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Ernährung: Die nächste grüne Revolution - An den richtigen Innovationen verdienen

Ernährung: Die nächste grüne Revolution - An den richtigen Innovationen verdienen

WKN: 870625 ISIN: US9024941034 Tyson Foods Inc.

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19.03.2019 - 09:02
21.02.2019 03:10:00

Die Produktion von Lebensmitteln wird sich grundlegend verändern, damit die globale Nachfrage gedeckt werden kann. Wer an den richtigen Innovationen verdient. Von Julia Groß, Euro am Sonntag




Für hartgesottene Fans der ekligen Essprüfungen im Dschungelcamp hat Kaufland etwas Neues im Angebot. Pünktlich zum Abschluss der RTL-Show nahm Deutschlands zweitgrößter Einzelhändler Insektensnacks der französischen Firma Jimini ins Sortiment. Kommen die Müsli­riegel mit Buffalowurmmehl noch ganz unauffällig daher, so sind die knusprig gebackenen Grillen und Mehlwürmer ("mit Knoblauch und Kräutern") ganz sicher nicht jedermanns Sache.



Für die meisten Kunden in über 600 Filialen sind diese Produkte wohl in erster Linie ein ungewöhnlicher Gag. Kaufland dagegen will das Angebot weiter ausbauen: Auch Müsli und Nudeln, angereichert mit gemahlenen Insekten, sollen bald in den Regalen stehen. Würmer und Heuschrecken als alternative Proteinquelle sind nicht nur exotische Hinguckartikel, ihre Existenz hat einen ernsten Hintergrund. Denn Lebensmittel und die Art, wie sie hergestellt werden, müssen sich in den kommenden 20 bis 30 Jahren grundlegend ändern, um die globale Nachfrage weiter decken zu können. Die dafür nötigen Anpassungen gehen weit über ertragreicheres Saatgut oder GPS-gesteuerte Supertraktoren hinaus. Der Agrar- und Nahrungsmittelsektor steht vor einer ähnlichen disruptiven Entwicklung, wie sie die Musik- oder die IT-Industrie schon erfahren haben.


Die gute Nachricht: Die Ernährungsrevolution hat bereits begonnen. Wer heute als Anleger auf den Trend zu neuen Lebensmitteln oder nachhaltigerer Produktion aufspringt, setzt nicht auf ferne Visionen und Luftschlösser. Erste Produkte sind bereits auf dem Markt oder stehen kurz vor der Einführung, in den kommenden Jahren werden noch viele weitere folgen.

9,8 Milliarden ist die Zahl, um die sich alles dreht: So viele Menschen werden laut der aktuellsten Prognose der Vereinten Nationen im Jahr 2050 auf der Erde leben. Das sind 2,1 Milliarden mehr als jetzt, für sich genommen gar nicht mal so eine extreme Zunahme, denn das Bevölkerungswachstum hat sich zuletzt verlangsamt. Allerdings steigt auch der Lebensstandard, damit verändern sich die Essgewohnheiten. Die Welternährungsorganisation rechnet bis 2050 mit einem Anstieg des Fleischkonsums um gut 50 Prozent.

Zu wenig Anbaufläche für alle

Richtig Zündstoff enthalten diese Vorhersagen, wenn man parallel dazu die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächen betrachtet: Waren 1970 noch 3.800 Quadratmeter pro Kopf verfügbar, ist die Ackerfläche seitdem auf rund 2.100 Quadratmeter pro Erdbewohner geschrumpft. Im Jahr 2050 werden es nur noch 1.500 Quadratmeter sein.

Denn während die Bevölkerungszahlen steigen und mehr Flächen versiegelt werden, lassen sich die Ackerflächen schon jetzt kaum noch ausweiten. Dazu kommen Boden- und Wetterfaktoren. Klimaveränderungen werden in manchen Regionen der Welt positive Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktivität haben, in anderen dagegen negative. Extremwetterereignisse, deren Frequenz zunehmen soll, können ganze Ernten vernichten. In Summe rechnet das Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung mit weltweiten Produktionseinbußen aufgrund des Klimawandels von neun Prozent im Jahr 2030 und 23 Prozent im Jahr 2050.

Gleichzeitig sinkt auch die Bereitschaft junger Leute, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Ein Extrembeispiel ist Japan: Seit 1970 ist dort die Zahl der Bauern von über sieben auf weniger als zwei Millionen gefallen, mehr als die Hälfte der Landwirte ist über 70 Jahre alt. Die bewirtschaftete Fläche des Inselstaats ist in den vergangenen 50 Jahren um ein Fünftel kleiner geworden.

Eine mögliche Lösung, um die Millionenbevölkerung trotzdem mit grüner Frischware zu versorgen, bieten vertikale Farmen: Salat und Kräuter wachsen dabei übereinander in riesigen beleuchteten Hallen. Das spart Platz und macht die Produktion wetter- und klima­unabhängig, zudem können Roboter viele Arbeitsschritte übernehmen. Rund 200 solcher Anlagen gibt es in Japan bereits, Tendenz steigend.

Anfang November vergangenen Jahres hat das Unternehmen Spread in der Präfektur Kyoto mit der "Techno Farm" die nach eigenen Angaben größte automatisierte Vertikalfarm der Welt in Betrieb genommen. In Regalen mit mehr als einem Dutzend Stockwerken werden hier pro Tag 30.000 Salatköpfe erntereif - bestrahlt von Hightech-LED-Systemen, gehegt, gepflegt und gepflückt von Robotern. Nur noch 25 Menschen arbeiten in der knapp 4.000 Quadratmeter großen Fabrik. Erde sucht man in der Techno Farm vergebens - die Anlage basiert auf dem Hydroponics-System: Die Salatpflanzen erhalten alle Nährstoffe über Wasser, das ihre Wurzeln umspült. Bei einer von anderen Firmen genutzten Variante, Aeroponics, ist es gar nur Nebel, der die Wurzeln benetzt.

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