Als vor kurzem im südkoreanischen Incheon das Finale der Weltmeisterschaft im Fantasy-Spiel League of Legends (Riot Games) ausgetragen wurde - das europäische Team "Fnatic" zockte gegen das chinesische Team "Invictus Gaming" - waren tausende Zuschauer live im Munhak Stadion dabei. Die WM ist eines der größten und wichtigsten E-Sport-Events. Die meisten Fans verfolgen solche Veranstaltungen aber vor den Bildschirmen: In der Spitze schauten 205 Millionen Menschen das Finale, schreibt das Online-Portal "Esports Charts". Um das einzuordnen: Das WM-Finale im Fußball dieses Jahr in Moskau hatte laut "Eurodata TV" rund 163 Millionen.

E-Sport boomt und ist derzeit einer der wichtigsten Trends der Games-Branche. Der Umsatz mit dem elektronischen Sport vor allem mit Werbung, Medienrechten und Sponsoren soll dieses Jahr laut Marktforscher "Newzoo" weltweit bei rund 900 Millionen US-Dollar liegen, bis 2021 soll er sich auf 1650 Dollar fast verdoppeln. Die Preisgelder für die großen Events steigen: Im vergangenen Jahr lagen sie bei insgesamt gut 112 Millionen Dollar und kletterten zum ersten Mal über die 100-Millionen-Dollar-Marke. "Das macht den Bereich für Spieler immer interessanter," ist sich Florian Kaiser, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Fiduka sicher. Aber auch immer mehr Zuschauer interessieren sich für die Gaming-Wettkämpfe: Dieses Jahr sollen es rund 380 Millionen sein, schreibt Marktforscher "Newzoo".

In Deutschland könnte E-Sport bis 2020, was die Wirtschaftskraft anbelangt, alle Sportarten außer Fußball überholt haben, schätzen Experten. Die klassischen Sportarten sind zum Teil selbst schon beim elektronischen Sport dabei. Fußball-Vereine wie Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg, Manchester City oder Paris Saint-Germain haben zum Beispiel selbst schon eigene E-Sport-Teams. Anfang Dezember will die Deutsche Fußball Liga (DFL) zusammen mit dem US-Spielekonzern Electronic Arts (EA), aus dessen Haus die Fußballsimulationen "Fifa" kommen, eine neue E-Sport-Liga starten. Und Prominente wie der Fußballer Mesut Özil haben sich selbst E-Sport-Teams aufgebaut. Zahlreiche Sponsoren wie DHL, Mastercard oder Intel sind im virtuellen Sport präsent.

Die Gewinner des Booms



Wie Anleger vom E-Sport-Boom profitieren können? "Die wichtigsten Profiteure sind die Spielehersteller", sagt Fondsmanager Kaiser. "Die Hersteller haben als Publisher, also sozusagen Verleger, das Recht, die Spiele zu vermarkten und können so eigene Ligen gründen." Außerdem würden die Spielehersteller davon profitieren, dass die Games durch den E-Sport immer bekannter würden. Zudem spielen insgesamt weltweit immer mehr Menschen, mittlerweile sind es über zwei Milliarden. Dabei spielen auch die populären Handy-Spiele eine wichtige Rolle.

Bei den Geschäftsmodellen der Spielehersteller habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan, sagt Kaiser: "Früher waren die Hersteller sehr abhängig von den Verkaufserlösen ihrer Blockbuster-Spiele in den ersten Wochen nach Veröffentlichung. In kurzer Zeit wurden sehr hohe Umsätze erzielt - bei der aktuellen "Call of Duty"-Version von Activision zum Beispiel mehr als 500 Millionen Dollar in der ersten Woche - danach sanken dann aber die Einnahmen nach kurzer Zeit wieder stark. Das war ein sehr zyklisches Geschäft." Mittlerweile sind sogenannte In-Game-Einnahmen zum Teil schon höher als die Erlöse aus dem reinen Spieleverkauf. Die Folge: Die Einnahmen sind viel beständiger geworden. "Das rechtfertigt auch höhere Bewertungen im Vergleich zu früher." Solche Käufe innerhalb des Spiels, zum Beispiel um neue Funktionen zu bekommen, sind auch beim wichtigen Bereich mobile Spiele sehr bedeutend.

In den letzten Wochen haben die Aktienkurse der großen Spielehersteller wie Activision Blizzard, Electronic Arts oder Tencent aber deutlich gelitten. Die Zukunftsaussichten der Games-Konzerne sehen viele Experten aber nach wie vor positiv. Und da die Aktien der großen Spielekonzerne oft recht hoch bewertet sind, bieten die jüngsten Kursrücksetzer für längerfristig orientiere Anleger jetzt gute Chancen, um einzusteigen.

Fiduka-Anlageexperte Florian Kaiser sieht die jetzt besonders bei den US-Konzernen Activision Blizzard und dem "Fifa"-Entwickler EA, sowie beim chinesischen Tech-Riesen Tencent.

Auf Seite 2: Empfehlungen der Redaktion





Activision Blizzard-Aktie



Der Kurs der Aktie hat zuletzt kräftig nachgegeben. "Etwas übertrieben", findet Fondsmanager Kaiser. Seit Anfang Oktober ist das Papier um rund 36 Prozent eingebrochen. Zuletzt drückten vor allem sinkende Nutzerzahlen auf den Kurs, zuvor hatte unter anderem der Verkaufsstart des Shooterspiels "Call of Duty: Black Ops 4" Analysten enttäuscht. Doch: Das Unternehmen sei etwa mit der Liga rund um sein Shooter-Spiel Overwatch im E-Sport sehr gut aufgestellt, meint Kaiser. Die startete im Januar diesen Jahres, das Spiel hat mehr als 40 Millionen Spieler weltweit. Für die Übertragungsrechte der ersten und zweiten Saison zahlte Amazons Streaming-Plattform "Twitch" rund 90 Millionen US-Dollar. Im Sommer schloss der US-Konzern zudem mit dem Sender ESPN einen mehrjährigen Vertrag, um die Liga live ausstrahlen zu dürfen. "Auch bei den immer wichtiger werdenden In-Game-Verkäufen ist Activision gut positioniert," sagt der Investmentexperte.

Der jüngste Kursrücksetzer drückte die Aktie unter unseren Stoppkurs. Wir halten das Papier weiterhin für aussichtsreich.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 70,00 Euro
Stoppkurs: 35,00 Euro

Electronic Arts-Aktie



Bei den Papieren von Activision-Konkurrent EA ging es seit Anfang Oktober um etwa 25 Prozent nach unten. Im Sommer hatte unter anderem schon der verschobene Verkaufsstart für das Spiel "Battlefield V" auf November für Unmut bei Anlegern gesorgt, ebenso eine Kontroverse um bestimmte In-Game-Verkäufe. Zuletzt sorgte ein Ausblick, der unter den Erwartungen von Analysten lag, für fallende Kurse. Aber: Auch EA sei bei den In-Game-Verkäufen sehr gut aufgestellt, meint Kaiser. Die gibt’s zum Beispiel bei der Fußball-Simulation "Fifa". Die spielt auch im E-Sport eine wichtige Rolle, mit dem Fifa eWorldCup gibt es dafür auch eine eigene Weltmeisterschaft. Mehr als 20 Millionen Spieler weltweit haben dieses Jahr an der Qualifikation teilgenommen. Im kommenden Jahr soll es, gemeinsam mit der UEFA, außerdem eine eChampions League geben. Auch andere Sportspiele wie "Madden NFL" (American Football) oder "NBA" (Basketball) kommen von EA.

Durch die jüngste Talfahrt der Aktie wurde unser Stoppkurs durchbrochen. Wir finden die Aktie weiterhin attraktiv.

Empfehlung: Kaufen
Ziel: 115 Euro
Stopp: 53,50 Euro

Tencent-Aktie



Der chinesische Technologieriese Tencent hat verschiedene Geschäftsbereiche, die Umsätze mit Spielen machen aber einen großen Teil aus. Zum Internetkonzern gehört zum Beispiel Spieleentwickler Riot Games mit League of Legends, einem der absoluten Top-Spiele im E-Sport. "Mit League of Legends gehört Tencent außerdem die größte E-Sport-Liga weltweit," sagt Fondsmanager Kaiser. Die Chinesen halten außerdem knapp die Hälfte an Epic Games, das etwa mit dem Survival-Spiel Fortnite ein sehr bekanntes Spiel im Portfolio hat. Bei den restlichen Geschäftsbereichen von Tencent, zu dem etwa die App Wechat mit über einer Milliarde Nutzern gehört, sehe es ebenfalls sehr gut aus, meint Kaiser. Zuletzt drückte vor allem die Blockade der chinesischen Regierung bei der Lizenzvergabe für Online-Spiele auf den Kurs der Aktie - seit Jahresanfang gab er um fast 30 Prozent nach.

Wir bleiben erstmal vorsichtig, wie es mit der Vergabe der Spielelizenzen in China weitergeht und belassen das Papier auf der Halteposition.

Empfehlung: Beobachten
Ziel: 45 Euro
Stopp: 28 Euro