Wir sind zwar optimistisch ins Jahr 2019 gegangen, aber dass es am Schluss 40 Prozent Plus werden, hätten wir nicht erwartet", sagt ­Matthias Born. Auch Armin Zinser gibt zu, dass er sich ein solch hervorragendes An­lageergebnis "nicht erträumt hätte". Born und Zinser managen Europa-Aktienfonds und beide standen mit ihren Portfolios Ende vergangenen Jahres ganz oben in den Rankings.

2019 war ein sehr gutes Börsenjahr - europäische Aktien erzielten die stärkste Wertentwicklung seit einem Jahrzehnt. Mit der Top-Riege der Fondsmanager konnten Anleger davon bestens profitieren. Die gute Nachricht: Auch in diesem Jahr sollte das gelingen.

Denn die Aussichten für den alten Kontinent haben sich tendenziell verbessert. "Das Konsumklima bleibt gut", sagt Martyn Hole, Investment Director beim amerikanischen Vermögensverwalter Capital Group. "Die Arbeitslosigkeit ist in den meisten europäischen Ländern gefallen, und höhere Löhne bei einer niedrigeren Gesamtinflation haben die Realeinkommen der Haushalte steigen lassen." Hole urteilt, dass die schwierigste Phase der europäischen Konjunktur vorbei sein könnte. Das Wachstum stabilisiere sich, wenn auch auf einem niedrigen Niveau.

Auch Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Assetmanager Bantleon, rechnet in seinem Ausblick für 2020 mit einer konjunkturellen Belebung in der Eurozone. "Dann würden die Unternehmen ihre Gewinnschätzungen anheben, was die Aktienmärkte weiter beflügeln würde. In einem normalen Konjunkturaufschwung geht dies mit Kurssteigerungen von mindestens 20 bis 25 Prozent einher", so Hartmann.

Gute Aussichten für Zykliker


Keine schlechten Aussichten also. Doch ruckelfrei wird diese Entwicklung nicht verlaufen, glaubt Matthias Born, der die Aktienfonds Berenberg European Focus (siehe Investor-Info) und Berenberg Eurozone Focus lenkt. Seiner Einschätzung nach werden die Unternehmen erst einmal mit vorsichtigen Ausblicken ins Jahr starten. Die könnten manche Investoren verunsichern und an der wirtschaftlichen Erholung zweifeln lassen. Volatile Kurse wären die Folge. Erst im Lauf des Jahres würden Unternehmen und Anleger dann Vertrauen in den Aufschwung fassen.

Vor dem Hintergrund einer konjunkturellen Aufhellung dürften in diesem Jahr besonders zyklische Werte bei den Investoren gefragt sein. Fondsmanager Born findet speziell Halbleiterunternehmen und deren Zulieferer interessant. Denn diese profitierten zusätzlich von einer strukturell wachsenden Nachfrage. "Man denke etwa an neue Technologiebereiche wie künstliche Intelligenz oder den neuen Mobilfunkstandard 5G", so Born. "Auch der Bau von Elektroautos führt zu einem verstärkten Einsatz von Halbleitern." Europa habe hier mit Unternehmen wie der niederländischen ASLM oder der deutschen Infineon starke Profiteure.

Generell sei der europäische Aktienmarkt wesentlich attraktiver als gemeinhin angenommen werde, sagt Born. Dass der US-Markt meist im Rampenlicht stehe, liege vor allem daran, dass große, wachstumsstarke Unternehmen die Börsenindizes dominieren. Die Firmen, die in Europa das stärkste Gewicht in den Indizes haben, seien häufig klassischen Industriezweigen zuzuordnen und würden weniger stark wachsen. Dafür gebe es auf dem alten Kontinent eine Vielzahl kleinerer Unternehmen, die in ihren Bereichen Marktführer seien. "Die Namen sind nicht allen geläufig, aber in puncto Wachstum stehen sie den großen Playern in nichts nach", erklärt Born. Wichtig sei, als europäischer Anleger abseits der großen Indizes zu denken und auch Nebenwerte ins Portfolio mit einzubeziehen.

Dass sich ein solcher All-Cap-Ansatz lohnt, bewies Born mit den eingangs erwähnten 40 Prozent Kurszuwachs 2019 sowohl bei seinem Europa- als auch seinem Euroland-Fonds. Wer auf die Standardindizes Stoxx Europe 600 und Euro Stoxx 50 setzte, fuhr zwar auch nicht schlecht, verbuchte Ende 2019 aber einen geringeren Zuwachs von zehn Prozentpunkten und mehr.

Abseits ausgetretener Pfade ist auch Armin Zinser unterwegs. Mit seinem Fonds Prévoir Gestion Actions setzte er sich 2019 in die Spitzengruppe der Euroland-Portfolios. Auch über drei, fünf und zehn Jahre platziert er sich jeweils unter den besten drei. Obwohl Zinser einen in Frankreich aufgelegten Fonds managt, ist sein Spezialgebiet der deutsche Mittelstand. Weltmarktführer aus der Provinz nehmen meist einen hohen Anteil in seinem Portfolio ein. Vor allem interessieren ihn Firmen, "die ihr Geschäft zunehmend in den aufstrebenden Schwellenländern machen".

Neben den genannten aktiv gema­nagten Fonds dürfte 2020 auch ein Indexfonds weiter profitieren: der Deka ­Europe Strong Growth 20 ETF. Er setzt in konzentrierter Form auf stark wachsende Unternehmen. Die dürften bei ­einer wirtschaftlichen Erholung weiter Konjunktur haben.

Investor-Info

Berenberg European Focus
Wachstum in allen Größen


Vor drei Jahren wechselte Allianz-GI-Spitzenmanager Matthias Born zur Privatbank Berenberg, wo er seit Oktober 2017 diesen Europa- Aktienfonds managt. Borns Erfahrung zahlt sich offenbar aus, wie die Anlageergebnisse zeigen. Mit dem Portfolio verfolgt der Fondsmanager eine wachstumsorientierte Strategie. Er setzt konzentriert auf eine Auswahl von rund 50 Titeln. Nach einem All-Cap-Ansatz investiert er sowohl in Standardwerte als auch kleine und mittlere Unternehmen.

Prévoir Gestion Actions
Renditeperlen der Eurozone


Wer nur auf Aktien der Eurozone setzen will, weil er zum Beispiel britische Titel außen vor lassen möchte, findet in diesem Fonds ein renditestarkes Investment. Die Performance überzeugt auf kurze wie auch lange Sicht. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass sich Fondsmanager Armin Zinser bei der Titelauswahl stark auf kleinere und mittlere Unternehmen aus Deutschland konzentriert. Auch eine gewisse Toleranz gegenüber höheren Wertschwankungen sollte man mitbringen.

Deka Eur. Strong Growth 20
ETF für Wachstum pur


Weitaus bessere Anlageergebnisse als mit ­Investments auf die europäischen Standard­indizes ließen sich in den vergangenen Jahren auch mit diesem ETF erzielen. Er bildet einen Index ab, der die 20 reinrassigsten Wachstumsunternehmen in Europa enthält. Diese werden durch die quantitative Analyse sechs fundamentaler Kennzahlen ermittelt, etwa Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividendenrendite oder Gewinnwachstum. Die Indexanpassung erfolgt jährlich im September. Durch Konzentration auf nur 20 Titel erhöhte Volatilität.