Die Deutsche Bank schlägt ein neues Kapitel in ihrer 145-jährigen Geschichte auf. Nach monatelangen Beratungen soll an diesem Freitag die Entscheidung über die künftige Strategie fallen. Alles deutet auf einen Verkauf der Postbank und eine deutliche Schrumpfkur hin.

Immer wieder hat die Deutsche Bank die richtige Balance gesucht zwischen Privatkundengeschäft und Investmentbanking. Ein Überblick über die Weichenstellungen seit Gründung des Instituts - und welche davon wieder rückgängig gemacht wurden:

Auf Seite 2: 1870 bis 1932



DIE ANFÄNGE: 1870 BIS 1886

Gründung der Deutschen Bank in Berlin durch den Privatbankier Adelbert Delbrück und den Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: "Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten."

Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886.

ERSTE KONSOLIDIERUNG: 1929 BIS 1932

Die Deutsche Bank schließt sich 1929 mit der Konkurrentin Disconto-Gesellschaft zusammen. Acht Jahre lang firmiert das fusionierte Geldhaus unter dem Doppelnamen Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, danach wieder unter Deutsche Bank.

Auf Seite 3: 1947 bis 2007



WIEDERAUFBAU UND NEUORIENTIERUNG: 1947 BIS 1957

Nach Kriegsende wird die Deutsche Bank in den westlichen Besatzungszonen in zehn Regionalinstitute aufgespalten. Erst nach Gründung der Bundesrepublik werden die Einzelteile wieder zusammengesetzt. 1957 entsteht die Deutsche Bank AG mit Sitz in Frankfurt.

EXPANSION UND INTERNATIONALISIERUNG: ab 1959

Einstieg ins Privatkundengeschäft auf breiter Basis mit der Einführung von Kleinkrediten. Es entstehen die ersten Filialen im europäischen Ausland (Italien, Spanien).

1979 beginnt mit der Eröffnung einer Filiale in New York die Präsenz der Deutschen Bank in den USA unter eigenem Namen.

1989 markiert die Übernahme der britischen Investmentbank Morgan Grenfell den Startschuss der Expansion im internationalen Kapitalmarktgeschäft.

1999 schluckt die Deutsche Bank die New Yorker Investmentbank Bankers Trust. Das soll die Tür für einen breiteren Einstieg in den US-Markt öffnen.

Auf dem Heimatmarkt wird derweil das Geschäft mit einfachen Privatkunden in die "Deutsche Bank 24" (DB 24) ausgegliedert. Sie geht mit 17.500 Mitarbeitern, 6,8 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von 43 Milliarden Euro an den Start und soll das Filialgeschäft mit dem Online-Banking verzahnen. Die Deutsche Bank liebäugelt damit, die Gesellschaft ganz oder teilweise über die Börse zu verkaufen. Die Deutsche Bank selbst will sich auf das gehobene Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung sowie das Firmenkundengeschäft und Investmentbanking fokussieren.

2000: Der Plan, mit der Dresdner Bank zu fusionieren, um die Kräfte im Investmentbanking zu bündeln, scheitert. Die Gespräche platzen wegen Meinungsverschiedenheiten über die künftige Machtaufteilung.

2002: Die DB 24 wird wieder beerdigt. Viele fühlten sich als Kunden zweiter Klasse aussortiert. Die Bank hat das Einlagengeschäft als wichtige Refinanzierungsquelle wieder entdeckt und will ihm eine prominente Rolle geben. Das Geschäft mit Privatkunden wird neu sortiert: Im Herbst geht die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG an den Start, darin geht die DB 24 auf. Parallel dazu läuft der Ausbau der Vermögensverwaltung - auch über Zukäufe.

2006: Das Privatkundengeschäft wird durch die Übernahme der Berliner Bank und der Norisbank gestärkt.

2007: Start des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank in China. Der Anteil an der chinesischen Hua Xia Bank wird nach und nach auf knapp 20 Prozent erhöht.

Auf Seite 4: 2010 bis heute



NACH DER LEHMAN-PLEITE: 2010 bis heute

2010: Übernahme der Postbank und der kriselnden Privatbank Sal. Oppenheim. Die Postbank wird ganz auf das Massengeschäft mit Kleinsparern und kleineren Firmen ausgerichtet und soll technisch in das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank integriert werden. Das Kölner Institut Sal. Oppenheim wird Teil der Vermögensverwaltung und verfolgt kurz darauf einen radikalen Sanierungs- und Sparkurs.

2011: Die Bank stellt Teile ihrer Vermögensverwaltung zum Verkauf. Die lukrative Publikumsfondsgesellschaft DWS ist davon ausgenommen.

2012: Die Bank erklärt, die Vermögensverwaltung bleibe doch zentraler Bestandteil des Konzerns. Ihre Einzelteile sollen zu einer Einheit (Deutsche Asset and Wealth Management) werden und Synergien mit dem Investmentbanking heben. Im Privatkundengeschäft werden die Norisbank-Filialen in die Postbank eingegliedert. Die Norisbank soll fortan eine reine Online-Bank sein.

2015: Die Deutsche Bank spielt im Rahmen ihrer Strategiedebatte mehrere Modelle durch. Zur Wahl stehen am Ende noch zwei Modelle: Eine Komplettabspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts oder ein Verkauf nur der Postbank. Letzteres Szenario gilt als das wahrscheinliche.

Reuters