BÖRSENGANG

Der Teamviewer-Chef im Interview: Warum gehen Sie so hoch verschuldet an die Börse, Oliver Steil?

Der Teamviewer-Chef im Interview: Warum gehen Sie so hoch verschuldet an die Börse, Oliver Steil?

WKN: A2YN90 ISIN: DE000A2YN900 TeamViewer

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16.10.2019 - 08:44
25.09.2019 04:30:00

Die Aktien der schwäbischen Software-Firma Teamviewer werden am kommenden Mittwoch erstmals in Frankfurt gehandelt. Die Emission ist gemessen am Erlös von bis zu 2,3 Milliarden Euro der größte Tech-Börsengang in Frankfurt seit der Jahrtausendwende. Boerse-online.de sprach mit Teamviewer-Vorstandschef Oliver Steil. Von Wolfgang Ehrensberger

Der bisherige Eigentümer, die Private-Equity-Firma Permira, macht beim Teilausstieg Kasse, Teamviewer geht dagegen leer aus. Die gesamte Bewertung gilt als sehr ambitioniert, die Risiken im Geschäftsmodell - Bereitstellen einer internetbasierten Fernwartungs-Software - als hoch. Gleichwohl ist das Unternehmen derzeit gut in einem wachstumsstarken globalen Markt positioniert und mit einer operativen Marge von 50 Prozent hochprofitabel. Die Emission war am ersten Tag der Zeichnungsfrist bereits überzeichnet.

boerse-online.de: Warum haben Sie angesichts der hohen Verschuldung vor dem Börsengang (IPO) keine Kapitalerhöhung gemacht?
Oliver Steil: Teamviewer benötigt kein zusätzliches Kapital. Wir sind hochprofitabel und generieren einen hohen Cash Flow. Daher sind wir in der Lage, sowohl künftiges Wachstum als auch die konsequente Rückführung unserer Verschuldung mit unseren eigenen Mitteln zu finanzieren.



Sie waren zuletzt noch mit 750 Millionen Euro verschuldet, fast dem fünffachen des Vorsteuer-Ergebnisses. Der komplette Erlös des IPO geht aber an den bisherigen Eigentümer, den Finanzinvestor Permira. Warum haben Sie nicht wenigstens einen Teil des IPO-Erlöses davon in die Entschuldung gesteckt?
Wir haben bereits in Vorbereitung auf unseren Börsengang damit begonnen, unsere Finanzverbindlichkeiten konsequent zu reduzieren. Wir sind dabei auf einem sehr guten Weg. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019 wollen wir den Netto-Verschuldungsgrad auf das 3,1-Fache des Vorsteuerergebnisses (Cash-Ebitda) senken - bis zum Ende des Geschäftsjahres 2020 dann auf weniger als das 2,0-Fache. Das ist eine sehr robuste Finanzstruktur.

Warum landet ein Großteil des künftigen Cashflows als Zinsen beim bisherigen Großaktionär, während die Aktionäre keine Dividende erhalten?
Das ist nicht der Fall. Alle Aktionäre werden gleichbehandelt. In der Vergangenheit gab es Gesellschafterdarlehen unseres Großaktionärs. Doch diese wurden in Eigenkapital umgewandelt. Unser hoher Cash Flow verschafft uns grundsätzlich einen attraktiven Handlungsspielraum. Entscheidend ist, wie wir den meisten Wert für unsere Aktionäre generieren können. Aktuell haben wir eine Vielzahl an konkreten Investitionschancen in weiteres Wachstum identifiziert. Das umfasst Produkte für weitere Anwendungsmöglichkeiten von Teamviewer, den Ausbau des Großkunden-Segments und die internationale Expansion, insbesondere in Fernost. Hierauf werden wir uns in den kommenden zwei Jahren konzentrieren. Danach werden wir ergebnisoffen schauen, ob sich weitere lohnenswerte Investitionschancen bieten oder ob wir einen Teil des Cash Flows an alle Aktionäre ausschütten können.

Hat es vor dem IPO ein Übernahmeangebot von anderer Seite gegeben?
Das ist eine Frage, die Ihnen nur unser Eigentümer beantworten kann. Wir im Managementteam von Teamviewer haben uns voll auf das konzentriert, was in unserer Hand liegt. Wir haben die operative Entwicklung vorangetrieben und damit die Basis für einen erfolgreichen Börsengang gelegt.

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Bildquelle: Holger Hill/Teamviewer

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