Der Hollywood-­Schauspieler Ryan Reynolds investiert in Spirituosen, Sport und Fintechs und ist selbst sein bester Markenbotschafter. Mit dieser Strategie verdient er mitlerweile weit mehr als mit seinen Filmen

Der Schauspieler Ryan Reynolds sitzt im Mai dieses Jahres für ein Interview vor Tausenden von Leuten auf einer Bühne. Plötzlich klingelt sein Handy. Er geht dran, denn es ist seine jüngste Tochter, die ihm mitteilt, sie habe soeben einen Milchzahn verloren. Das Publikum applaudiert, Ryan gratuliert, behauptet dann aber mit einem Grinsen im Gesicht, dass die Verbindung gleich abbrechen würde, weil er in einen Tunnel fahre, und legt schnell auf: Back to business. Eine kurze Szene, die den 48-Jährigen gleich in mehreren unterschiedlichen und doch authentischen Rollen zeigt: als Schauspieler, Familienmensch und als Geschäftsmann. Die meisten Anwesenden kennen ihn zwar aus dem Kino, doch der vierfache Vater bewirbt an diesem Tag nicht seinen neuesten Film, sondern wurde aufgrund seines Talents und Erfolgs als Investor eingeladen. Reynolds Vermögen wird derzeit auf etwa 330 Millionen Dollar geschätzt, wobei die Gagen aus dem Filmgeschäft, sei es als Schauspieler oder Produzent, davon nur einen kleinen Teil ausmachen. Wie viele seiner Hollywood-Kollegen besitzt auch er lukrative Werbeverträge, doch es sind vor allem Unternehmen, in die Reynolds selbst investiert, von denen er profitiert.

Dickes Geschäft mit T-Mobile US

Seine Investorenkarriere beginnt 2018 mit einer 25-Prozent-Beteiligung an Mint Mobile. Das amerikanische Start-up hat das Ziel, mit günstigen Prepaid-Mobilfunk­tarifen den großen Telekommunikations­unternehmen Konkurrenz zu machen. Das funktioniert so gut, dass fünf Jahre später T-Mobile US umgerechnet 1,35 Milliarden Dollar für die Übernahme von Mint Mobile bezahlt. Ein Deal, der allein rund 300 Millionen Dollar in Reynolds Kasse spült und sein Gespür fürs Geschäft und fürs Marketing zeigt. Denn Reynolds investiert nicht nur, er macht als Werbebotschafter das jeweilige Unternehmen erst so richtig bekannt — und das auf eine humorvolle und schlagfertige Art, gern in Kombination mit einem ironisch-sarkastischen Unterton. Die Verbraucher wüssten schließlich, so sagte er einmal, dass Werbung sie beeinflussen wolle. Deshalb könne man das als Marke auch ruhig zugeben und scherzhaft thematisieren, solange man die Intelligenz des Publikums respektiere.

Ich möchte der Architekt meines eigenen Untergangs oder aber der Autor meines eigenen Erfolgs seins.“

Ryan Reynolds

Gin an Diageo verkauft

Ebenfalls 2018 steckt Reynolds eine substanzielle Summe in Aviation Gin, eine Spirituosenmarke, die in Oregons Bundeshauptstadt Portland produziert wird. Auch hier ist Reynolds aktiver Bestandteil der Vermarktungsstrategie und kreativer Mitgestalter des Unternehmens. Zwei Jahre später wird Aviation Gin für rund 610 Millionen Dollar an den globalen Getränkekonzern Diageo verkauft. Knapp die Hälfte des Betrags wird ihm und den anderen Beteiligten sofort ausgezahlt, der Rest ist an den zukünftigen Erfolg der Marke gekoppelt. Die Kaufvereinbarung sieht vor, dass Reynolds mindestens weitere zehn Jahre als Markenbotschafter fungiert. Ob Werbespots oder Social-Media-­Kampagnen: Alle ­Marketingaktionen beruhen auf seinen eigenen Ideen, was ihn zu einer überzeugenden Identifikations­figur macht.

Hinter all den Investitionen steckt natürlich eine Strategie, die Reynolds mit maximalem Einsatz plant. Seine Produktions- und Marketingfirma heißt nicht zufällig Maximum Effort. Die Arbeit, die dahintersteckt, erscheint mühelos, was daran liegen mag, dass es Reynolds versteht, Geschichten zu erzählen und die Menschen zu unterhalten.

Seine erste Fernsehrolle hat der gebürtige Kanadier als Teenager in der kanadischen Jugendserie „Hillside“. Danach verhilft ihm die TV-Serie „Two Guys and a Girl“ zum Durchbruch in den USA. Er wechselt zum Film und spielt zunächst in romantischen Komödien, bevor er 2004 an der Seite von Wesley Snipes in „Blade: Trinity“ erstmals als Actionheld auftritt. Es folgen einige mehr oder weniger erfolgreiche Kinofilme wie „Safe House“ und „Green Lantern“. Der Superheldenfilm „Deadpool“ wird 2016 zum weltweiten Kassenschlager und macht Reynolds in der Titelrolle zu einem Publikums­magneten. Dass es zu diesem Erfolg kommen kann, liegt daran, dass Reynolds den Film selbst produziert und zugunsten des Projekts auf seine Gage verzichtet. Der Erfolg gibt ihm recht. Nachdem der erste Teil 783 Millionen Dollar einspielt, folgt 2018 „Deadpool 2“ mit einem ähnlich guten Ergebnis. Für den dritten Teil „Deadpool & Wolverine“ steht Reynolds 2024 mit Kollege Hugh Jackman in dessen Paraderolle aus dem X-Men-Franchise vor der Kamera. Die Produktion ist die bisher umsatzstärkste, mit einem „R-Rating“ belegte Comicverfilmung aller Zeiten.

Wettkampf und schnelle Autos

Auch wenn die Zahlen für ihn sprechen, ein Finanzgenie ist Ryan Reynolds nach eigener Aussage überhaupt nicht. Es sind andere, emotionalere Gründe, warum er sein Geld investiert. Im Bereich der kritischen Infrastruktur unterstützt er kanadische Firmen, wie etwa das Fintech-Unternehmen Nuvei, das internationale Zahlungsabwicklungen und E-Commerce-Lösungen anbietet, ebenso wie den Passwortmanager 1Password des ­kanadischen Unternehmens AgileBits Inc., mit dem sich sensible digitale Daten verschlüsseln lassen.

Ryan Reynolds wäre jedoch kein Holly­woodstar, würde er nicht auch Spaß am großen Auftritt, am sportlichen Wettkampf und an schnellen Autos haben. 2020 kauft er mit seinem Freund Rob McElhenney für rund 2,3 Millionen Euro den walisischen Fußballverein Wrexham AFC. Der drittälteste Klub der Welt spielt zu dem Zeitpunkt in der fünften britischen Liga und ist in einer desolaten finanziellen Lage. Dank der prominenten Unterstützung kann der Verein seinen Wert in wenigen Jahren vervielfachen, sich sportlich verbessern und bis in die zweite Liga aufsteigen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Dokureihe „Welcome to Wrexham“, in der Reynolds und McElhen­ney die Übernahme, Entwicklung und lange Geschichte des Vereins beleuchten.

2023 beteiligt er sich zusammen mit ­anderen Prominenten an Alpine, dem Formel-1-Team von Renault, ein Jahr später gewinnt ihn Schauspielkollegin Eva Longo­ria dafür, in den mexikanischen Fußballklub Necaxa zu investieren. Zudem ist er Miteigentümer für ein Team des SailGP, einem weltweiten Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitssegeln. 

3225_Investoren_02
Xavier Collin/Image Press Agency/Photoshot/picture alliance/dpa, Photoshot/picture alliance, GRANT DOWN/AFP/Getty Images, David Sundberg/Courtesy of CetraRudd, Bild: Alamy Stock Photos/mauritius images, Malcolm Griffiths/Formula Motorsport Limited/Getty Images

Lesen Sie auch

Giovanni Ferrero: Dieser Mann ist für Ihre Weihnachtspfunde (mit)verantwortlich