Die Aktien der Deutschen Telekom sind beliebt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass der Titel regelmäßig zu den meist gehandelten Inlandsaktien zählt. Außerdem ist der Wert fester Bestandteil in der Liste mit den meistgesuchten Aktien auf BÖRSE ONLINE:

Allerdings geht das rege Interesse leider nicht immer mit einer überdurchschnittlich guten Performance einher. Auch in diesem Jahr hinkte die T-Aktie dem DAX, dem sie angehört, in Sachen Wertentwicklung hinterher.

Das ist insbesondere auch deshalb ernüchternd, weil bei dem Konzern, der nach der Fusion der Mobilfunktochter T-Mobile US mit Sprint zu den weltweit führenden integrierten Telekommunikationsunternehmen, eine gute Neunmonats-Zwischenbilanz mit der dritten Anhebung der Jahresprognose einherging. Den aktuell gültigen Vorgaben zufolge soll der freie Cashflow im Gesamtjahr 8,5 Milliarden Euro betragen, nachdem zuletzt 8,3 Milliarden Euro und ursprünglich 8,0 Milliarden Euro angepeilt waren.

Gute ESG-Noten von S&P Global


Auf der Suche nach einer Begründung, warum der Aktienkurs trotzdem nicht sonderlich gut läuft, kommt auch ein Blick auf die ESG-Bilanz eine wachsende Bedeutung zu. Schließlich orientieren sich immer mehr Anleger bei ihren Investmententscheidungen auch mit daran, was ein potenzielles Anlageobjekt in Sachen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance) zu bieten hat.

Geht es nach S&P Global, dann steht das Unternehmen in dieser Hinsicht gut da. Denn wie die beiden folgenden Grafiken zeigen, ergibt sich ein ESG-Score von 90, was bei maximal möglichen 100 Punkten ein sehr passables Abschneiden ist. Bei den drei Unterpunkten steht man bei Umwelt und Soziales auch im Branchenvergleich sogar sehr gut da. Verbesserungsbedarf gibt es zumindest gemessen an den Besten der Industrie in Punkto Unternehmensführung.

Was die vom Nachhaltigkeits-Spezialisten Sustainalytics ermittelten ESG-Risiko-Ratings angeht, welche die Exposition eines Unternehmens gegenüber branchenspezifischen wesentlichen ESG-Risiken messen und wie gut ein Unternehmen diese Risiken steuert, ergibt sich ein niedriger und somit vorteilhafter Wert von 16,8. Innerhalb der Telekom-Dienstleister belegt man damit immerhin Platz 11 unter 231 Unternehmen. Im globalen Vergleich aller beobachteten Gesellschaft reicht es immerhin zu Rang 1.946 unter 15.085 Unternehmen.

Klar formulierte Strategie


Bei der Strategie bezüglich der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility) hat man sich intern die nachfolgenden Handlungsfelder ausgeguckt. Als Fokusthemen haben die Verantwortlichen zudem Datensicherheit und Datenschutz, Digitalisierung, nachhaltige Lieferkette, Menschenrechte, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenentkopplung sowie verantwortungsvoller Arbeitgeber definiert.

Für Vorstandschef Timotheus Höttges ist die Deutsche Telekom mehr als irgendein Unternehmen, das die Gesellschaft mit Infrastruktur versorgt. Aus seiner Sicht lautet der Auftrag an den von ihm geführten Konzern, das Leben der Menschen nachhaltig zu vereinfachen und zu bereichern.

Zur Steuerung der eigenen Leistung finden seit 2009 konzernweit die so genannten ESG (Environment, Social, Governance) KPI (Key Performance Indicator) Verwendung. Diese sollen zu systematischen und kontinuierlichen Verbesserungen beitragen. So gibt es den Angaben zufolge beispielsweise Kennzahlen zum Energieverbrauch und zu Emissionen im Bereich Umwelt, zum Nachhaltigkeitsengagement in der Lieferkette oder auch zu den gesellschaftlichen Aktivitäten.

Das Unternehmen unterstützt die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen). Die Aktie ist auch in einigen wichtigen Nachhaltigkeitsindizes vertreten.

MSCI sieht bei ESG-Aufholbedarf


Trotz aller dieser Aktivitäten gibt es aber auch noch Verbesserungsbedarf. Zumindest signalisiert dies das Ergebnis beim ESG-Rating von MSCI. Dieses zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens gegenüber langfristigen, finanziell relevanten ESG-Risiken zu messen. Der Finanzdienstleister nutzt dabei künstliche Intelligenz und alternative Daten, um dynamische anlagerelevante Erkenntnisse zu liefern.

Die Ratings reichen von führend (AAA, AA) über durchschnittlich (A, BBB, BB) bis hin zu rückständig (B, CCC). Und dem Ergebnis zufolge ist die Deutsche Telekom nur Durchschnitt unter 73 Unternehmen in der Telekommunikationsdienstleistungsbranche.

Geht es nach MSCI, hat die Deutsche Telekom folglich in Sachen ESG durchaus noch einige Hausaufgaben zu machen, sofern man in dieser Hinsicht zur Spitze zählen will. Der Wille dazu ist auf Vorstandsebene aber eindeutig vorhanden. Als Kursbremse ist die betriebene ESG-Politik jedenfalls bestimmt nicht einzustufen.

Vorteilhafte Bewertung - Chartampel könnte umspringen


Für die T-Aktie spricht aber rein theoretisch insbesondere die Bewertung - unter der Voraussetzung natürlich, dass die selbstgesteckten Ziele aufgehen und die Analysten mit ihren Schätzungen richtig liegen. Der Konsens sieht den Gewinn je Aktie jedenfalls von 2020 bis 2024 von 1.20 Euro auf 1,68 Euro steigen. Auf letztgenannter Basis ergibt sich damit ein geschätztes KGV von knapp zehn. Das ist sehr moderat.

Die Gesellschaft hat außerdem für das Geschäftsjahr 2021 eine Anhebung der Dividende auf 0,64 Euro je Aktie von 0,60 Euro für das Geschäftsjahr 2020 in Aussicht gestellt. Der Analystenkonsens rechnet damit, dass es mit den Zahlungen bis 2024 bis auf 0,82 Euro je Anteilsschein nach oben geht. So gesehen ist der Titel auch als ein solider Dividendenbringer einzustufen.

Auch aufgrund der skizzierten Bewertungsrelationen sieht die BÖRSE ONLINE-Redaktion in der T-Aktien einen Kauf. Das Kursziel beträgt 21,50 Euro und der Stopp-Loss-Kurs 13,50 Euro. Als Bremsklotz erwies sich jedoch bisher das Chartbild. Denn der Wert steckt tief drin in einem im Jahr 2015 aufgenommenen Seitwärtstrend.

Kurzfristig betrachtet gibt es aber auch bei der Charttechnik etwas Hoffnung. Zu verdanken ist das den im Dezember verbuchten Kursgewinnen. Denn dadurch ist es gelungen, den seit Mitte August ausbildeten Abwärtstrend zu knacken. Mal sehen, was der Titel im kommenden Jahr aus dieser Steilvorlage macht.