Die nachlassenden Spekulationen auf eine baldige US-Zinserhöhung haben die Aktienbörsen am Donnerstag gestützt. Die Stärke des Euro machte die anfänglichen Kursgewinne aber wieder zunichte, da eine Aufwertung Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig machen.

Der Dax lag knapp im Minus bei 9611 Punkten und der EuroStoxx50 büßte 0,5 Prozent auf 2894 Zähler ein. Am Devisenmarkt kletterte der Euro zeitweise auf ein Sechs-Monats-Hoch von 1,1453 Dollar. Einige Investoren nutzten die aktuelle Schwäche der US-Währung und deckten sich mit Gold ein. Das Edelmetall verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 1237,48 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Hauptgesprächsthema an den Börsen waren die am Mittwochabend veröffentlichten Protokolle der Fed-Sitzung vom März. Aus ihnen geht hervor, dass sich die US-Notenbanker über eine baldige Zinsanhebung nicht einig sind. "Die amerikanische Notenbank hat den Entwicklungen in der Weltwirtschaft Sitzung eine höhere Aufmerksamkeit gezollt", betonte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Daher werde die Fed die geldpolitischen Zügel wohl eher langsamer anziehen. "Das sind schlechte Nachrichten für den Deutschen Aktienindex, der bereits unter einem starken Euro leidet."

Zur britischen Währung kletterte der Euro am Donnerstag sogar auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 0,8117 Pfund. Nach dem Nein der Niederländer zum EU-Handelsabkommen mit der Ukraine wittern die Brexit-Befürworter Morgenluft. Die Briten stimmen am 23. Juni über ein Ausscheiden des Königreichs aus der EU ab. Jüngsten Umfragen zufolge liegen beide Lager fast gleichauf.

FINANZWERTE AUF TALFAHRT - MARKS & SPENCER GEFRAGT



Am Aktienmarkt gehörten die Finanzwerte zu den größten Verlierern. Deutsche Bank, die französische BNP Paribas, die italienische Unicredit und die spanische Santander büßten bis zu 2,9 Prozent ein. Investoren erwarten wegen der Kursturbulenzen zum Jahresauftakt enttäuschende Quartalsergebnisse. Die Deutsche Bank hat Anleger bereits vor Wochen auf schwache Zahlen eingestimmt.

In London legten Marks & Spencer dagegen 3,7 Prozent zu. Der Umsatz der Kaufhauskette mit Bekleidung ging im abgelaufenen Quartal zwar um 2,7 Prozent zurück. Analysten hatten allerdings mit einem Minus von 3,4 Prozent gerechnet. Der neue Chef Steve Rowe habe offenbar das Ruder herumgerissen und die Firma auf einen guten Weg geführt, schrieben die Analysten des Vermögensverwalters Shore Capital und bekräftigten ihre Kaufempfehlung für die Aktie.

Gefragt blieben auch die europäischen Pharmawerte. AstraZeneca, Merck, Roche, Sanofi und Shire bis zu 1,3 Prozent zu. Börsianern zufolge wetten Anleger darauf, dass nach dem Aus für die 160 Milliarden Dollar schwere Fusion des Viagra-Herstellers Pfizer und des Botox-Anbieters Allergan sich eine oder beide Firmen nach neuen Partnern umsehen.

Reuters