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Disruptive Champions: Wie Anleger diese lukrativen Unternehmen finden

Disruptive Champions: Wie Anleger diese lukrativen Unternehmen finden

WKN: 870737 ISIN: FI0009000681 Nokia Oyj (Nokia Corp.)

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21.02.2020 - 19:08
13.02.2020 04:15:00

Für Anleger ist es reizvoll und lukrativ, möglichst früh auf Unternehmen zu setzen, die durch ihr disruptives Geschäftsmodell ganze Märkte verändern. Gastautor Mark Baribeau erklärt, wie er solche künftigen Champions aufspürt

Wenngleich der Begriff "Disruption" zweifellos eines der aktuell am häufigsten verwendeten Schlagworte in der Investmentwelt ist, so ist es dennoch kein neues Konzept. Die Geschichte der Finanzmärkte ist übersät mit Unternehmen, deren innovative oder disruptive Ideen bestenfalls angezweifelt, schlimmstenfalls aber verachtet wurden.

Es war jedoch schon immer eine sehr schwierige Aufgabe zu verstehen, welche Innovationen und Disruptionen nachhaltig sind, um den Unternehmen, die dahinterstehen und Veränderungen vorantreiben, einen entsprechenden Wert beizumessen. Auch wenn ein Leben ohne Google heute schwer vorstellbar ist, wird oft vergessen, dass es sehr umstritten war, in den Google-Börsengang im Jahr 2004 zu investieren.

­ Google hatte damals bereits einen Umsatz von etwa drei Milliarden US-Dollar, und dennoch gab es viele Zweifel an der Beständigkeit und dem Wert eines Geschäftsmodells, das auf einer Such­maschine basiert. Seit damals ist der Umsatz von Google unaufhaltsam auf rund 150 Milliarden US-Dollar gestiegen - ein Beispiel dafür, dass Nutzer die Bequemlichkeit und den Wert der Suchmaschine erkennen, Investoren häufig jedoch nicht.

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Tatsächlich geht der Markt oft davon aus, dass disruptive Unternehmen überbewertet sind, was auf eine gewisse Voreingenommenheit hindeutet. Es wird natürlich immer überbewertete Aktien geben. Für Investoren jedoch, die in der Lage sind, eine tiefgreifende Fundamen­talanalyse durchzuführen, und dadurch ein besseres Verständnis für die Dauer und das Ausmaß des Wachstums eines Unternehmens erhalten, bietet es zahlreiche außerordentliche Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen, die an der Spitze dessen stehen, was wir bei PGIM Investments die "Next Economy" nennen.

Erfahrene Investoren, die sich ausschließlich auf diese Unternehmen konzentrieren, werden sie leichter identifizieren können, weil sie deren Geschäftsmodelle besser verstehen und diese letztlich auch genauer bewerten können.

Wie können also Investoren ein überbewertetes disruptives Unternehmen von einem unterscheiden, das eine Branche auf Jahre dominieren wird? Für uns ist der wichtigste Faktor die Nachfrage der Konsumenten. Das Problem ist, dass die meisten Investoren meinen herausfinden zu müssen, welches Produkt oder welche Dienstleistung von verschiedenen Anbietern in einer Branche besser ist - was aus unserer Sicht schlichtweg falsch ist. Es sind die Konsumenten, die darüber entscheiden!

Nicht bessere Technik zählt, sondern der Kundenzuspruch


Die Informationen zu Marktanteilen liefern zudem konkrete Daten darüber, was die Verbraucher aktuell bevor­zugen. Häufig gibt es eindeutige Anzeichen für eine sehr starke Nachfrage. Nicht nur dass die Konsumenten oft förmlich nach einem Produkt oder einer Dienstleistung schreien, auch die Marktanteile fließen in Richtung des möglichen Gewinners. Bing und Yahoo mögen Funktionen gehabt haben, die Google nicht hatte, aber welche Suchmaschine benutzen die Menschen jetzt?

Wenn es heute um das Thema Disruption geht, ist der Automobilinnovator Tesla das wohl umstrittenste Unternehmen. Es ist noch nicht lange her, dass der Markt die Fähigkeit von Tesla, sein Produkt in der Masse zu produzieren, schlichtweg ausschloss. Auch weil es kein Beispiel eines Autoherstellers ohne etablierte Marke oder Vertriebssystem gab, der Marktanteile gewinnen konnte. Wenngleich Tesla zeitweise ­Produktionsschwankungen hatte, so ist die heutige Realität, dass jedes Auto ­verkauft wird, das bei Tesla vom Band läuft.

Tesla ist etablierten Herstellern immer einen Schritt voraus


Der Marktanteil von Tesla wächst rasant, und das Model 3 erlebt eine beispiellose Akzeptanz bei den Konsumenten. Obwohl sich Porsche und Audi bemühen, High-End-Elektrokonkurrenten auf dem Markt zu etablieren, übertrifft Tesla weiterhin alle Neueinsteiger in diesem Segment in Bezug auf Reichweite, Beschleunigung und Funktionen wie den innovativen Autopiloten. Die illustren Konkurrenten bringen Elektrofahrzeuge auf den Markt, die nicht ­einmal mit der 2012er-Version des Tesla Model S mithalten können. Es ist wie ­damals bei Nokia, als die Firma versuchte, mit einem Smartphone ohne Apps auf den Markt zu kommen.

An der Spitze der Disruption lässt sich Marktmacht aufbauen


Tesla ist für uns ein Technologieunternehmen und kein traditioneller Automobilhersteller. Wie konnte also Tesla ohne eine etablierte Marke oder einen Vertriebskanal Konsumenten davon überzeugen, 100.000 US-Dollar oder mehr für ein Fahrzeug zu bezahlen? Das Unternehmen hat es schlichtweg verstanden, dass es, wenn es seinen Konkurrenten einen Schritt voraus sein will, ein beeindruckendes Produkt entwickeln muss, sowohl ästhetisch als auch technologisch, und zudem seinen technologischen Vorsprung kontinuierlich weiterentwickeln muss.

Die Automobilbranche hat auch lange Zeit die Erfolgsaussichten von Tesla abgetan, sprich die Idee, das traditionelle Händlermodell zu umgehen und Autos online zu verkaufen. Die Kunden haben nun jedoch die Wahl zwischen einem herkömmlichen Verkaufsmodell, das oft mit dem Schröpfen des Kunden assoziiert wird, und einer neuen Online­erfahrung. ­Daher ist es völlig verständlich, dass sich die Käufer von einem transparenten Modell angesprochen fühlen, bei dem die üblichen Händlergebühren weg­fallen.

Wenngleich die Investoren vermutlich auch weiterhin mit von Twitter-Ausbrüchen getriebener Volatilität durch den exzentrischen Gründer Elon Musk rechnen müssen (Governance ist ein Thema, das die Größe unserer Position begrenzt), erwarten wir auch weiterhin, dass Tesla seinen Skeptikern die Stirn bieten wird. Tesla ist vielleicht nicht für die gleiche Wachstumsexplosion ausgelegt wie Google in den vergangenen 15 Jahren, dennoch sollten Investoren die enorme Macht jener Unternehmen nicht unterschätzen, die an der Spitze des Zeitalters der Disruption stehen.

Kurzvita

Mark Baribeau
Fondsmanager bei Jennison Associates
Baribeau hat Wirtschaft in Vermont und Maryland studiert. Seit 2011 ist er Senior Portfolio Manager des PGIM ­Jennison Global Equity Opportunity Fonds.
Jennison Associates ist bei der im Jahr 1969 ­gegründeten US-­Anlagegesellschaft PGIM (früher Prudential) für die Aktien­investments zuständig.


Bildquelle: Jennison Global Equity Opportunity Funds

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