Der Manager des Staatsfonds Singapurs im Interview: "Wir sind von Bayer trotz der Glyphosat-Risiken überzeugt"
· Börse Online Redaktion
UWE KRÜGER: Wir sprechen mit Mittelständlern aus den Bereichen Healthcare und Automatisierung und verfolgen aufmerksam Investitionsmöglichkeiten.
Zudem ist Temasek Großaktionär beim österreichischen Osram-Interessenten AMS. Befürworten Sie diesen Zusammenschluss?
Wir glauben, dass der Zusammenschluss vor allem im Bereich Optoelektronik sinnvoll ist. Als Anteilseigner greifen wir jedoch nicht in die Geschäftspolitik unserer Portfoliounternehmen ein. Das haben wir auch der Gewerkschaft IG Metall klar gemacht, die wollte dass wir intervenieren. Seither ist der Umgang konzilianter geworden.
Der Staatsfonds ist auch zweitgrößter Aktionär beim Chemieriesen Bayer. Sind Ihnen die Rechtsrisiken nicht zu groß?
Das Thema Glyphosat wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Aber das ändert nichts an der Grundstrategie. Vom operativen Geschäftsmodell bleiben wir überzeugt. Unsere Investmentthese zu Bayer ist nach wie vor gültig.
Seit der Gründung 1974 hat Temasek sein Vermögen auf 313 Milliarden Dollar mehr als verzehnfacht, die Durchschnittsrendite liegt bei 15 Prozent. Wie machen Sie das?
Wir investieren langfristig über Konjunkturzyklen hinweg und verfügen über ein sehr differenziertes Portfolio. Während wir mit rund 66 Prozent in Asien verankert sind, macht Europa inzwischen zehn Prozent aus. Attraktive Unternehmen identifizieren wir - etwa bezüglich Kapitalkosten - mittels künstlicher Intelligenz.
Aktuell hält der Fonds mit 50 Milliarden Dollar ungewöhnlich viel Bargeld. Warum?
Das gibt uns Flexibilität. Wir sind im späten Zyklus und sehen Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung: In den USA gehen die Konsumausgaben zurück, China wächst unter sechs Prozent, und auch die deutsche Maschine stottert.
Glauben Sie, ein Staatsfonds würde auch für die EU Sinn machen?
Dazu habe ich keine Meinung, aber Staatsfonds haben Norwegen, Singapur und den Arabischen Emiraten gut getan. Ich sehe nicht, wieso das auf europäischer Ebene nicht funktionieren sollte.
Buchtipp: Winning the Loser's Game
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Autoren: Ellis, Charles D.
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