Der Markt beginnt zunehmend wieder die Investmentargumente des Maschinen- und Anlagenbauers einzupreisen. Das Aufwärtspotenzial ist noch erheblich.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Mai in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 21/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Der Kurs von Koenig & Bauer hat in den vergangenen Monaten erheblich nachgegeben. Vom Herbst letzten bis ins erste Quartal dieses Jahres verlor die Aktie gut ein Drittel ihres Werts. Der Rückgang ist zum Teil auf eine operative Schwäche, vor allem aber auf das Zusammenspiel mehrerer exogener Belastungen zurückzuführen.
Die bedeutendste war sicherlich die US-Handelspolitik mit ihren unberechenbaren Zollregimen, die Investitionsentscheidungen bei Druckereikunden auf breiter Front verzögerte. Dazu gesellten sich geopolitische Spannungen im Nahen Osten mit spürbaren Folgen für Lieferketten und Energiekosten. Strukturell wirkten überdies Basiseffekte nach. So hatte beispielsweise das margenstarke Banknoten-
Großprojektgeschäft 2024 im Windschatten der Weltleitmesse Drupa außergewöhnlich hohe Auftragsvolumina verbucht. Die Normalisierung im Folgejahr traf die gestiegene Erwartungshaltung des Markts empfindlich. Das Segment Packaging & Print geriet zusätzlich unter operativen Druck, und die angekündigte Stilllegung des Standorts Albert-Frankenthal zum Mai dieses Jahres schlug ebenfalls auf die Stimmung. Letztere ist dabei ein Restrukturierungsschritt, der mittelfristig Kosten senkt.
Die Kurserholung der letzten Wochen zeigt nun, dass der Markt wieder verstärkt die Investmentargumente bei Koenig & Bauer wahrnimmt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern trotz schwieriger Makrolage einen Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden Euro und steigerte das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern um mehr als 21 Millionen Euro. Das Effizienzprogramm „Spotlight“ entfaltet messbare Wirkung. Der Auftragsbestand lag zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres bei rund einer Milliarde Euro, das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz von 1,14 signalisiert eine solide Auslastung. Das Segment Security & Technology gewinnt an Profil und bietet überdurchschnittliche Margenqualität. Auch der Free Cashflow war im Gesamtjahr 2025 positiv. Die Prognose für 2026, Konzernumsatz rund 1,3 Milliarden Euro, operatives Ebitda rund 80 Millionen Euro, scheint konservativ formuliert und lässt Raum für Überraschungen. Nach den Zahlen für das erste Quartal vergangene Woche nahm der Titel wieder Kurs auf die Zehn-Euro-Marke.
Fazit
Auf dem aktuellen Niveau wird Koenig & Bauer unterhalb des Niveaus vergleichbarer Maschinenbau- und Printing Peers gehandelt. Anleger finden hier, bei aller Zyklik, eine klare Diskrepanz zwischen Marktpreis und fundamentalem Wert und damit deutliches Aufwärtspotenzial.