiegen um 3,5 Prozent auf 32,8 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis kletterte um 14,1 Prozent auf 10,46 Dollar je Aktie. Der Konzern, dessen Aktien im US-Index S&P 500 gelistet sind, hatte seine Gewinnprognose im Herbst noch zurückgenommen.

US-Mobilfunker Verizon legt bei Umsatz und Gewinn zu
Der größte US-Mobilfunkanbieter hat zum Jahresende 2018 erstmals seit sieben Quartalen mit seinem Umsatz die Erwartungen von Analysten verfehlt. Die Erlöse legten im vierten Quartal um ein Prozent auf 34,28 Milliarden Dollar zu. Von Reuters befragte Experten hatten jedoch mit einem stärkeren Plus auf 34,44 Milliarden Dollar gerechnet. Dank eines Zuwachses von 653.000 Neukunden stieg das Ergebnis je Aktie auf 1,12 Dollar von 0,86 Dollar. Wegen des Netzausbaus auf den 5G-Standard rechnet Verizon in diesem Jahr mit höheren Kosten.

rtr/dpa-AFX/fh