Die Aktien der Deutschen Bank waren zuletzt gefragt. Am Freitagnachmittag notierte das Papier bei etwa 13,40 Euro - so viel wie zuletzt im März 2018. Angetrieben wurde der Kurs von einer guten Geschäftsentwicklung und Zinsfantasien. Außerdem spielte dem Geldhaus eine Empfehlung des Kepler Chevreux-Analysten Nicolas Payen in die Hände. Er hatte die Papiere der Deutschen Bank als eine wieder zuverlässige und attraktive Investitionsmöglichkeit beschrieben.

Schwarze Zahlen


Erst vor rund einer Woche hatten Aktionäre allen Grund zur Freude: Die einst von Verlusten geplagte Deutsche Bank erzielte 2021 den zweiten Jahresgewinn in Folge und stellte erstmals seit drei Jahren eine Dividende in Aussicht. Die im DAX notierte Aktie gewann zeitweise über sechs Prozent. Unter dem Strich verdiente die Bank 1,94 Milliarden Euro nach 113 Millionen Euro vor Jahresfrist. Die Fortschritte beim Konzernumbau seien eine gute Basis, um 2022 das Renditeziel von acht Prozent zu erreichen. Im vergangenen Jahr waren es 3,8 Prozent. Auch die ersten Wochen im ersten Quartal seien sehr gut gelaufen, so Deutsche Bank-Chef Christian Sewing.

Deutsche Bank stellt Dividende in Aussicht


Erstmals seit 2018 erhalten Aktionäre wieder eine Dividende. Sewing stellte ihnen 20 Cent je Aktie für 2021 in Aussicht. Außerdem will die Bank im ersten Halbjahr 2022 eigene Aktien für 300 Millionen Euro zurückkaufen. Insgesamt würde dies eine Ausschüttung von rund 700 Millionen Euro an die Aktionäre bedeuten. Ziel sei es, im Laufe der Zeit fünf Milliarden Euro an die Anteilseigner auszuschütten. Der Aktienrückkauf solle noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein, teilte das DAX-Unternehmen mit. Aus Sicht der Analysten der US-Bank JP Morgan waren die Zahlen der Deutschen Bank zwar uneinheitlich. Die Bank bewege sich aber in die richtige Richtung.

Konzernumbau unter Christian Sewing


Sewing hatte im April 2018 den Chefposten der Bank übernommen und hatte dem Institut eine grundlegende Neuaufstellung verordnet. In diesem Zuge wurden tausende Stellen abgebaut. Er stutzte das Investmentbanking, aus dem weltweiten Aktienhandel zog sich die Deutsche Bank ganz zurück. Der Plan, die Abhängigkeit des Instituts vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft zu verringern, ist bislang jedoch nicht aufgegangen. Den Konzernumbau sieht Konzernchef Sewing auf der Zielgeraden, wie er Ende Oktober betonte: "Insgesamt haben wir bereits 90 Prozent der erwarteten Belastungen durch die Transformation geschultert und sind auf bestem Weg, die Umbaukosten bis Ende des Jahres fast vollständig verdaut zu haben."

Finanzinvestor Cerberus trennt sich von Deutsche Bank-Aktienpaketen


Was Anleger in den ersten Tagen des neuen Jahres beschäftigte, war die Nachricht zum Finanzinvestor Cerberus. Dieser warf einen Großteil seiner Beteiligungen an der Deutschen Bank und der Commerzbank auf den Markt. Binnen weniger Stunden platzierte Cerberus Teile seiner 2017 erworbenen Aktienpakete bei institutionellen Investoren, wie die mit der Transaktion beauftragte Investmentbank mitteilte. Die Spekulationen auf eine Fusion der Commerzbank und der Deutschen Bank hatten sich nie erfüllt. Cerberus hielt bisher drei Prozent an der Deutschen Bank und fünf Prozent an der Commerzbank. Nach der Platzierung, die dem US-Investor 443 Millionen Euro einbrachte, sinkt seine Deutsche-Bank-Beteiligung auf zwei Prozent und die an der Commerzbank auf drei Prozent. Das dürfte nicht der letzte Schritt sein: Der beauftragten Bank zufolge legt sich Cerberus nur auf eine Frist von 45 Tagen fest, in denen er keine weiteren Aktienpakete beider Banken auf den Markt werfen will. Für die Aktienkurse der beiden Institute ging es daraufhin nach unten.

Deutsche Bank-Tochter im Blick der EZB-Bankenaufsicht


Bewegung gab es kürzlich außerdem bei der Deutsche Bank-Tochter DWS. Einem Insider zufolge nehme die EZB-Bankenaufsicht die Unternehmensführung der Fondsgesellschaft unter die Lupe. Im Fokus sollen Corporate-Governance-Fragen stehen, so ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. In Medienberichten war DWS-Vorstandschef Asoka Wöhrmann in den vergangenen Tagen Fehlverhalten im Zusammenhang mit Standards der Unternehmensführung vorgeworfen worden. Die DWS, die Deutsche Bank und die EZB lehnten eine Stellungnahme ab. Im vergangenen Jahr war die DWS außerdem wegen Anschuldigungen, zu leichtfertig mit den Kriterien für "grüne" Investments umzugehen und sogenanntes "Greenwashing" zu betreiben, in die Schlagzeilen gekommen. Die DWS hatte diese Vorwürfe stets zurückgewiesen.

DWS mit Rekordgewinn


Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank-Tochter einen Rekordgewinn von über einer Milliarde Euro eingefahren. Die im SDax notierte Fondsgesellschaft steigerte ihren bereinigten Vorsteuergewinn um 43 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Wie die DWS mitteilte, wurde die Entwicklung getrieben durch ein Plus bei den Erträgen von 22 Prozent auf 2,72 Milliarden Euro. Vor allem höhere Managementgebühren aufgrund eines Rekordwerts beim Nettomittelaufkommen trugen zu dem Ergebnis bei. Besonders gefragt waren demnach ESG-Produkte, die 40 Prozent der gesamten Nettomittelzuflüsse von 47,7 Milliarden Euro ausmachten. In dem Bereich will die DWS auch künftig weiter wachsen. Die Firma stellte für 2021 eine gut zehn Prozent höhere Dividende in Aussicht. Die Gesellschaft ist zu rund 80 Prozent im Besitz der Deutschen Bank, die am Donnerstag für 2021 das zweite Jahr in Folge einen Nettogewinn auswies.

So geht es weiter


Das nächste wichtige Datum für die Deutsche Bank dürfte der 10. März sein. Dann will das Institut Investoren informieren, wie es nach 2022 weiter gehen soll und wie das Geldhaus in Sachen Profitabilität weiter zulegen könnte. Geplant sei eine Evolution der bestehenden Strategie, sagte Sewing. Fusionen und Übernahmen seien nicht in seinem Kopf für 2022. Sollte es aber einzelne Gelegenheiten geben, etwa im Asset Management, werde die Bank nicht blind daran vorbeilaufen.

Einschätzung zur Deutsche Bank-Aktie


Seit dem Corona-Crash, bei dem die Aktie der Deutschen Bank auf etwa 4,45 Euro abrutschte, hat sich das Papier wieder etwas berappelt kletterte Mitte Januar 2022 zwischenzeitlich auf 12,50 Euro. Mit den jüngsten Marktturbulenzen ließ allerdings auch das Deutsche-Bank-Papier zuletzt wieder Federn. Insgesamt wird die Deutsche Bank an der Börse derzeit mit rund 23 Milliarden Euro bewertet.

Die Erträge der Deutschen Bank wurden 2021 aus allen Sparten der Bank gespeist. Die Bonitätseinstufung hat sich verbessert und erleichtert das Geschäft. Die Kreditrisiken sind spürbar zurückgegangen. Nicht zuletzt verbessert sich das Zinsumfeld in den USA und in Teilen Osteuropas deutlich. Im Euroraum wird es zumindest nicht schlechter. Das alles spricht für eine positive Entwicklung der Bank auch im Geschäftsjahr 2022. Eine positive Nachrichtig sind außerdem die geplanten Ausschüttungen an die Aktionäre sowie der geplante Aktienrückkauf. Die Aktie bleibt, auch wenn sie sich schon gut entwickelt hat, ein Kauf.

iw/rtr/dpa-AFX